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Rückenschmerzen beim Pferd

Wie erkenne ich, ob mein Pferd Rückenschmerzen hat? - 10 Warnsignale

Was haben 70% der Westeuropäer und 70% der Reitpferde gemeinsam? Sie haben mindestens einmal im Leben deutliche Rückenschmerzen. 

"Mein Pferd hat keine Schmerzen", mag der eine oder andere Pferdebesitzer nun denken. Aber als Flucht- und Herdentiere können Pferde Schmerzen sehr gut kaschieren. Durch Muskelanspannung können beschädigte Gelenke soweit fixiert werden, dass Bewegung möglich ist. Und in Stresssituationen, traben kranke Pferde sogar ohne Zeichen einer Lahmheit. 

Warnsignal Nr. 1: Der Rücken sieht schlecht aus

Der Hals ist dünn und es besteht sogar ein sogenannter Unterhals. Dabei ist die Muskulatur im unteren Bereich des Halses sehr stark ausgeprägt und im oberen Bereich nicht. 

Hinter/oberhalb dem Schulterblatt ist eine Delle und die Wirbelsäule ist im Sattelbereich deutlich sichtbar. Oder dein Pferd hat einen sogenannten Karpfenrücken, bei dem die Lendenwirbel - eigentlich ein beweglicher Teil der Wirbelsäule - verknöchert sind. Vielleicht sind auch Verknöcherungen an anderen Teilen der Wirbelsäule tast- oder sogar sichtbar. Dann solltest du auf jeden Fall die Wirbelsäule von deinem Pferd in einer Tierklinik röntgen lassen, um Kissing Spine Syndrom auszuschliessen.

Auch ein "Hunters Bump" kann massive Schmerzen verursachen wohingegen ein leichter Senkrücken nicht unbedingt schmerzhaft sein muss, jedoch deiner Aufmerksamkeit bedarf hinsichtlich einer besseren Gymnastizierung der Bauch- und Rückenmuskulatur

*Hunters Bump:  An der höchsten Stelle der Kruppe befinden sich die beiden Kreuzbeinhöcker. Wenn diese nicht nebeneinander stehen, sonder einer davon etwas tiefer steht, spricht man von einem Hunters Bump. 

Warnsignal Nr. 2: Dein Pferd möchte beim Putzen nicht still stehen

Besonders wenn du Rücken, Bauch und Gurtlage putzen möchtest, legt es die Ohren an oder geht hin und her. Wenn du die Beine putzt, steht es ruhig. 

Warnsignal Nr. 3: Trensen ist schwierig

Beim Trensen reißt das Pferd den Kopf hoch, oder es wehrt sich das Gebiss zu nehmen oder fängt an zu zappeln, wenn du den Nasenriemen schließen möchtest. Viele Reiten denken, es liegt am Gebiss und steigen dann auf gebisslos um. Dabei haben Pferde mit Rückenschmerzen sehr oft auch Schmerzen im Genickbereich, denn das Nackenband, das aus dem Rückenband hervorgeht, setzt hinter den Ohren an. Manchmal sind die Pferde empfindlicher an den Ohren, manchmal mehr am Genick oder seitlich über dem 1. Halswirbel, über dem Atlasflügel. 

Warnsignal Nr. 4: Abwehrreaktion beim Satteln

Dein freundliches, zugewandtes Pferd hat sich in ein aggressives, zähnebleckendes Wesen verwandelt kaum stehst du mit dem Sattel über dem Arm neben ihm? Du schaffst es gerade noch den Sattel auf seinen Rücken zu legen, aber dein Pferd möchte am liebsten danach beißen? Vielleicht sagt es dir, dass der Sattel drückt oder unbequem ist, vielleicht verknüpft es aber auch den Sattel mit schon bestehenden Schmerzen. Wohingegen ein reiner Gurtzwang auch aus Schmerzen in den Vordergliedmaßen, z. B. aufgrund von Schale oder einer Hufrollenerkrankung resultieren kann. 

Warnsignal Nr. 5: Dein Pferd möchte beim Aufsteigen nicht stillstehen

In der Bodenarbeit hast du das Stehenbleiben schon so oft geübt und nun das! "Das Pferd verarscht sie", höre ich dann leider von anderen Miteinstallern. Dabei möchte dir dein Pferd etwas sagen ...

Benutzt du eine Aufstiegshilfe die für die Gesunderhaltung des Pferderückens unerlässlich ist? Und nimmst du dir genügend Zeit, um aufzusteigen und dann erst einmal dein Pferd zu loben und durchzuatmen, bevor du losreitest? 

Pferde mit akutem "Kissing Spine Syndrom" steigen sogar in dem Moment, wo sich der Mensch in den Sattel begeben will. Wenn man sich ein bisschen damit befasst, ist es klar. 

Wenn dein Pferd extreme und neue Verhaltensweisen beim Aufsteigen zeigt, rufe also den Tierarzt und nicht den Trainer. Hat dein Pferd Schmerzen, die aus chronischen Leiden oder Muskelverspannungen resultieren, zeigt es dies oftmals "nur" mit dem nicht stillstehen wollen. 

In einem separaten Blog gebe ich dir Tipps, wie du rückenfreundlich und entspannt aufsteigen kannst:

Um es besser zu veranschaulichen, habe ich dazu mit Hidalgo (obwohl er seit einem Jahr nicht mehr geritten werden konnte) ein Video gemacht. Das findest du unter joy with horses auf YouTube. 

Warnsignal Nr. 6: Kreuzdarmbeingelenk macht Probleme

Der Sattel rutscht immer wieder zu einer Seite und dein Pferd fühlt sich schief an. Hier könnte eine Ursache das Kreuzdarmbeingelenk - auch Iliosakralgelenk (kurz: ISG) genannt - sein. Es zeigt sich weniger in einer Lahmheit und wenn, dann meistens in der Lahmheit des diagonalen Vorderbeines. Somit wird das Problem oftmals nicht erkannt. Auch ein schief getragener Schweif kann auf ein Problem im Iliosakralgelenk hinweisen. 

Warnsignal Nr. 7: Das Pferd bleibt beim Reiten ständig stehen

Oder es ist extrem faul. Damit möchte es dir sagen: "Dein Gewicht ist mir unangenehm, bitte steige wieder ab." Natürlich gibt es genau das Gegenteil, nämlich die Pferde, die unter dem Reiter wegrennen, auch das kann ein Alarmsignal sein. 

Warnsignal Nr. 8: Die Anlehnung ist schwierig

Ständig reißt dir das Pferd die Zügel aus der Hand, oder es verkriecht sich hinter der Senkrechten sobald du die Zügel aufnimmst. Oder es verkantet sich. Eigentlich muss das Pferd die obere und untere Verspannung aktivieren, um das Reitergewicht optimal zu tragen. Dabei trägt das Pferd das Reitergewicht nicht mit der Rückenmuskulatur, sondern mit dieser Spannkonstruktion. Kernbereich ist die Widerrist-Halspartie. Aber auch die tiefen Rücken- und Bauchmuskeln. Dazu an anderer Stelle mehr. 

Warnsignal Nr. 9: Das Pferd hat Probleme im Galopp

Für einen harmonischen Galopp muss das Pferd in der Lage sein, den Rücken aufzuwölben. Buckelt es beim Angaloppieren, springt immer wieder in den Kreuzgalopp oder buckelt es obwohl es jeden Tag Weidegang hat, dann kann es sein, dass es sich im Rücken festhält. Manche Pferde mit Rückenschmerzen möchten gar nicht galoppieren. 

Warnsignal Nr. 10: Dein Pferd sieht ständig Monster

Oder es hängt sich an Kleinigkeiten auf. Pferde mit Schmerzen haben eine niedrigere Reizschwelle. Falls du selbst schon einmal Kopf- oder Rückenschmerzen hattest, kannst du das bestimmt nachvollziehen. Wenn dein Pferd also auf einmal den Kopf hebt und in die Ferne starrt, manche Pferde mit Rückenschmerzen machen das bereits beim Satteln oder Trensen, dann versucht es zu disassoziieren, es richtet die Aufmerksamkeit auf etwas außerhalb seines Körpers, um die Schmerzen nicht zu fühlen. 

Was tun?

Dein Tierarzt hat viele Möglichkeiten, dein Pferd auf Rückenschmerzen zu untersuchen. Darüber hinaus liefert die TCM - die Traditionelle Chinesische Medizin eine weitere Alternative um das Ausmass und die Lokalisaton von Schmerzen festzustellen und zu therapieren.  

Für weitere Informationen und Hilfe kannst du mich gerne kontaktieren. 

 

In einem weiteren Blog, erfährst du, wie du Rückenschmerzen lindern und verhindern kannst. 

Wie Pferde ihre Rückenschmerzen noch zeigen oder "eben" auch nicht zeigen, erfährst du anhand von 4 Geschichten aus der Praxis in meinem Blog:

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