· 

Periodische Augenentzündung beim Pferd

Periodische Augenentzündung

Ein Erfahrungsbericht

Im Juni 2009 kaufte ich einen damals 5-jährigen Knabstrupper. Ein Fuchsschabracktiger, die Westernreiterfreunde nannten ihn schmunzelnd einen zu groß geratenen Appaloosa. Die Ankaufsuntersuchung hatte er bestanden. Zu dieser Zeit besass ich noch kein Wissen aus der TCM,

s

der traditionellen chinesischen Medizin. Erfahrene Therapeuten können das Pferd untersuchen und anhand von Puls und Reaktion an bestimmten Akupunkturpunkten Rückschlüsse auf Beschwerden ziehen.

Schleim an den Augen

Nach kurzer Zeit schon fiel mir auf, dass er oft Schleim an den Augen hatte. Die Fliegenhaube konnte er nicht gut ertragen, er zog sie immer wieder aus. Durch seine freiliegenden Bindehäute hatte er sehr schnell eine Bindehautentzündung. Bei dem Versuch, die Augen zu säubern und ihm Augensalbe zu verabreichen, musste ich nach einer halben Stunde aufgeben, so sehr wehrte er sich und nahm sofort den Kopf hoch bis an die Decke. Aus heutiger Sicht hätte ich da schon den Tierarzt rufen sollen, um unter Sedation das Auge zu untersuchen und zu behandeln. Aber hinterher ist man immer klüger ...

An periodische Augenentzündung dachte ich nicht im Traum, schließlich hatte er ja auch die Ankaufsuntersuchung bestanden. Dann gelang es, seine Augen adäquat zu versorgen, indem eine Freundin ihm Leckerlis fütterte und ich die Augensalbe eingab. 

Als ausgebildete Tierhomöopathin begann ich aufgrund seiner Probleme im Bewegungsapparat eine sogenannte konstitutionelle Therapie. Dabei wird für eine Vielzahl von Symptomen, die das Tier zeigt, eine Mittel gesucht, das ähnliche Merkmale aufweist. In seinem Fall war es Calcium Carbonicum.

Parallel dazu wurde er von einer Tierärztin mit Akupuntur und Chiropraktik behandelt. Dabei stach sie auch immer einen Punkt für das Auge. Sie meinte, er hätte ein Problem mit den Tränenkanälen. Auf Periodische Augenentzündung kam sie nicht.

Erstmal alles gut

So hatten wir Ruhe. Natürlich zog ich ihm im Sommer immer das Halfter mit Fliegenbändel an, dass er vor den Fliegen geschützt war.

Im Sommer 2013 zeigten er und mehrere Pferde, die während einer Schönwetterphase Tag und Nacht draussen waren, Symptome einer Bindehautentzündung. Fortan stellte ich sie abends immer in den Stall und und wieder war alles gut. 

Linkes Auge

An einem Freitagnachmittag im Sommer 2015 tränte sein linkes Auge. Ich besorgte sofort Augensalbe und gab sie ihm ohne Probleme. Am Sonntagnachmittag sah ich, dass das Auge eintrübte. Da war mir sofort klar, dass ich es mit periodischer Augenentzündung zu tun hatte. Montagmorgen rief ich in meiner Tierarztpraxis an und teilte der Helferin meine Verdachtsdiagnose mit. Die Tierärztin kam noch am gleichen Tag. Bei dem Versuch, die Augen zu untersuchen, wehrte sich mein Pferd jedoch sofort, dass die Tierärztin ihn nach mehrmaligen Versuchen, sedieren musste. 

Er bekam sofort Langzeit-Atropintropfen, die eine Weitstellung der Linse bewirken, so dass die gefährlichen Verklebungen im Auge verhindert werden. 

Und natürlich Cortisonsalbe für die Entzündung. 

"Eigentlich wollte ich Ihnen 2 Tuben geben, denn die Salbe muss 3-Mal täglich verabreicht werden. Aber so wie er sich wehrt, glaube ich nicht, dass Sie das Sie das schaffen, deshalb gebe ich Ihnen nur eine Tube", meinte sie und drückte mir die Schachtel in die Hand. Am nächsten Morgen war ich bei Tagesanbruch am Stall und quetschte ihm ohne Probleme die Salbe ins Auge.

Am Tag darauf kam ich zufällig mit einer Frau ins Gespräch, die auch ein Pferd mit periodischer Augenentzündung hatte. "Das kann man homöopathisch sehr gut behandeln," meinte sie. Natürlich, ich hatte den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. So begann ich sofort parallel zur schulmedizinischen Therapie eine homöopathische Therapie mit homöopathischen Augentropfen im Wechsel zur Kortisonsalbe und homöopathische Mittel, bewährt bei ERU (Equine Rezidivierende Uveitis = Periodische Augenentzündung). Nach 8 Tagen konnte ich die Kortisonsalbe absetzen. Wir haben bis heute kein Rezidiv auf dem linken Auge gehabt, aber leider ...

ERU auf dem rechten Auge

Nach einem sehr stressigen Erlebnis im Sommer 2016 tränte sein rechtes Auge. Ich schreibe das extra, denn wir als Pferdebesitzer vergessen oft, dass Stress bei den Pferden nicht nur Magengeschwüre verursachen, sondern auch negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben kann.

Außerdem kniff er das Auge direkt zu, als ich die Fliegenmaske etwas anhob. Ich ruf sofort die Tierärztin. Nach langer Begutachtung bestätigte sie meinen Verdacht auf periodischer Augenentzündung. Nachdem wir dieses Mal trotz homöopathischer Begleittherapie nach zwei Wochen ein Rezidiv hatten, empfahl sie mir, zu Professor Toth in die Augenklinik Domäne Karthaus zu fahren. Ich rief dort an und schilderte unsere Geschichte. Professor Toth persönlich rief mich zurück und gab mir einen Termin. Ich mietete Auto und Hänger, lud mein Hängerfahrenbabysitter Pony und Patient ein und machte mich auf den Weg. Es ist war eine Odyssee mitten am Tag quer durchs Ruhrgebiet mit einem Pferd, das im Stau anfing, den Hänger ins Schaukeln zu bringen.

Bei Professor Toth

Wir mussten uns noch etwas gedulden, doch schließlich sah ich ihn mit der Spritze in der Hand vor dem Behandlungsraum stehen. Hidalgo wurde einmal gepikst und wir gingen hinein. Ich schilderte noch einmal kurz unsere Geschichte. Der Professor machte bei beiden Augen einen Ultraschall. Er erklärte mir, dass er bei beiden Augen die Krankheitszeichen erkennen konnte, dass mein Pferd aber noch gut sehen konnte. Ferner erklärte er mir, dass es sich um eine Autoimmunkrankheit handele, die aber auch völlig zum Stillstand kommen kann. Außerdem erklärte er mir, dass im akuten Stadium das Pferd solche Schmerzen habe, die mit einer starken Migräne vergleichbar sind. Und so als würde eine Kraft den Augapfel nach innen drücken. Er gab mir die doppelte Dosis Equipalazone mit, denn er schätzte mein Pferd auf 750 kg und eine Flasche Teufelskralle mit MSM für die Entzündung und noch eine Tube Isoptomax. Total erleichtert und voller Dankbarkeit fuhr ich nach Hause.

Frühjahr 2018

Im März diesen Jahres traf ich zufällig eine alte Bekannte, deren Haflinger auch ERU hat. Sie war ebenfalls bei Professor Toth gewesen, der ihr erklärt hatte, dass man diese Krankheit mit Schleim im Auge vergleichen kann. Seit einiger Zeit ist wieder sehr viel Schleim in beiden Augen. Mal mehr rechts, mal mehr links und ich muss es vorsichtig mit einem Wattestäbchen herausholen. Wenn dies geschieht, habe ich den Eindruck, das Auge ist stabil und es gibt keine Entzündungszeichen. Jedoch bekommt er, sobald die Sonne scheint, prophylaktisch immer homöopathische Augentropfen. Sehr geholfen und hilft immer noch:

Die Fliegenmaske von Bucas mit UV-Schutz (der ist unabdingbar!). Davon haben wir 4 Stück, sodass wir jeden Tag wechseln können. Mittlerweile sind die Augen so stabil, dass er im Winter auch ohne Augenschutz draussen stehen kann.

Update 12.04.2019

Letzte Woche hatten wir aufgrund des Fesselträgerschadens  eine Tierärztin da, die in der Vergangenheit in der Domäne Karthaus gearbeitet hatte. Als ich ihr von der PAE erzählte, fragte sie mich ob Hidalgo schon eine Vitrektomie hatte, da die PAE fortschreitet und die Pferde sowieso blind würden. Ich erzählte von meinem Gespräch mit Professor Toth und wir wechselten das Thema. Es hat mich ziemlich geschockt, und seitdem teste ich öfters mal Hidalgo's Sicht.

Natürlich ist mit dem schönen Wetter immer die Sorge um die Augen da, aber jetzt hat er auch wieder Akupunktur bekommen und ich akupressiere jetzt auch wieder öfters zusätzlich zu homöopathischen Augentropfen und UV Schutz.

Im akuten Schub könnte man auch Blutegel setzen, aber ich hoffe, dass wir das nicht müssen, dass es - trotz negativer Prophezeihungen - keinen akuten Schub mehr gibt.

In der Hauszeitschrift vom Semmelweis-Verlag, der wiederum zu der Firma Sanum Kehlbeck gehört, die die von mir verwendeten Augentropfen Mucokehl herstellen, gibt es einen Artikel zu einem Therapieplan von der Heilpraktikerin Kothe-Papst und Fallbeschreibung. Traumeel habe ich in der Vergangenheit auch schon eingesetzt, sowie ein paar andere der beschriebenen Mittel.

Da ich öfters nach diesen Augentropfen gefragt werde, hier noch eine Beschreibung der Wirkung von Mucokehl Augentropfen, die ich bei einer Versandapotheke gefunden habe:

  • unterstützt den Augenmetabolismus
  • verbessert Ernährung des Augengewebes
  • reinigt durch biogene Stimulation
  • gegen Linsentrübung
  • homöopathisches Arzneimittel

Bei der Versandapotheke mycare kann man sie bestellen:

Kinesiologie und Periodische Augenentzündung

Update 11.07.2019

Wie in meinem Blog über  Eichenprozessionsspinner zu lesen, haben wir dieses Jahr wieder Nester, die ich nicht abflammen konnte. Somit sind die Häarchen überall. Nachdem sich Hidalgo im Paddock gewälzt hatte, wurde sofort ein Auge dick. Ich habe gleich das ganz Gesicht feucht gesäubert und die Augen mit Augentropfen quasi gespült. Am nächsten Tag war alles wieder gut. 

Heute kam ich ins Gespräch mit Pferdeleuten aus der Nachbarschaft. Sie hatten auch ein Pferd mit periodischer Augenentzündung und ließen es kinesiologisch austesten. Mit Hilfe des sogenannten kinesiologischen Muskeltests wurden von der Therapeutin Ja/Nein-Fragen gestellt. Dabei kam heraus, das das Pferd mehr Salz benötigte. Sie haben dies dann in Form von einfachem Viehsalz teelöffelweise unters Futter gemischt. Das Pferd hatte nie wieder einen Schub. 

Ich habe Natrium chloratum als homöopathisches Mittel daraufhin nachgelesen. In der Tat zeigt sich im Arzneimittelbild tränende Augen insbesondere bei Pollenallergie und Kopfschmerzen bei Sonne. Nun werde ich Hidalgo 2 Teelöffel in einen extra Futtereimer geben, er kann dann selbst entscheiden, ob er es zum Salzleckstein noch möchte oder nicht.  Allerdings müsste ich ihn testen lassen, um herauszufinden was ihm genau hilft oder fehlt denn die Kinesiologie arbeitet immer individuell.

 

In diesem Zusammenhang fiel mir noch eine Begebenheit aus 2009 ein. Damals machte eine Bekannte eine Ausbildung in der Arbeit mit dem Tensor (dem Pendel). Sie bot mir an, Hidalgo zu testen. In erster Linie ging es jedoch um seine Stellung in der Herde und weniger um gesundheitliche Themen. Es wurde deutlich, welche Pferde seine Freunde waren und mit wem es gar nicht harmonierte. Dies hat sich tatsächlich so bestätigt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Larissa (Samstag, 20 April 2019 08:10)

    Hallo Joy,

    Habe deinen Beitrag gerade gelesen. Kannst du mir sagen, welche homöopathischen Augentropfen du verwendest?

    Meine Ponystute hat vermutlich auch eine periodische Augenentzündung. Letztes Jahr im Juli war ihr Auge bereits einmal angeschwollen, konnte aber sofort vom Tierarzt behandelt werden und ist nach kurzer Zeit wieder abgeschwollen. Gestern war es wieder so dick. Sie hat wieder zwei Spritzen bekommen (Entzündungshemmer und Schmerzmittel) sowie die Salbe die du auch verwendet hast. Ich werde ihr heute eine Fliegenmaske mit UV-Schutz kaufen. Mal schauen was sie dazu sagt.

    Viele Grüße Larissa

  • #2

    Steffi (Freitag, 26 April 2019 21:59)

    Hallo Larissa,
    ich benutzte im akuten Schub Mucokehl Augentropfen von Sanum Kehlbeck. Außerdem verwende ich Wala Euphrasia oder Augentrost von Herbavision wenn das Auge "nur" gereizt ist. Ich werde meinen Blog in Kürze noch einmal updaten.
    Alles Gute für Dein Pferd.
    Viele Grüße
    Steffi
    www.joy-with-horses.com

  • #3

    Doreen (Samstag, 25 Mai 2019 09:01)

    Hallo Steffi,
    ich bin auf deinen Artikel aufmerksam geworden, da die Schulmedizin, meiner Meinung nach, im Moment bei meiner Stute nicht mehr weiterkommt und ich um jede Information dankbar bin, die ich bekomme.
    Meine Frage ist, ob Prof. Toth von der Gabe der homöopathischen Tropfen wusste und ob man die homöopathischen Tropfen und die Salben der Schulmedizin immer miteinander kombinieren kann.
    Ich bin da noch etwas vorsichtig, da ich Angst habe es noch zu verschlimmern, denn es ist allgemein schon schlimm genug, sodass sie zur Zeit in der Klinik stehen muss.
    Ich danke dir schon einmal im Voraus.
    Liebe Grüße
    Doreen

  • #4

    Steffi (Montag, 27 Mai 2019 11:05)

    Hallo Doreen,
    nein, ich habe mit Prof. Toth nicht über die homöopathischen Tropfen gesprochen. Meine Erfahrung ist, dass ein guter Therapeut ein Behandlungskonzept hat und verfolgt. Wenn dann parallel andere auch noch etwas machen, kann man nie beurteilen, was geholfen oder verschlimmert hat. Normalerweise geht die Homöopathie auch nicht gut zusammen mit Schulmedizin. 2015 war ich so verzweifelt, dass ich bereit war, das Risiko einzugehen.

    Jedoch ist die Akupunktur eine sehr gute Komplementärmedizin zur Schulmedizin, die bei der ERU auch helfen kann, wenn der Therapeut eine chinesische Diagnose erstellt und danach behandelt. Vielleicht sprichst du mal mit dem Prof. Toth darüber. Ich hoffe jedoch, dass es Deiner Stute mittlerweise besser geht und sie über dem Berg ist.
    Wenn der akute Schub auskuriert ist, kann ich Dir nur eine homöopathische Konstitutionstherapie ans Herz legen, evtl. kombiniert mit Akupunktur und natürlich UV-Schutz und Stressvermeidung und gute Fütterung (Entlastung der Leber) und richtige Bewegung.
    Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du Dich gerne melden.
    Alles Gute für Deine Stute.
    Steffi