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Mesotherapie bei Rückenschmerzen der Pferde

Mesotherapie bei Rückenschmerzen beim Pferd – ein wichtiger Baustein in der Rücken-Rehabilitation

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für Leistungsprobleme, Widersetzlichkeit unter dem Sattel und Schwierigkeiten im Alltag des Pferdes. Darüber hinaus zeigen Pferde mit Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Iliosakralgelenks (ISG) oft deutliche Probleme beim Hufegeben oder beim Stehen auf drei Beinen.

Als Tierheilpraktikerin habe ich u.a. die Akusiniatrie gelernt, die ich in einem separaten Blogartikel ausführlich beschreibe. Mesotherapie habe ich selbst nie in dieser Form praktiziert, da die Injektion und Medikamentenanwendung in die Hände des Tierarztes gehört.

Trotzdem halte ich die Mesotherapie für einen wichtigen tierärztlichen Baustein in der Rücken-Rehabilitation beim Pferd, insbesondere wenn es darum geht, Schmerzen kurzfristig zu reduzieren und dadurch physiotherapeutische Maßnahmen, Muskelaufbau oder einen Hufschmiedetermin überhaupt erst möglich zu machen.

 

Warum Rückenschmerzen manchmal erst beim Hufschmied auffallen

Als Pferdebesitzer habe ich selbst beobachtet, dass ein Pferd plötzlich:

• den Hinterhuf nicht mehr länger halten kann,

• ständig absetzt,

• beim Ausschneiden unruhig wird,

• mit der Hinterhand ausweicht,

• oder beim Schmied deutlich gestresst reagiert.

Gerade Pferde mit ISG-, Lenden- oder tiefen Rückenschmerzen müssen beim Hufegeben das gesamte Körpergewicht auf drei Beine verlagern. Diese Gewichtsverlagerung belastet den schmerzhaften Rücken- und Beckenbereich massiv.

Das Verhalten wird dann häufig als „schwierig“ oder „unartig“ interpretiert, obwohl viele dieser Pferde schlicht nicht schmerzfrei auf drei Beinen stehen können. In einem Fall stieg mein Pferd, nachdem der Hufschmied das Vorderbein ruckartig nach vorne oben zog, um den Huf auf den Bock zu stellen. 

 

Was ist Mesotherapie beim Pferd?

Bei der Mesotherapie werden durch den Tierarzt viele kleine Injektionen oberflächlich in die Haut entlang der Wirbelsäule gesetzt. Ziel ist eine lokale Schmerzmodulation, ohne tief in Gelenke oder Muskulatur zu injizieren.

Im deutschsprachigen Raum wird die Mesotherapie häufig mit Procain aus der Neuraltherapie kombiniert. Procain wird dabei genutzt, um den Schmerz-Spannungs-Kreislauf kurzfristig zu unterbrechen und die Schutzspannung der Rückenmuskulatur zu reduzieren.

Wichtig ist mir an dieser Stelle die klare Abgrenzung:

• Diagnostik, Medikamentenauswahl und Injektion = Tierarzt

• Rehabilitation, Muskelaufbau, und Trainingsbegleitung = meine Arbeit als Tierheilpraktikerin

Warum ich Mesotherapie als wichtigen Reha-Baustein sehe

Ich betrachte Mesotherapie nicht als Wundermittel und auch nicht als Ersatz für ein durchdachtes Rehabilitationskonzept. Ihr größter Wert liegt aus meiner Sicht darin, ein Zeitfenster zu schaffen, in dem das Pferd weniger Schmerzen hat und dadurch wieder sinnvoll arbeiten kann.

Dieses Zeitfenster sollte genutzt werden für:

• Aktivierung der Bauchmuskulatur

• Stabilisierung der Oberlinie

• Mobilisation von Brustkorb und Becken

• gezielten Muskelaufbau

• Verbesserung der Hufbalance

• Anpassung von Sattel und Training

Ohne diese Schritte kommt der Schmerz häufig zurück.

Mesotherapie vor dem Hufschmied – oft unterschätzt

In der Praxis sehe ich immer wieder Pferde, die beim Schmied kaum sicher zu bearbeiten sind, weil der Rücken- und ISG-Bereich bereits vor dem Termin massiv schmerzhaft ist.

Wenn die Schmerzspannung zuvor tierärztlich durch eine Mesotherapie reduziert werden kann, stehen viele dieser Pferde:

• ruhiger,

• stabiler,

• länger auf drei Beinen,

• und können den Hinterhuf deutlich besser geben.

Das ist nicht nur für das Pferd angenehmer, sondern erhöht auch die Sicherheit für Hufschmied und Besitzer.

Gerade bei chronischen Rückenpatienten kann dies der Unterschied zwischen einem stressreichen Termin und einer ruhigen, sicheren Hufbearbeitung sein.

 

Kissing Spines und PPID – ein besonders wichtiger Punkt

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, sind Pferde mit Kissing-Spine-Befund und gleichzeitig diagnostiziertem PPID (Cushing).

Diese Pferde stellen therapeutisch oft eine Herausforderung dar:

• Sie haben strukturelle Veränderungen der Dornfortsätze.

• Sie benötigen Schmerzmanagement.

• Gleichzeitig reagieren viele PPID-Pferde empfindlicher auf Kortikosteroide.

Kortikosteroide werden bei bestimmten Rücken- oder Wirbelsäulenproblemen zwar häufig eingesetzt, können bei disponierten Pferden jedoch das Risiko für Stoffwechselentgleisungen und Hufreheschübe erhöhen.

Deshalb halte ich die Mesotherapie bei solchen Patienten für eine wichtige alternative oder ergänzende Option, weil sie häufig mit geringeren systemischen Kortikosteroidmengen auskommt oder in manchen Protokollen sogar ganz ohne systemische Steroidgabe durchgeführt werden kann.

Natürlich ersetzt das keine individuelle tierärztliche Risikoabwägung. Gerade bei PPID-Pferden sollte jede medikamentöse Entscheidung sehr sorgfältig getroffen werden.

Was moderne Empfehlungen zur Mesotherapie sagen

Die aktuelle internationale Fachliteratur betont einige wichtige Punkte:

Was sinnvoll ist

• klare Diagnose vor der Behandlung (In meinem Blog zu Kissing Spines habe ich bereits ausführlich die Notwendigkeit geschrieben, lieber einmal „zuviel“ den Rücken röntgen zu lassen)

• oberflächliche intradermale Technik

• sterile Arbeitsweise

• nachvollziehbare Medikamentenauswahl

• Kombination mit Rehabilitation und Bewegungstherapie

Was nicht sinnvoll ist

• „Rückenspritzen auf Verdacht“ 

• wiederholte Behandlungen ohne gleichzeitigen Muskelaufbau

• Heilversprechen bei strukturellen Veränderungen

• Anwendung durch unqualifizierte Personen

Diese Sichtweise deckt sich sehr mit meinem eigenen therapeutischen Ansatz: Die Ursache muss verstanden werden, und die Behandlung muss funktionell eingebettet sein.

Was ich Pferdebesitzern nach einer Mesotherapie empfehle

Wenn ein Pferd tierärztlich mesotherapiert wurde, sollte die anschließende Phase aktiv genutzt werden.

Die ersten Tage

• viel Schritt

• Longenarbeit (Giravolta)

• Fokus auf Strecken, Takt und Losgelassenheit

• Reiten nur, wenn Strecken und Rücken aufwölben möglich ist

Danach

• Handarbeit (z. B. auch über Hindernisse – s. mein Video)

• Cavaletti nur, wenn das Pferd in der Lage ist, locker und tief darüber zu gehen

• Übergänge als Unterstützung (z. B. sobald sich das Pferd im Trab verspannt, wieder Schritt)

• bergauf orientierte Arbeit

• gezieltes Core-Training

Das Ziel ist nicht, das Pferd möglichst schnell wieder „normal“ zu reiten, sondern die verbesserte Beweglichkeit in stabile Tragfähigkeit umzuwandeln. Das kann unter Umständen ein Jahr dauern. 

Woran ich erkenne, dass mehr Diagnostik nötig ist

Mesotherapie darf niemals eine ernsthafte Problematik überdecken. Alarmzeichen sind:

• deutliche Lahmheit

• neurologische Auffälligkeiten

• anhaltende Gewichtsverlagerung

• massive Schmerzreaktionen

• Fieber oder Allgemeinstörungen

In solchen Fällen ist eine weiterführende tierärztliche Abklärung unverzichtbar.

Mein Fazit als Tierheilpraktikerin

Obwohl ich Mesotherapie selbst nie praktiziert habe und meinen Schwerpunkt auf Akupunktur, Homöopathie und mittlerweile auf Stressmanagement gelegt habe, sehe ich sie als wertvollen tierärztlichen Baustein in der Behandlung von Rückenpatienten.

Besonders sinnvoll erscheint sie mir:

• bei schmerzhaften ISG- und Lendenpatienten,

• zur Unterstützung vor Hufschmiedeterminen,

• zur Erleichterung des Hufegebens,

• beim vorsichtigen Wiedereinstieg ins Training,

• und bei Pferden mit Kissing Spines und gleichzeitigem PPID, bei denen Kortikosteroide ein erhöhtes Hufreherisiko darstellen können.

Der größte Nutzen liegt aus meiner Sicht nicht in einem „Heileffekt“, sondern darin, Schmerzen kurzfristig so zu reduzieren, dass aktive Rehabilitation überhaupt möglich wird.

 

Langfristig entscheidet jedoch etwas anderes über den Erfolg: Muskelaufbau, Oberlinienstabilität, Kreuzdarmbeingelenksfunktion, Hufbalance, passendes Training und ein individuell abgestimmtes Rehabilitationskonzept. Genau dort liegt für mich als Tierheilpraktikerin der wichtigste Schlüssel zu einem dauerhaft tragfähigen und schmerzärmeren Pferd.

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