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Leaky Gut beim Pferd

Leaky Gut beim Pferd – steckt hinter EOTRH, Hufrehe und stillen Entzündungen ein gestörter Darm?

Als ich mich intensiver mit dem Thema EOTRH beim Pferd beschäftigt habe, bin ich irgendwann auf ein Video eines amerikanischen Tierarztes gestoßen. Er sagte dort, dass eine mögliche Ursache für EOTRH ein sogenannter Leaky Gut sein könnte. Ehrlich gesagt hielt ich das damals erstmal für ziemlich weit hergeholt.

 

Ich beschäftige mich selbst seit über zehn Jahren mit dem Thema Leaky Gut, weil ich persönlich betroffen bin. Damals litt ich ständig unter Durchfällen und die Mutter einer Reitbeteiligung gab mir das Buch der englischen Ärztin Dr. Campbell-McBride, die damit bei ihrem Kind nicht nur die Durchfälle sondern auch Autismus heilte. Offiziell gibt es die Diagnose Leaky Gut in der klassischen Medizin bis heute kaum. In der funktionellen Medizin dagegen gilt eine gestörte Darmbarriere längst als möglicher Mitverursacher vieler chronischer Erkrankungen und stiller Entzündungen.

 

Wirklich angefangen umzudenken habe ich aber erst, als ich eines Morgens plötzlich mit massiven Fußschmerzen aufgewacht bin. Diagnose: Plantarfasziitis. Von heute auf morgen. Keine Verletzung, kein Unfall. Einfach da. Genau das ist etwas, das man bei stillen Entzündungen immer wieder beobachtet. Irgendwo im Körper taucht plötzlich eine Entzündung auf, scheinbar ohne erkennbare Ursache.

 

Und genau an diesem Punkt musste ich wieder an unsere Pferde denken.

 

Wenn ein Pferd immer wieder empfindlich auf Futter reagiert, schnell Durchfall bekommt, plötzlich Augenentzündungen entwickelt, Sehnenprobleme hat oder scheinbar grundlos Hufrehe bekommt, dann sollte man meiner Meinung nach zumindest einmal über das Thema Leaky Gut nachdenken.

Bei meinem eigenen Pony begann die Rehe damals nach der Fütterung von qualitativ minderwertigem, pilzigem Heu. Damals habe ich den Zusammenhang noch nicht verstanden. Heute sehe ich das komplett anders.

Was ist Leaky Gut überhaupt?

Unter Leaky Gut versteht man eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand. Die Darmwand besteht aus einzelnen Darmzellen, die dicht nebeneinanderliegen und durch sogenannte Tight Junctions miteinander verbunden sind. Diese Verbindungen funktionieren wie eine Schutzbarriere. Sie entscheiden darüber, welche Stoffe aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen dürfen und welche nicht.

Ist diese Barriere intakt, bleiben Schadstoffe, Toxine, Pilzgifte und unverdaute Bestandteile im Darm und werden ausgeschieden. Problematisch wird es dann, wenn sich diese Tight Junctions öffnen.

Dann können Stoffe durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Das Immunsystem reagiert darauf häufig mit Entzündungen. Und diese Entzündungen zeigen sich oft nicht direkt im Darm, sondern irgendwo anders im Körper. Beim Pferd kann das eine Augenentzündung sein, eine Sehnenentzündung, Hautprobleme oder eben auch Hufrehe.

 

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor, ist die Leberbelastung. Die Leber muss ja nun all diese Stoffe, die aus dem Darm ungefiltert ins Blut gelangen, filtern.  Dies wird in dem folgenden Bild deutlich erkennbar: 

Die Grafik zeigt einen direkten Vergleich zwischen einer gesunden Darmbarriere und einem sogenannten Leaky Gut beim Pferd.
Leaky Gut beim Pferd: So sieht eine gesunde Darmbarriere im Vergleich zu einem durchlässigen Darm aus – mit Auswirkungen von Stress, Entzündungen und gestörten Tight Junctions

Warum Stress beim Pferd viel mehr Einfluss auf den Darm hat, als lange gedacht wurde

Was ich früher völlig unterschätzt habe, ist die Rolle von Stress.

Heute weiß man aus Studien am Menschen und auch zunehmend aus der Pferdeforschung, dass Stress die Darmbarriere direkt beeinflussen kann. Und zwar nicht nur psychischer Stress, sondern auch körperlicher Stress.

Dazu gehören beim Pferd unter anderem:

• Transportstress 

• Turnierstress 

• lange Boxenhaltung 

• soziale Unruhe in der Herde 

• Schmerzen 

• chronische Entzündungen 

• Fresspausen 

• Klinikaufenthalte 

• intensives Training 

Pferde sind evolutionär eigentlich darauf ausgelegt, sich fast permanent langsam zu bewegen, kontinuierlich Raufutter aufzunehmen und in stabilen Herden zu leben. Genau dafür ist ihr Nervensystem gemacht.

Unsere heutigen Haltungsbedingungen sehen aber oft komplett anders aus. Viele Pferde stehen stundenlang in der Box, haben Fresspausen, werden transportiert oder stehen dauerhaft unter unterschwelligem Stress.

Und genau hier kommt ein Hormon ins Spiel, das inzwischen immer stärker erforscht wird: CRH, das Corticotropin-Releasing-Hormon.

 

CRH – das Stresshormon, das die Darmbarriere öffnen kann

Auch Pferde produzieren CRH. Dieses Hormon wird im Gehirn ausgeschüttet, sobald der Körper Stress wahrnimmt. CRH aktiviert die sogenannte HPA-Achse und sorgt dafür, dass Cortisol ausgeschüttet wird. CRH wirkt jedoch nicht nur im Gehirn.

Forscher haben inzwischen festgestellt, dass CRH-Rezeptoren auch direkt im Darm sitzen. Das bedeutet, dass Stresshormone die Darmbarriere unmittelbar beeinflussen können.

Studien zeigen, dass CRH die Tight Junctions destabilisieren kann. Dadurch wird die Darmwand durchlässiger. Gleichzeitig werden Entzündungsprozesse aktiviert und die Darmschleimhaut empfindlicher.

Das bedeutet vereinfacht gesagt:

Stress → erhöhte CRH-Ausschüttung → Öffnung der Tight Junctions → erhöhte Darmdurchlässigkeit → Entzündungen

Und genau dieser Mechanismus könnte erklären, warum manche Pferde unter Stress plötzlich mit Koliken, Durchfall, Magengeschwüren oder entzündlichen Erkrankungen reagieren.

Die Rolle des Vagusnervs beim Leaky Gut

Besonders spannend finde ich inzwischen die Rolle des Vagusnervs. Der Vagusnerv ist der wichtigste Nerv des parasympathischen Nervensystems. Er verbindet Gehirn und Darm direkt miteinander und steuert unter anderem:

 

• die Darmbewegung 

• Entzündungsreaktionen 

• die Verdauung 

• die Regeneration 

• die Stabilität der Darmbarriere 

 

Man könnte sagen: Der Vagusnerv ist der „Ruhe- und Heilungsnerv“ des Körpers.

Ist der Vagusnerv aktiv, befindet sich der Körper im sogenannten „Rest-and-Digest“-Modus. Entzündungen werden reguliert, die Verdauung funktioniert besser und die Darmbarriere bleibt stabil.

Chronischer Stress dagegen reduziert die Aktivität des Vagusnervs massiv.

Und genau das scheint ein großes Problem zu sein.

 

Studien am Menschen zeigen inzwischen, dass eine verminderte Vagusaktivität mit erhöhter Darmdurchlässigkeit, chronischen Entzündungen und Veränderungen des Mikrobioms zusammenhängt. Auch in der Pferdeforschung wird dieser Zusammenhang zunehmend diskutiert.

Im Grunde entsteht dabei ein regelrechter Teufelskreis:

Stress → erhöhte CRH-Ausschüttung → gestörte Darmbarriere → Entzündungen → Nervensystem wird noch stressanfälliger → noch mehr Darmprobleme

 

In meinem Stressmanagement Coaching zeige ich dir jedoch einfache und kurze Übungen, mit denen du den Vagusnerv stimulieren kannst, bei dir und bei deinem Pferd. 

Was kann einen Leaky Gut beim Pferd zusätzlich auslösen?

Stress ist aber natürlich nicht der einzige Faktor.

Besonders kritisch sehe ich schon lange Pflanzenschutzmittel, kurz PSM (Herbizide). Über Glyphosat wird seit Jahren diskutiert, dennoch erlebe ich in vielen Pferdebetrieben immer noch einen erstaunlich sorglosen Umgang damit.

Auch Antibiotika gehören für mich zu den großen Problemen. Viel zu oft werden sie in der Pferdemedizin noch vorbeugend eingesetzt. Natürlich gibt es Situationen, in denen sie notwendig sind. Aber sie zerstören eben nicht nur schädliche Bakterien, sondern oft auch große Teile der gesunden Darmflora.

 

Ebenso problematisch sind viele Entzündungshemmer. Ironischerweise können Medikamente, die eigentlich Entzündungen reduzieren sollen, langfristig die Darmbarriere zusätzlich schädigen.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor sind Schimmelpilze und Mykotoxine. Studien zeigen inzwischen deutlich, dass Mykotoxine die Tight Junctions schädigen und die Darmdurchlässigkeit erhöhen können. Und genau hier liegt beim Pferd oft das ganz große Problem: Das Hauptfuttermittel ist Heu, und auf dessen Qualität haben viele Pferdebesitzer nur begrenzt Einfluss.

 

Auch Stroh sehe ich schon lange als Mitverursacher von Leaky Gut. Dazu folgt jedoch noch ein ausführlicher Blog. An dieser Stelle sei dir jedoch gesagt: Stroh ist KEIN Futtermittel für Pferde.  

Kann man Leaky Gut beim Pferd wieder in den Griff bekommen?

Die Antwort lautet ja. Aber nicht mit einer einzigen Wunderlösung.

Der erste Schritt sollte immer sein, die Ursachen zu reduzieren. Dazu gehört für mich zuerst die Kontrolle auf Parasitenbefall über eine Kotprobe.

 

Danach sollte die Leber unterstützt werden, denn sie ist das wichtigste Entgiftungsorgan des Körpers.

Ebenso wichtig ist die Versorgung mit Nährstoffen. Besonders Zink spielt dabei eine zentrale Rolle, weil es nachweislich die Darmbarriere stabilisieren kann. Vorab ist es sinnvoll, eine Blutuntersuchung und eine Haaranalyse durchzuführen. 

Zusätzlich halte ich den Einsatz von Toxinbindern wie Zeolith bei belastetem Heu für sinnvoll, weil dadurch bestimmte Schimmeltoxine im Darm gebunden werden können. 

 

Dann kann man über Kräuter und andere zusätzliche Futterergänzungen nachdenken: 

Warum Polyphenole bei Leaky Gut so interessant sind

In den letzten Jahren wurde intensiv erforscht, wie bestimmte Pflanzenstoffe die Darmbarriere beeinflussen können. Besonders spannend sind dabei Polyphenole.

Zu den bekanntesten gehören Quercetin, Curcumin, Berberin oder Resveratrol.

Studien zeigen, dass diese Stoffe entzündungshemmend wirken und die Tight Junctions stabilisieren können. Quercetin konnte beispielsweise in Untersuchungen die Bildung bestimmter Tight-Junction-Proteine fördern und dadurch die Darmdurchlässigkeit reduzieren.

Auch Curcumin scheint Entzündungen im Darm zu reduzieren und die Regeneration der Darmschleimhaut zu unterstützen.

Berberin wiederum beeinflusst nicht nur Entzündungen, sondern auch die Zusammensetzung der Darmflora positiv.

Arginin und die Heilung der Darmbarriere

Besonders interessant finde ich inzwischen auch Arginin.

Arginin ist eine Aminosäure, die unter anderem für die Durchblutung, die Immunfunktion und die Geweberegeneration wichtig ist.

In Tierstudien konnte gezeigt werden, dass Arginin die Darmdurchlässigkeit verbessern und die Regeneration der Darmschleimhaut unterstützen kann. Gleichzeitig verbessert Arginin die Durchblutung kleiner Gefäße, weshalb es inzwischen auch im Zusammenhang mit der Heilung von Hufrehe diskutiert wird.

Gerade bei Pferden mit chronischen Entzündungen könnte dieser Zusammenhang extrem relevant sein.

Stress beim Pferd reduzieren um Leaky Gut zu heilen

Und vielleicht fast noch wichtiger als alle bisher genannten Möglichkeiten: Stress reduzieren.

 

Denn wenn der Körper dauerhaft im Alarmmodus bleibt, wird die Darmheilung wahrscheinlich nie vollständig funktionieren. Und – was ich auch erst kürzlich gelernt habe – übermäßige körperliche Anstrengung kann ebenfalls einen Leaky Gut auslösen und zwar mit nur einem Mal. Dies wurde bei Leistungssportlern erwiesen. 

Fazit:

Ich weiß mittlerweile, dass viele chronische Probleme unserer Pferde deutlich komplexer sind, als lange angenommen wurde. Vielleicht beginnt tatsächlich vieles nicht im Huf, nicht in den Gelenken und auch nicht in den Zähnen — sondern im Darm und im Nervensystem.

Wie ich dir helfen kann: 

 

Du gibst dir unglaublich viel Mühe, achtest auf Fütterung, Haltung, Training und trotzdem tauchen immer wieder neue Baustellen auf. Entzündungen, Magenprobleme, Nervosität, Hufrehe, Hautprobleme oder einfach dieses diffuse Gefühl, dass dein Pferd dauerhaft unter Spannung steht.

Und irgendwann merkst du: Nicht nur dein Pferd ist gestresst. Du selbst bist es auch.

Denn Pferde reagieren extrem fein auf unser Nervensystem, unseren Alltag und die gesamte Umgebung. Dauerstress wird dabei oft völlig unterschätzt — obwohl genau dieser Stress still Entzündungen fördern, die Darmgesundheit schwächen und den Körper dauerhaft im Alarmmodus halten kann.

In meinem Stressmanagement Coaching schauen wir deshalb nicht nur auf Symptome, sondern auf die wirklichen Ursachen.

Gemeinsam analysieren wir die Stressfaktoren bei deinem Pferd und bei dir selbst. Ich zeige dir, welche Belastungen oft unbemerkt auf das Nervensystem wirken, wie du diese reduzieren oder teilweise komplett ausschalten kannst und wie dadurch wieder mehr Ruhe, Gesundheit und Stabilität entstehen kann.

Denn wenn das Nervensystem aus dem permanenten Überlebensmodus herauskommt, verändert sich oft unglaublich viel:

Dein Pferd wird entspannter, regulierter und belastbarer.

Die Verbindung zwischen euch wird leichter.

Reiten fühlt sich wieder harmonisch an statt anstrengend.

Und du hast endlich wieder das Gefühl, deinem Pferd wirklich helfen zu können, anstatt nur Symptome zu verwalten.

Stressmanagement bedeutet nicht „weniger Leistung“.

Es bedeutet, die Grundlage dafür zu schaffen, dass Gesundheit, Vertrauen und echte Lebensqualität überhaupt erst möglich werden.

 

Wenn du herausfinden möchtest, welche Stressfaktoren dein Pferd und vielleicht auch dich selbst dauerhaft belasten und wie du diese lösen kannst, dann melde dich gerne bei mir.

Du kannst ganz unkompliziert einen Termin über das Kontaktformular vereinbaren oder mich direkt anrufen. Gemeinsam schauen wir uns eure Situation an und entwickeln individuelle Lösungen, die wirklich zu euch und eurem Alltag passen.

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