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Macht eine alternative Behandlung bei Periodischer Augenentzündung überhaupt Sinn?

Equine Recurrent Uveitis (ERU) beim Pferd: Ursachen, Leptospiren, Immunreaktion und ganzheitliche Therapieansätze

Die Equine Recurrent Uveitis (ERU) – auch als „Mondblindheit“ bekannt – gehört zu den häufigsten Ursachen für Erblindung beim Pferd. Trotz intensiver Forschung ist die Erkrankung komplex, vielschichtig und oft schwer zu kontrollieren. Besonders kontrovers diskutiert wird die Rolle von Leptospira als Auslöser.

Diesen Artikel habe ich als Antwort auf die Frage, ob eine alternative Behandlung überhaupt Sinn macht, erstellt. Dafür ist es jedoch notwendig, etwas weiter auszuholen zu

• Ursachen und Mechanismen der ERU

• der Rolle von Leptospiren

• diagnostischen Möglichkeiten

• schulmedizinischer und ergänzender Therapieansätze

• sinnvolle Strategien für den Alltag

 

Was ist ERU beim Pferd?

Die Equine Recurrent Uveitis ist eine wiederkehrende Entzündung im Auge, die schubweise verläuft. Betroffen sind vor allem die Regenbogenhaut (Iris), der Ziliarkörper und die Aderhaut.   Typisch ist der plötzliche Beginn, die starken Schmerzen und symptomfreie Intervalle. 

 

Langfristig kann die Erkrankung zu Katarakten, Sichteinschränkung, Netzhautschäden und vollständiger Erblindung führen, aber sie kann auch komplett zum Stillstand kommen. Über meine Erfahrungen mit der periodischen Augenentzündung bei meinem Knabstrupper habe ich einen langen Blog geschrieben und ihn fast jährlich upgedated.  

Die Rolle von Leptospiren – Ursache oder Trigger?

Was sind Leptospiren?

Leptospira sind spiralige Bakterien, die weltweit vorkommen. Sie werden vor allem über den Urin infizierter Tiere, insbesondere Mäuse und kontaminiertes Wasser und eventuell auch feuchte Böden übertragen. 

 

Die Wissenschaft hat durch Studien den Nachweis von Leptospiren im Auge bei vielen Pferden mit ERU erbracht. Dabei konnte sowohl eine lokale Antikörperproduktion im Auge als auch lebende Bakterien isoliert werden.  Das spricht dafür, dass Leptospiren direkt im Auge eine Rolle spielen können.

 

Kritische Perspektive

Gleichzeitig gilt:

• nicht alle ERU-Fälle sind leptospirenassoziiert

• viele gesunde Pferde haben Antikörper

• Kausalität ist nicht in allen Fällen eindeutig

 

Das bedeutet, dass Leptospiren ein wichtiger Faktor sind – aber nicht die einzige Ursache. 

Wie gelangen Leptospiren überhaupt ins Auge?

Der wahrscheinlichste Weg lt. chat gpt:

 

1. Infektion über Haut oder Schleimhaut - tatsächlich habe ich in der Vergangenheit bei meinem Pony mehrmals

   beobachtet, dass er eine Augenentzündung im Anschluss an das ausgiebige Wälzen im Sand bekam. Fortan

   habe ich seine Augen sofort sauber gemacht und ggf. sogar gespült. 

 

2. Verbreitung über das Blut mit Überwindung der Blut-Augen-Schranke. Das Auge ist normalerweise geschützt

   durch die sogenannte Blut-Augen-Schranke. Daraus ergibt sie wiederum die Frage, wie sie trotzdem

   hineinkommen? Dafür gibt es zwei Haupt-Hypothesen:

 

🟢 A. Eintritt während der akuten Infektion

Während der frühen Infektionsphase ist die Barriere durchlässiger

Eine Entzündung erleichtert das Eindringen. Die Leptospiren „schlüpfen“ dann ins Auge, bevor das Immunsystem sie komplett eliminiert

 

🟡 B. „Trojanisches Pferd“

Die Bakterien könnten in Immunzellen „mitreisen“ und so die Barriere überwinden 

Warum bleiben die Leptospiren im Auge?

Und werden nicht von der Immunabwehr zerstört? Und das ist der entscheidende Punkt:

 

Das Auge ist ein sogenanntes immunprivilegiertes Organ, was eine reduzierte Immunreaktion und weniger aggressive Abwehrmechanismen bedeutet. Der Vorteil für den Körper liegt im Schutz des Sehvermögens, aber dadurch können sich Erreger quasi verstecken. 

 

Mögliche Mechanismen der Persistenz sind die Ansiedlung im Glaskörper, eine geringe Immunüberwachung

und evtl. eine Biofilm-Bildung, was umstritten ist, aber mittlerweile immer mehr diskutiert wird. Es führt dazu, dass Bakterien lange überleben, ohne vollständig eliminiert zu werden. 

Wie entstehen dann die Schübe?

Die typische ERU wird durch Erregerreste oder persistierende Bakterien, die wiederholt Immunreaktionen auslösen erklärt. Das sind die typischen Entzündungsschübe. Zusätzlich können sich Autoimmunreaktionen gegen Augenstrukturen entwickeln und die Krankheit läuft weiter, selbst wenn kaum noch Bakterien nachweisbar sind.

 

Hierzu gibt es jedoch auch kritische Perspektiven, denn ein direkter "Eintritt ins Auge" ist schwer zu beweisen und bei vielen Pferden werden nun einmal keine Leptospiren gefunden.  Die alternative Erklärung lautet dann, dass es durch eine Infektion zu einer Immunreaktion kommt und dies den gefürchteten Autoimmunprozess in Gang setzt. 

Warum ist oft nur ein Auge betroffen?

Obwohl die Infektion systemisch erfolgt, beginnt ERU häufig einseitig.

Mögliche Gründe:

• zufälliger Eintritt ins Auge

• Unterschiede in der Blut-Augen-Schranke

• lokale Immunreaktionen

• Mikroverletzungen

Später kann das zweite Auge folgen – oft durch immunologische Prozesse.

 

Die Immunreaktion des Pferdes im Detail

Der Körper reagiert auf Leptospira mit:

 

1. Angeborener Abwehr

• Fresszellen

• Komplementsystem

 

2. Antikörperbildung

• spezifische Immunantwort

 

3. Zelluläre Immunität

• T-Zellen

 

👉 Problem:

Im Auge ist diese Abwehr eingeschränkt. 

Autoimmunreaktion

Bei vielen Pferden entwickelt sich:

• eine fehlgeleitete Immunreaktion

• Angriff auf körpereigene Augenstrukturen

 

Das Ergebnis ist dann eine chronische Entzündung – auch ohne aktive Infektion.  Es ist jedoch wichtig, diese Komponenten zu verstehen, um komplementär wirkungsvoll zu therapieren. 

 

Warum sind manche Pferde anfälliger?

Genetik

Bestimmte Rassen wie die Appaloosa haben ein erhöhtes Risiko.

 

Unterschiede in der Immunregulation

Einige Pferde:

• reagieren stärker

• können Entzündungen schlechter regulieren

 

Umwelt

Meiner Erfahrung nach spielt dies eine entscheidende Rolle und sollte generell für ein sinnvolles Präventions-programm bedacht werden:

• Feuchtigkeit

• Nagetiere

• Weidebedingungen

- Stress - lies hierzu auf jeden Fall meine Blogs über Stress und die HPA-Achse

- Staub - lies hierzu meine Blog über den leisen Killer im Pferdestall

- Umweltbelastungen

 

Auch all diese Faktoren sind zu bedenken, wenn du über komplementäre Behandlungswege nachdenkst. 

Diagnostik zur Ursache der periodischen Augenentzündung

 

Was ist wirklich aussagefähig? Hier hat mir chat gpt die drei folgenden Untersuchungen präsentiert: 

 

Goldmann-Witmer-Koeffizient (GWC)

• Vergleich von Antikörpern im Auge und Blut

• zeigt lokale Immunreaktion

👉 wichtigster Test

 

Wo wird der Goldmann-Witmer-Koeffizient gemacht?

Der GWC ist technisch aufwendig und wird nicht in jeder Praxis angeboten.
Er erfordert:

  • sterile Entnahme von Kammerwasser
  • parallele Blutprobe
  • spezialisiertes Labor

Kliniken (typischerweise mit entsprechender Diagnostik)

Einige bekannte Einrichtungen mit ERU-Schwerpunkt sind:

  • Tierärztliche Hochschule Hannover
  • Ludwig-Maximilians-Universität München (Pferdeklinik)
  • Freie Universität Berlin
  • Justus-Liebig-Universität Gießen

👉 Diese arbeiten entweder:

  • mit eigenen Laboren
  • oder mit spezialisierten externen Labors zusammen

Spezialisierte Labore

Der GWC wird häufig in Kooperation mit Speziallaboren bestimmt, z. B.:

  • Labore für Veterinärmikrobiologie / Ophthalmologie
  • teils universitätsgebunden

👉 Wichtig:
Nicht jede Einsendung wird akzeptiert –
die Probenentnahme muss korrekt erfolgen.

 

Praxisrealität

  • Viele Tierärzte machen nur Serologie (Blut) → wenig aussagekräftig
  • GWC wird oft nur in spezialisierten Kliniken angeboten
  • Manche Kliniken entscheiden auch ohne GWC anhand Klinik + Erfahrung

👉 Deshalb lohnt sich gezielt die Nachfrage: 

„Machen Sie einen Goldmann-Witmer-Koeffizienten bei ERU?“

PCR

• Nachweis von bakterieller DNA

• ergänzend sinnvoll

 

Serologie

• zeigt nur den Kontakt

• wenig aussagekräftig allein

 

Therapie: Was wirklich bei ERU hilft

In der Akutphase unverzichtbar:

• Kortikosteroide

• Mydriatika: Sie bewirken eine Erweiterung der Pupille und beugen damit Verklebungen im Auge vor

Das Ziel ist die schnelle Entzündungskontrolle, um einer Erblindung vorzubeugen, denn diese kann leider - ich habe es selbst bei anderen Pferde mitbekommen - manchmal schneller eintreten, als man denkt. 

 

Ich selbst hatte das bei meinem Knabstrupper - obwohl die klassischen Homöopathen jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen - kombiniert mit dem Einsatz von homöopathischen Mitteln und dem Ergebnis, dass die Eintrübung innerhalb von 3 Tagen und die Entzündung innerhalb von 2 Wochen verschwand und wir über 10 Jahre keinen Schub mehr auf dem linken Auge hatten. 

 

Mehr von unseren Erfahrungen mit der periodischen Augenentzündung bei einem Fuchsschabracktiger: 

 

Vitrektomie

Was ist eigentlich eine Vitrektomie?

 

Bei der Vitrektomie wird der Glaskörper (Corpus vitreum) im Auge operativ entfernt und durch eine klare Flüssigkeit ersetzt. Auf youtube findest du leicht verständliche Videos wie genau das geschieht. 

Bei der Vitrektomie im Rahmen der Equine Recurrent Uveitis erfolgt der Zugang über sehr kleine Schnitte (Millischnitt-Technik) und es wird dabei mit feinen mikrochirurgischen Instrumenten gearbeitet. Das Auge wird nicht großflächig eröffnet und umliegendes Gewebe wird möglichst geschont

 

👉 In der Augenchirurgie entspricht das klar einer minimalinvasiven Technik

 

⚠️ Warum der Begriff missverständlich sein kann und man sich davon nicht täuschen lassen sollte:

 

🐎 Beim Pferd bedeutet das zusätzlich:

Vollnarkose (immer ein relevantes Risiko)

komplexe Lagerung (großes Tier)

empfindliches Operationsgebiet (Auge)

👁️ Und speziell fürs Auge:

hochpräziser Eingriff in einem sehr sensiblen Organ

kleine Fehler können große Auswirkungen haben

 

👉 Deshalb:

 

Minimalinvasiv ≠ risikolos oder banal

 

👉 Der Glaskörper ist eine gelartige Substanz im Inneren des Auges – genau dort vermutet man bei vielen ERU-Fällen:

 

Entzündungsmediatoren

Immunzellen

ggf. auch Leptospira

 

Warum hilft das bei ERU?

 

Die Idee hinter der Operation besteht in der Entfernung der Entzündungsquelle. Durch die Entfernung des Glaskörpers werden gleichzeitig mögliche Erreger (falls vorhanden), Antigene (Trigger für das Immunsystem) und 

entzündliche Botenstoffe entfernt mit dem Ergebnis,  dass das Auge sozusagen einen „Reset“ bekommt. 

 

Wie läuft die Operation ab?

 

Vereinfacht:

 

Vollnarkose des Pferdes

Zugang zum Auge über kleine Schnitte

Absaugen des Glaskörpers

Spülung und Ersatz durch Flüssigkeit

 

Dauer:

 

meist 1–2 Stunden

🟢 Wann wird eine Vitrektomie empfohlen?

 

Typische Indikationen für die Vitrektomie bei Equine Recurrent Uveitis:

 

wiederkehrende Entzündungsschübe

unzureichende Kontrolle mit Medikamenten

noch vorhandenes Sehvermögen

Glaskörperveränderungen sichtbar

idealerweise Hinweis auf intraokulare Aktivität (z. B. Leptospiren)

 

👉 Wichtig:

 

Je früher im Krankheitsverlauf, desto besser die Erfolgsaussichten

 

🔴 Wann eher nicht?

Endstadium (z. B. Netzhaut stark geschädigt)

Auge bereits blind

schwere strukturelle Schäden

 

👉 Dann ist der Nutzen begrenzt

 

Wie gut wirkt die Vitrektomie?

 

Studien und klinische Erfahrung zeigen bei vielen Pferden deutlich weniger Schübe und sogar oft komplette Ruhe des Auges. Die Erfolgsraten liegen häufig im Bereich von 70–90 % (je nach Studie und Auswahl der Fälle). 

 

Aber: Es gibt keine Garantie und Rückfälle sind möglich. Dazu kommen die Risiken der Operation, denn jede Operation birgt folgende Risiken:

 

Infektionen

Blutungen

Netzhautschäden

in seltenen Fällen Verschlechterung des Sehvermögens

 

👉 In spezialisierten Kliniken sind schwere Komplikationen jedoch relativ selten.

Wann raten Tierärzte zur Vitrektomie?

Die Vitrektomie ist keine „Standardlösung“, sondern wird gezielt eingesetzt – vor allem bei Equine Recurrent Uveitis mit Verdacht auf intraokulare Beteiligung von Leptospira.

 

🟢 Gute Indikationen („lohnt sich oft“)

 

Typischerweise wird zur OP geraten, wenn mehrere Punkte zusammenkommen:

 

wiederkehrende Schübe trotz Therapie

(Kortison/NSAIDs reichen nicht aus)

frühes bis mittleres Krankheitsstadium

(Auge noch funktionell erhaltbar)

Glaskörperveränderungen sichtbar

(„Floaters“, Trübungen)

GWC positiv oder starker klinischer Verdacht auf Leptospiren

 

👉 Hintergrund:

Hier ist die Chance am größten, dass man ein persistierendes intraokulares Problem entfernt.

 

🟡 Grenzfälle („Einzelfallentscheidung“)

GWC nicht bestimmt oder unklar

wenige, aber zunehmende Schübe

beidseitige Erkrankung

 

👉 Hier hängt viel ab von:

 

Nutzung des Pferdes

Progressionsgeschwindigkeit

Erfahrung der Klinik

 

🔴 Schlechte Indikationen („eher nicht sinnvoll“)

Endstadium (z. B. Netzhautablösung, schwere Degeneration)

kein Sehvermögen mehr vorhanden

keine Hinweise auf intraokularen Trigger (z. B. GWC negativ)

 

👉 In solchen Fällen bringt die OP oft keinen funktionellen Gewinn.

 

Ein wichtiger Punkt, der oft missverstanden wird: Die Vitrektomie wirkt wahrscheinlich durch das Entfernen von Erregern (falls sie vorhanden sind), Entzündungsmediatoren und Immuntriggern. Ein Erfolg bedeutet nicht automatisch, dass Leptospiren die einzige Ursache waren.

Inwieweit macht eine ganzheitliche Unterstützung Sinn?

Nach den obigen Ausführungen wird dir klar geworden sein, dass Leptospiren nach wie vor nicht der einzige Verursacher der periodischen Augenentzündung sind. Auch ist die Vitrektomie nicht die einzige Rettung für kranke Augen. Natürlich gibt es keine Statistik von Pferden, die mit Leptospiren in Kontakt kommen, ohne zu erkranken. Genauso wenig wie von Pferden, die an ERU erkranken, und ohne Vitrektomie schubfrei bleiben. 

Die obige Frage wurde mir von einer Leserin meiner Blogs gestellt und ich habe sehr lange gebraucht, um sie zu beantworten. Denn man muss wirklich die bisher bekannten Ursachen und Hintergründe verstehen und hinterfragen, um dann über Naturheilkunde, Homöopathie, Phytotherapie, Nährstoffversorgung und Akupunktur nachzudenken. 

Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung der equinen rezidivierenden Uveitis (ERU) gewinnen komplementäre Maßnahmen dennoch zunehmend an Bedeutung. Wichtig ist jedoch eine klare Einordnung: Diese Ansätze können unterstützend wirken, ersetzen jedoch keine schulmedizinische Therapie. Im Folgenden wird der Abschnitt fachlich vertieft und durch wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt.

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Phytotherapie – immunmodulierende Pflanzenstoffe im Fokus

In der Phytotherapie werden verschiedene Pflanzen eingesetzt, die potenziell entzündungsmodulierende Eigenschaften besitzen. Dazu zählen insbesondere:

• Curcuma longa (Kurkuma) 

• Boswellia serrata (Weihrauch) 

• Urtica dioica (Brennnessel) 

Diese Pflanzen enthalten bioaktive Substanzen, die auf molekularer Ebene in entzündliche Prozesse eingreifen können. Der zentrale Wirkmechanismus liegt häufig in der Modulation von Transkriptionsfaktoren wie NF-κB oder Signalwegen des Immunsystems.

 

Wirkung auf T-Zellen: Beispiel Curcumin

 

Der Hauptwirkstoff von Curcuma, Curcumin, wurde intensiv hinsichtlich seiner immunologischen Effekte untersucht. Studien zeigen, dass Curcumin gezielt in die Aktivierung von T-Zellen eingreifen kann – ein zentraler Mechanismus bei autoimmunen Prozessen wie der ERU.

Eine experimentelle Studie konnte zeigen, dass Curcumin die Aktivierung von T-Zellen hemmt, indem es die Calcium-Signalübertragung blockiert und dadurch die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NFAT verhindert. 

Da NFAT wesentlich für die Produktion entzündungsfördernder Zytokine ist, resultiert daraus eine reduzierte Immunantwort.

Eine weitere Untersuchung bestätigte, dass Curcumin die Aktivierung von CD4⁺-T-Zellen hemmt, indem es Proliferation, Differenzierung und Zytokinproduktion reduziert. Gleichzeitig zeigte sich eine Förderung regulatorischer T-Zellen (Tregs), die entzündungshemmend wirken. 

👉 Interpretation für ERU:

Da ERU als immunvermittelte Erkrankung gilt, könnte diese doppelte Wirkung – Hemmung proinflammatorischer T-Zellen und Förderung regulatorischer Mechanismen – theoretisch unterstützend sein.

 

Weitere Pflanzenstoffe

Auch Boswellia serrata zeigt in präklinischen Studien entzündungshemmende Effekte, unter anderem durch Hemmung von Leukotrienen und Modulation oxidativer Prozesse. In Zellmodellen konnte eine Reduktion entzündlicher Marker beobachtet werden. 

👉 Gesamtbewertung:

Phytotherapie kann eine milde immunmodulierende Unterstützung bieten, allerdings fehlen spezifische klinische Studien zur ERU beim Pferd.

 

MSM (Methylsulfonylmethan)

MSM wird häufig als Nahrungsergänzung eingesetzt und besitzt antioxidative Eigenschaften. Es kann freie Radikale reduzieren und so oxidativen Stress mindern.

• antioxidativ 

• schwach entzündungshemmend 

👉 Einordnung:

MSM kann unterstützend eingesetzt werden, insbesondere bei systemischer Entzündungsbelastung, zeigt jedoch keine gezielte Wirkung auf okulare Immunprozesse und sollte daher nicht überschätzt werden.

 

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Die Teufelskralle ist vor allem aus der Schmerztherapie bekannt und wirkt über Hemmung entzündlicher Mediatoren.

• entzündungshemmend 

• schmerzlindernd 

👉 Einordnung:

Die Wirkung ist eher systemisch und unspezifisch. Für die spezifische Pathophysiologie der ERU (intraokulare Entzündung) gibt es keine belastbare Evidenz.

 

Akupunktur

Akupunktur wird in der ganzheitlichen Tiermedizin häufig zur Schmerzlinderung und Regulation des Nervensystems eingesetzt. Sie bewirkt eindeutige Stressreduktion und eine Unterstützung der neurovegetativen Balance. Die wissenschaftliche Einordnung lautet dabei wie folgt:

Chronischer Stress kann immunologische Prozesse beeinflussen. Daher kann Akupunktur indirekt stabilisierend wirken. Sie ist jedoch kein Ersatz für entzündungshemmende oder immunmodulierende Therapie.

In der Humanmedizin gibt es jedoch auch Indikationen für den Einsatz bei Augenkrankheiten. Mehr dazu ebenfalls in meinem o.g. Blog. 

 

Homöopathie

Die Homöopathie besitzt bis heute keine belastbare wissenschaftliche Evidenz im Sinne klassischer evidenzbasierter Medizin. Trotzdem sind homöopathische Mittel weiterhin Arzneimittel und unterliegen strengen Vorschriften. Der Hintergrund zur Homöopathie in Kürze: Die Homöopathie basiert auf dem Grundprinzip „Ähnliches heilt Ähnliches“ („Similia similibus curentur“). Dieses Konzept geht auf Samuel Hahnemann zurück und besagt, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Organismus bestimmte Symptome hervorruft, in stark verdünnter Form ähnliche Symptome bei einem erkrankten Organismus lindern kann. Zusätzlich werden homöopathische Mittel in sogenannten Potenzierungsverfahren stark verdünnt und verschüttelt, was laut Theorie ihre „Wirkkraft“ erhöhen soll. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist dieses Wirkprinzip jedoch nicht plausibel erklärbar, insbesondere bei hohen Potenzen, in denen oft kein nachweisbares Molekül des Ausgangsstoffes mehr vorhanden ist.

 

Sonderfall: Komplexmittel wie Traumeel

Ein häufig eingesetztes Präparat in der Tiermedizin ist Traumeel, ein homöopathisches Komplexmittel, das verschiedene pflanzliche und mineralische Bestandteile in niedrigen Potenzen kombiniert. 

Einige Studien haben Traumeel untersucht:

 

• In in vitro-Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Traumeel die Produktion entzündungsfördernder

  Zytokine wie TNF-α und IL-1β reduzieren kann. 

 

• Eine randomisierte klinische Studie beim Menschen (z. B. bei Chemotherapie-induzierter Mukositis) zeigte

  eine gewisse entzündungshemmende Wirkung im Vergleich zu Placebo. 

 

• Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Traumeel die Aktivität von Immunzellen modulieren kann,

   allerdings sind die Effekte uneinheitlich und methodisch begrenzt. 

 

 

👉 In der Praxis bedeutet das: Homöopathie kann begleitend eingesetzt werden, darf jedoch keinesfalls eine notwendige entzündungshemmende oder immunmodulierende Behandlung ersetzen, insbesondere bei einer potenziell zur Erblindung führenden Erkrankung wie der ERU. 

Fazit

Alle meine Nachforschungen zur Anwendung von alternativen oder komplementären Ansätzen haben zum gleichen Ergebnis geführt: Es gibt dazu keine einzige wissenschaftliche Studie.  

Fakt ist: Die Equine Recurrent Uveitis ist eine komplexe Erkrankung, bei der viele Faktoren zusammenspielen:

• Infektionen wie Leptospira

• genetische Veranlagung

• Immunreaktionen

 

👉 Entscheidend ist eine frühzeitige, konsequente und realistische Diagnostik und Therapie. 

 

Ganzheitliche / naturheilkundliche / komplementäre Ansätze können unterstützen –

aber der Schlüssel liegt in:

• schneller Behandlung

• fundierter Diagnostik

• klugen Entscheidungen im Verlauf

 

Wenn du dein Pferd langfristig stabil halten möchtest, ist nicht eine einzelne Methode entscheidend – sondern das Zusammenspiel aus Wissen, Timing und konsequentem Handeln. Als "ottonormal" Pferdebesitzer möchte ich hinzufügen: 

 

Praktische Voraussetzungen, wie die Stallgegenheiten nach der Vitrektomie, welche bzw. ob eine Klinik für dich überhaupt erreichbar ist, Stresslevel von deinem Pferd, Kompetenz deiner Therapeuten fließen nun einmal in den Entscheidungsprozess und Behandlungsweg mit ein. Lies auf jeden Fall meine anderen 2 Blogs zu diesem Thema. 

 

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