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Kräuter für Pferde - Brennessel

Es gibt wohl kaum eine Pflanze, die so viele widersprüchliche Meinungen auf sich zieht wie die Brennnessel. Für die einen ist sie ein lästiges Unkraut, für die anderen eine wertvolle Heilpflanze. Und irgendwie passt das auch zu ihrem Wesen: wehrhaft, robust und kaum kleinzukriegen. Egal wie sehr man sie bekämpft – sie wächst einfach weiter.

Vielleicht ist genau das ein schönes Sinnbild für die Brennnessel: unterschätzt, missverstanden – und gleichzeitig erstaunlich kraftvoll.

 

Die Brennnessel in der traditionellen Anwendung

Schon als Teenager kannte ich die Brennnessel als „blutreinigendes“ Kraut. Ich trank literweise Brennnesseltee – in der Hoffnung auf bessere Haut. Der Erfolg blieb aus, aber die Erfahrung blieb hängen: Nicht alles, was traditionell empfohlen wird, wirkt auch tatsächlich so, wie man es erwartet.

Die bekannte österreichische Kräuterexpertin Maria Treben beschrieb die Brennnessel in der Volksmedizin unter anderem bei:

• Milzerkrankungen 

• Magen- und Darmproblemen 

• Lungenerkrankungen 

Das zeigt: Die Pflanze hat eine lange Geschichte – doch was sagt die Wissenschaft dazu?

 

Was sagt die moderne Forschung?

Die Brennnessel (Urtica dioica) ist heute tatsächlich wissenschaftlich untersucht worden – mit interessanten Ergebnissen:

💧 1. Unterstützt die Ausscheidung

Studien zeigen eine milde harntreibende Wirkung.

👉 Das bedeutet: Sie kann helfen, den Stoffwechsel und die Ausscheidung zu unterstützen.

Für Pferde kann das besonders interessant sein bei:

• Stoffwechselbelastungen 

• unterstützend bei Harnwegsproblemen 

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🔥 2. Entzündungshemmende Eigenschaften

Laboruntersuchungen zeigen:

• Hemmung von Entzündungsprozessen 

• Einfluss auf entzündungsfördernde Botenstoffe 

👉 Das macht sie potenziell interessant bei:

• Gelenkproblemen 

• allgemeinen Entzündungen 

Allerdings: Die Studienlage beim Tier (insbesondere Pferd) ist noch begrenzt.

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🦴 3. Mineralstofflieferant

Brennnesseln enthalten u. a.:

• Eisen 

• Calcium 

• Magnesium 

Und genau hier wird es spannend – denn das deckt sich mit einer meiner eigenen Erfahrungen.

 

Eine Erfahrung aus der Praxis

Einer meiner Haflinger zeigte im Frühsommer plötzlich starke Schlappheit. Eine Blutuntersuchung ergab:

• niedrige Eisenwerte 

• niedrige Calciumwerte 

Wir entschieden uns, ihm täglich frische Brennnesseln zu füttern.

👉 Nach etwa einem Monat war er wieder deutlich leistungsbereiter – voller Energie und Lebensfreude.

War es allein die Brennnessel?

Das lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen.

Aber: Die enthaltenen Mineralstoffe liefern zumindest eine plausible Erklärung.

 

Mythos vs. Realität

Gerade im Pferdebereich kursieren viele Aussagen über Kräuter. Deshalb ist es wichtig, ehrlich zu unterscheiden:

Was gut belegt ist:

• leichte entwässernde Wirkung 

• entzündungshemmende Ansätze 

• hoher Nährstoffgehalt 

Was nicht eindeutig belegt ist:

• „Blutreinigung“ im klassischen Sinn 

• Heilung komplexer Erkrankungen 

👉 Die Brennnessel ist kein Wundermittel – aber eine sinnvolle Unterstützung.

 

Pferde wissen oft selbst, was sie brauchen

Ein spannender Ansatz aus der Praxis:

Pferde sind selektive Fresser. Sie wählen gezielt aus, was ihnen guttut.

Probier es aus:

Biete deinem Pferd verschiedene Kräuter einzeln, aber gleichzeitig an:

• Löwenzahn 

• Klette 

• Spitzwegerich 

• Kamille 

• Brennnessel 

👉 Beobachte:

• Was frisst es zuerst? 

• Was lässt es komplett liegen? 

Das kann Hinweise darauf geben, wo eine Störung ist und was der Organismus gerade braucht.

 

Fazit: Eine unterschätzte Pflanze

Die Brennnessel ist:

• robust 

• nährstoffreich 

• wissenschaftlich teilweise bestätigt 

Und vielleicht liegt ihre größte Stärke genau darin:

👉 Sie ist keine spektakuläre Wunderpflanze – sondern eine leise, aber wirkungsvolle Begleiterin.

Für Pferde kann sie – richtig eingesetzt – eine wertvolle Ergänzung sein.

Und vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Mal zweimal hinzusehen, bevor man sie aus der Weide entfernt.

 

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