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Haarlinge beim Pferd

Haarlinge beim Pferd – wenn es plötzlich juckt

Ursachen, Behandlung und naturheilkundliche Alternativen im Faktencheck

Kürzlich kam ein Tierarzt zu mir, um die Zähne meines Ponys zu kontrollieren. Als wir gemeinsam durch den Paddock gingen, blieb sein Blick plötzlich an meinem kleinen Shetty hängen. Neben der Schweifrübe war eine deutliche Scheuerstelle zu sehen.

Ich wusste schon, dass es Zeit für die saisonale Wurmkur war, doch der Tierarzt winkte ab und meinte nur:

„Schauen wir uns das genauer an.“

Bei der Untersuchung entdeckte er im Mähnenkamm eine Stelle, die zunächst wie Schuppen aussah – doch bei genauerem Hinsehen bewegte sich etwas.

 

Die Diagnose: Haarlinge.

Was sind Haarlinge beim Pferd?

Haarlinge (z. B. Bovicola equi) sind Ektoparasiten, die sich von Hautschuppen und Haarbestandteilen ernähren. Anders als Läuse saugen sie kein Blut, können aber dennoch erheblichen Juckreiz, Fellverlust und Hautentzündungen verursachen. In der englischen Sprache fallen sie jedoch auch unter die Bezeichnung Läuse und es werden dann die einzelnen Gattungen (wie z. B. blutsaugend und nichtblutsaugend) unterschieden.  Diese Unterscheidung ist wichtig, da bei blutsaugenden Läusen Ivermectin als äußerst wirksam gilt, aber leider nicht bei Haarlingen. 

 

Typische Anzeichen sind:

• Scheuerstellen (Schweifrübe, Mähne, Hals)

• Schuppiges, stumpfes Fell

• Unruhe, Juckreiz

• Vermehrtes Putzen oder Scheuern

Besonders häufig treten Haarlinge im Winterhalbjahr auf – bei dichtem Fell, feuchtem Wetter und geschwächtem Immunsystem.

 

Die klassische Behandlung - wirksam, aber nicht ohne Nebenwirkungen

Der Tierarzt erklärte mir die gängige Vorgehensweise:

Behandlung mit einem Insektizid, das bis auf die Haut gelangen muss. Im Winter mit dichtem Fell keine leichte Aufgabe.

Ich musste mein Pony komplett nass machen, die Lösung mit einem Schwamm einarbeiten und es anschließend unter das Solarium stellen. Trotz der Prozedur war mein Shetty danach erstaunlich entspannt – fast dankbar. Der Juckreiz ließ deutlich nach.

 

Was ich jedoch unterschätzt hatte:

👉 Insektizide sind Nervengifte.

Sie belasten nicht nur die Parasiten, sondern auch:

• den Anwender

• das behandelte Pferd

• und ggf. weitere Tiere im Kontakt

 

In meinem Fall besonders kritisch:

Mein zweites Pony hatte kurz zuvor die Schneidezähne gezogen bekommen – mit offenen Wunden im Maul. Beide Pferde betreiben gegenseitige Fellpflege. Für ein älteres Pferd mit Stoffwechselproblemen und eingeschränkter Leber- und Nierenleistung ist jede zusätzliche Giftbelastung relevant.

 

So bekam er leider auch wieder offene Wundstellen, obwohl bis dahin der Heilungsverlauf extrem gut war. 

Somit stand für mich fest:

Eine zweite chemische Behandlung wollte ich nur, wenn es wirklich keine Alternative gibt.

 

Gibt es naturheilkundliche Alternativen bei Haarlingen?

Als Tierheilpraktikerin interessiert mich sowieso immer auch der Blick über die „chemische Keule“ hinaus. Also begann ich zu recherchieren – kritisch, aber offen.

 

1. Kieselerde (Diatomeenerde)

Kieselerde wird seit Langem bei der Bekämpfung von Ekto- und Endoparasiten eingesetzt.

Wirkprinzip:

Die mikroskopisch scharfkantige Struktur schädigt die Wachsschicht der Parasiten → sie trocknen aus.

Studien zeigen, dass Diatomeenerde bei Insekten und Milben wirksam sein kann, wenn sie trocken angewendet wird. Bei feuchtem Fell (Winter!) ist die Wirkung allerdings eingeschränkt.

⚠️ Wichtig:

• Nur lebensmitteltaugliche Kieselerde verwenden

• Staubinhalation unbedingt vermeiden

• Nicht auf offene Hautstellen auftragen

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2. Lavendelöl – wissenschaftlich untersucht

Lavendelöl (Lavandula angustifolia) ist eines der bestuntersuchten ätherischen Öle.

Studien (u. a. Kim et al., 2003; Pavela, 2016) zeigen:

• Insektizide und repellierende Wirkung

• Wirkung gegen Läuse, Milben und andere Arthropoden

• Zusätzlich entzündungshemmend und juckreizlindernd

Für Pferde interessant:

• Gute Hautverträglichkeit bei starker Verdünnung

• Kann Stress reduzieren, was indirekt das Immunsystem unterstützt

👉 Anwendung nur stark verdünnt (z. B. 1–2 Tropfen auf 50 ml Trägeröl)

👉 Niemals pur anwenden

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3. Teebaumöl – wirksam, aber mit Vorsicht

Teebaumöl (Melaleuca alternifolia) zeigt in Studien antiparasitäre Wirkung gegen Läuse und Milben.

ABER:

• Es ist deutlich reizender als Lavendel

• Kann bei falscher Dosierung toxisch wirken

• Nicht für Katzen geeignet (relevant bei Stallhaltung!)

Für Pferde gilt:

⚠️ Nur sehr niedrig dosiert

⚠️ Nicht bei offenen Wunden

⚠️ Nicht bei leberbelasteten Tieren ohne fachliche Begleitung

 

Ohne Immunsystem keine nachhaltige Lösung

Egal ob chemisch oder naturheilkundlich:

Haarlinge sind immer auch ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht, auch wenn sie bei Jungpferden gehäuft auftreten.

Deshalb sollte man immer mitprüfen:

• Immunstatus

• Mineral- und Vitaminversorgung

• Wurmbelastung

• Stoffwechselgesundheit

• Leber- und Nierenfunktion

• Bewegung

Ich habe es in anderen Blogartikeln schon oft geschrieben:

👉 Ein Pferd sollte sich täglich ausreichend bewegen – idealerweise auch galoppieren können. Einer meiner früheren Reitlehrern, Derek Maidment, sagte mir 1990: „Ein Pferd muss einmal am Tag seine Lunge weiten.“ Diesen Satz habe ich niemals vergessen und so gut wie möglich bei meinen Pferden umgesetzt. 

Bewegung ist wichtig für die Funktion von Lunge, Leber und Niere und damit ein zentraler Faktor für Immunsystem, Hautstoffwechsel und Entgiftung.

Fazit: individuell entscheiden – bewusst handeln

In akuten Fällen kann eine chemische Behandlung sinnvoll und notwendig sein.

Langfristig lohnt es sich jedoch, Ursachen zu hinterfragen und Alternativen sorgfältig abzuwägen.

Für mich war diese Erfahrung ein wichtiger Lernprozess – und sie ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Update zu meinen weiteren Behandlungserfolgen (oder Misserfolgen) wird folgen.

 

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