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EOTRH Studien und persönliche Erfahrungen

EOTRH – ausgeschrieben Equine Odontoklastische Zahnresorptions- und Hyperzementose – gehört heute zu den gefürchteten Zahnkrankheiten beim Pferd. Der Name beschreibt die Erkrankung bereits sehr treffend: Es kommt einerseits zur Resorption von Zahnhartsubstanz, andererseits zur übermäßigen Bildung von Wurzelzement (Hyperzementose). Beide Vorgänge sind für das Pferd schmerzhaft und beeinträchtigen früher oder später das normale Abbeißen erheblich.

Was passiert bei EOTRH?

EOTRH ist ein chronisches, fortschreitendes Geschehen, das vor allem die Schneidezähne betrifft. Betroffene Pferde entwickeln nach und nach:

• entzündliche und resorptive Prozesse an den Zahnwurzeln

• Entzündungen im Bindegewebe des Zahnhalteapparates verbunden mit 

• einer Verbreiterung des Periodontalspaltes

• osteolytische Veränderungen im Bereich der Alveolen

• teilweise massive Hyperzementose

Der Prozess ist irreversibel. Eine echte Heilung gibt es bislang nicht; in fortgeschrittenen Fällen ist die Extraktion der Schneidezähne die einzige Möglichkeit, das Pferd dauerhaft schmerzfrei zu machen.

 

Warum entsteht EOTRH? – Der aktuelle Wissensstand

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der Erkrankung weiterhin unklar. Seit der Erstbeschreibung im Jahr 2004 (manche Quellen verweisen auf 2008) gibt es verschiedene Theorien, aber keine abschließende Erklärung.

 

Genetik?

Es existieren Hinweise auf eine genetische Prädisposition, unter anderem bei in Deutschland gezogenen Islandpferden.

 

Mechanischer Stress?

Der früher häufig vermutete Zusammenhang mit übermäßigem Abrieb oder Zugbelastung an den Schneidezähnen wurde wissenschaftlich weitgehend verworfen, auch wenn viele Halter den Eindruck haben, dass mechanische Faktoren durchaus einen Einfluss haben könnten.

 

Cushing / PPID und systemische Entzündungen?

PPID kann entzündliche Prozesse im ganzen Körper begünstigen und wird oft mit parodontalen Veränderungen in Verbindung gebracht. Da Parodontose (Zahnfleischrückgang ohne akute Entzündung) häufig Teil des EOTRH-Bildes ist und freiliegende Zahnhälse bakterielle Besiedelung begünstigen, erscheint ein Zusammenhang erstmal nicht biologisch plausibel. Wenn man aber statt nur die Resorptions- und Zementierungsprozesse  die Entzündungsprozesse im Gewebe um den Zahnhalteapparat in Betracht zieht, dann könnte man durchaus PPID als Mitverursacher dieser Krankheit in Betracht ziehen. Das ist jedoch nur eine hypothetische Vermutung, da mir auch Fälle von EOTRH bekannt sind, wo kein Cushing vorliegt. 

 

Leaky Gut?

Auch dies wird unter Tierärzten diskutiert, denn Leaky Gut kann zu Entzündungen im ganzen Körper beitragen. 

 

Eine spannende Studie aus 2023: Spurenelemente und toxische Metalle

Besonders aufschlussreich ist eine im Jahr 2023 veröffentlichte Untersuchung der Cornell University (Wright, Early, Austin & Arora). Die Forschenden analysierten extrahierte Schneidezähne von EOTRH-Patienten und fanden darin charakteristische Muster von:

• Blei

• Strontium

• Barium

Diese Elemente lagerten sich in den Mineralisationsstrukturen von Schmelz, Dentin und Zement ein – also dort, wo normalerweise wichtige Spurenelemente wie Kalzium, Magnesium, Zink oder Mangan die gesunde Zahnstruktur aufbauen.

Da toxische Metalle chemisch teils ähnlich wie essentielle Spurenelemente sind, können sie in die Zahnmatrix eingebaut werden und dort den Mineralisationsprozess stören. Beim Menschen ist bereits lange bekannt, dass Stoffwechselstörungen sowie Änderungen im Spurenelementhaushalt die Zähne anfälliger machen können – etwa für Karies oder Parodontalerkrankungen. Die Parallelen sind bemerkenswert.

 

Was bedeutet das?

Die Studie liefert erste Hinweise, dass Ungleichgewichte oder Belastungen mit toxischen Metallen möglicherweise zur Entstehung oder zum Fortschreiten von EOTRH beitragen könnten. Endgültige Antworten stehen aber noch aus. 

In dieser Studie wird auch - im Gegensatz zu vielen anderen Berichten im Internet - die Entzündung an dem sogenannten "periodontal ligament" beschrieben. Das ist das Gewebe, dass den Zahn mit dem Knochen verbindet und wie ein Puffer beim Kauen wirkt. 

 

Symptome und Diagnose

Die ersten erkennbaren Anzeichen sind für die meisten Besitzer unspezifisch:

  • Rückzug beim Abbeißen
  • Mundgeruch
  • Rote Pünktchen oder Flecken auf dem Zahnfleisch
  • reduzierte Futteraufnahme von hartem Futter
  • Rillen, Beulen oder Verfärbungen an den Schneidezähnen
  • entzündetes oder zurückgehendes Zahnfleisch
  • veränderte Zahnstellung

Die Diagnose erfolgt durch eine klinische Untersuchung in Kombination mit Röntgenaufnahmen. Erst auf dem Röntgenbild werden Ausmaß, Aktivität und der Fortschritt der Resorptionen und Hyperzementosen sichtbar

 

Dieses Foto habe ich 5 Tage vor der Operation gemacht. Man sieht deutlich

  • die roten Punkte
  • eine stellenweise unnatürliche Rötung
  • eine Schwellung oberhalb eines Schneidezahnes

Im Internet sieht man deutlich schlimmere Bilder. Meine Tierärztin erklärte mir, dass sich eine eitrige Fistel bilden könnte und so lange wollte ich keinesfalls die Op hinauszögern. Nebenbei bemerkt: Die ganze Zeit hatte er keine Probleme beim Fressen. Den Möhrentest habe ich ihm jedoch erspart. 

EOTRH Behandlung

Das Tierspital Zürich empfiehlt bei einzelnen betroffenen Zähnen zunächst ein Kürzen von bestimmten Schneidezähnen, um den Druck vom Gegenzahn zu nehmen. In manchen Fällen kann dies das Fortschreiten vorübergehend bremsen oder die Extraktion verzögern.

 

Anwendung von Heilpilzen

Im Internet findet man einige Beispiele von Anwendung von Heilpilzen bei EOTRH. Damit wird zwar keine Heilung erzielt, aber die Krankheit kann dadurch zum Stillstand gebracht werden, wenn die Pilze dauerhaft gegeben werden. 

 

Langfristig führt jedoch kein Weg an einer Zahnentfernung vorbei, sobald der Zahn instabil oder schmerzhaft wird.

Diesen Satz haben wir am 23.11.2025 geschrieben. Mittlerweile habe ich mich jedoch mit einigen anderen Pferdebesitzern ausgetauscht und gehört, dass es noch die folgende Variante gibt: 

 

Einsatz von Schmerzmitteln

Wenn Pferdebesitzer aufgrund des Alters oder/und Grundkrankheit ihres Pferdes eine Zahn-OP vermeiden möchten, wird mittlerweile auch dieser Weg gewählt. 

Unsere Erfahrungen mit EOTRH

Im Herbst 2024 fraß mein Pony plötzlich nicht mehr. Auch speichelte er extrem. Ich gab ihm daraufhin ein homöopathisches Komplexmittel und am nächsten Tag fraß er wieder mit gutem Appetit wie gewohnt. Auch der Speichelfluss war nicht auffällig. Ich entfernte jedoch sofort das Heunetz, da mir klar wurde, dass es für ein Pferd nicht angenehm sein, selbst mit geringgradigen Zahnschmerzen, aus einem Heunetz zu fressen. 

Am nächsten Tag kam der Tierarzt und untersuchte Maul und Zähne, nachdem ich ihm die aufgetretenen Symptome geschildert hatte.  Er zeigte mir kleine rötliche Pünktchen auf der Maulschleimhaut und erklärte mir, dass das beginnende Zeichen von EOTRH sein könnten und sagte, dass ich das gut im Auge behalten müsse, was ich auch tat. 

EOTRH Zahn röntgen

EOTRH beim Pferd Röntgenbild
EOTRH beim Pferd Röntgenbild

Schließlich habe ich dann den Schneidezahnbereich im Ober- und Unterkiefer röntgen lassen. 

Wenn du genau hinschaust, wirst du sofort den "Hauptproblemszahn" erkennen. 

Damit erledigt sich auch die Frage: 

 

Ist EOTRH beim Pferd heilbar?

 

Denn wie soll der Körper so eine Masse abbauen? 

 

Zu dem Zeitpunkt, als dieses Röntgenbild gemacht wurde, wechselten wir gerade den Stall und an eine Op war nicht zu denken. Die Tierärztin hat dies auch so gesehen und anhand des klinischen Bildes, das zu dem Zeitpunkt nicht auffällig war, prognostiziert, dass wir noch ca. 2 Monate warten könnten.  Und so war es auch. 

Die Zahnextraktion beim Pferd mit EOTRH

Ich hatte riesige Angst und konnte auch diesen Teil erst schreiben, als der Heilungsprozess nach der Zahn-Op fast abgeschlossen war. Aber als sich das klinische Bild verschlechterte, machte ich sofort den Op-Termin. Es stellte sich für mich die Frage, bzw. der Tierarzt stellte mir die Frage, ob alle Schneidezähne im Oberkieferbereich gezogen werden sollten, oder nur der im Röntgenbild auffällige. Da aber das klinische Bild, also der äußerliche Zustand von Zahnfleisch und Zähnen, sehr schlecht war, entschieden wir alle oberen Schneidezähne zu ziehen. Wie es danach weiterging, liest du in Kürze in meinem Blog zur Nachsorge Zahn Op EOTRH beim Pferd. 

Kosten für eine Zahn Operation beim EOTRH Pferd

Bevor es bei uns soweit war, hörte ich teilweise Horror-Stories von Leuten die angeblich 10.000 € bezahlt hätten. Ich habe daraufhin sowohl bei meiner Tierärztin als auch in einer Pferdeklinik nachgefragt und bekam die Info, dass ich bei 2 Zähnen mit ungefähr € 500 rechnen müsste. 

Was ich dann tatsächlich für die Zahn Op für alle oberen Schneidezähne bezahlt habe, waren etwas über € 1100.  Dazu kamen dann um die € 800 für die Nachsorge, die ich sehr gerne bezahlt habe, denn vor einer Komplikation hatte ich große Angst und natürlich wollte ich, dass es meinem Pony so schnell wie möglich besser geht. 

EOTRH - Was ich heute anders machen würde

Fakt ist:

EOTRH ist eine komplexe, schmerzhafte und nach wie vor wenig verstandene Erkrankung, die vor allem ältere Pferde betrifft. Studien wie jene von Wright et al. (2023) zeigen, wie viele Faktoren – von Mineralisationsprozessen bis hin zu toxischen Metallen – bei der Entstehung eine Rolle spielen könnten. Aus dem bisher dargelegten wird schon klar, dass sehr wahrscheinlich mehrere Faktoren eine Rolle spielen. 

 

Für betroffene Pferde bedeutet das Entfernen der Schneidezähne oft überraschend schnell eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität, wie auch für mein Pony.

 

Aber:

 

Wenn es darum geht, alle oder einen Zahn zu entfernen, würde ich aus heutiger Sicht nur einen Zahn entfernen lassen, wenn das Pferd in einer Herde steht und sich eher mit Zähnen als mit Hufen verteidigt. 

Ich würde auch mehr in die Prävention investieren, womit ich nicht die Zahnkontrolle meine (die wir hatten), sondern in die Überprüfung der toxischen Belastung. Dazu mehr unter Stressmanagement für Pferde. 

 

Quellen: 

 

Widespread prevalence of Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis detected in German Icelandic horse population: impact of anamnestic factors on etiology - PubMed

 

Equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis (EOTRH): microspatial distribution of trace elements in hypercementosis-affected and unaffected hard dental tissues - PMC

 

Thieme E-Journals - Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin / Volltext

Fallbeispiele zur Anwendung von Heilpilzen in der Tiermedizin

 

 

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