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Wasser für Pferde - unterschätzter Faktor in der Pferdegesundheit

Wasser für Pferde – der unterschätzte Faktor in der Pferdefütterung

Wenn wir über Pferdefütterung sprechen, denken die meisten zuerst an Heuqualität, Kraftfutter, Mineralstoffe oder Zusatzfuttermittel. Wasser hingegen wird oft als selbstverständlich angesehen: klar, geruchlos, vorhanden – also „passt schon“. Doch genau hier liegt ein enormer blinder Fleck in der Pferdehaltung. Wasser ist nicht nur ein Begleitfaktor der Fütterung, sondern eines der sensibelsten und gleichzeitig wirkungsvollsten Elemente für Gesundheit oder Krankheit unserer Pferde. Und leider auch eines der am meisten unterschätzten.

Ich möchte diesen Artikel nicht theoretisch beginnen, sondern mit einer sehr persönlichen Erfahrung – einer, die mein Denken über Pferdegesundheit für immer verändert hat.

Ein Tag, den ich nie vergessen werde

Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich wie immer zu meinen Pferden fuhr. Schon auf dem Weg zum Paddock hatte ich ein ungutes Gefühl. Zwei meiner drei Pferde wirkten angespannt, unruhig, irgendwie „nicht bei sich“. Als ich durch das Tor ging, fiel mein Blick – fast zufällig – auf den Wasserbottich. Und was ich dort sah, ließ mir das Herz in die Hose rutschen: Auf der Wasseroberfläche lag eine weiß-metallisch schimmernde Schicht.

In diesem Moment wusste ich: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht.

Ich reagierte sofort, holte meine Akupunktur- und homöopathischen Notfallutensilien und konnte den beiden Pferden zunächst helfen. Doch rückblickend war das nur die Akutmaßnahme. Schon damals, als wir neu in diesem Stall waren, hatten zwei meiner drei Pferde an einem Abend körperliche Symptome gezeigt, die ich erst im Nachhinein als Vergiftungsanzeichen einordnen konnte.

Die hinzugezogene Tierärztin überprüfte die Blutwerte – ohne auffälligen Befund. Heute weiß ich: Es kommt extrem darauf an, welche Parameter überhaupt untersucht werden. Viele Vergiftungen bleiben im klassischen Blutbild unsichtbar, besonders wenn sie schleichend verlaufen oder der Körper noch kompensieren kann.

Brunnenwasser – oder doch etwas ganz anderes?

Ab diesem Tag traf ich eine radikale Entscheidung: Meine Pferde bekamen in diesem Stall kein Wasser mehr aus der Leitung. Ich brachte Wasserkanister von zu Hause mit. Ein Jahr lang. Wer das schon einmal gemacht hat, weiß, was das körperlich bedeutet. Irgendwann meldete sich mein Rücken sehr deutlich.

Die Reaktion der Stallbesitzer war heftig. Ich wurde aufs Übelste beschimpft, ich würde ihr Wasser „schlecht machen“, Panik verbreiten, übertreiben. Erst viel später erfuhr ich die ganze Wahrheit: Es handelte sich nicht einmal um Brunnenwasser. Die Stallbesitzer zapften Wasser aus einem nahegelegenen Bach – einem Bach, der an mehreren Gärtnereien vorbeifloss.

Was genau dort ins Wasser gelangte, möchte man sich kaum ausmalen.

Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, was ich in all den Jahren im Umgang mit Stallbetreibern erlebt habe. Doch darum geht es mir hier nicht. Mir geht es darum, aufzuklären. Ehrlich zu sein. Auch über meine eigenen Fehler. Denn nur so kannst du sie vermeiden.

Akute Hilfe ist nicht genug – das Thema Entgiftung

Ja, ich konnte meine Pferde damals stabilisieren. Aber mit dem Wissen von heute weiß ich: Das war nicht ausreichend. Es hätte eine monatelange, gezielte Entgiftung gebraucht – zum Beispiel mit Zeolith und den entsprechenden Ausleitungskonzepten, wie ich sie später bei meinem Knappstrupper angewendet habe.

Gerade bei akuten Vergiftungen ist es entscheidend, sofort zu handeln. Denn viele Giftstoffe lagern sich im Körper ab – insbesondere im Bindegewebe, in der Leber, in den Nieren und sogar im Bereich der Zahnwurzeln. Diese Ablagerungen können Jahre später zu massiven Problemen führen. Ein Beispiel dafür ist EORTH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis), eine extrem schmerzhafte Zahnerkrankung, die ich heute nicht mehr isoliert betrachte, sondern auch im Zusammenhang mit chronischer Belastung und Entgiftungsfähigkeit des Körpers.

An Giften kommt man heutzutage leider kaum noch vorbei. Wenn du möchtest, dass dein Pferd bis ins hohe Alter gesund bleibt, musst du dieses Thema ernst nehmen – es sei denn, du hast das Glück, ein Pferd mit einer außergewöhnlich guten Enzymaktivität, einer starken Leber- und Nierenfunktion und einer hohen Resilienz zu besitzen. Aber darauf sollte man sich nicht verlassen.

Warum nicht alle Pferde reagieren – und warum das kein Argument ist

Ein Kommentar, den ich immer wieder höre – vor allem von Stallbesitzern – lautet:

„Das kann doch nicht so schlimm sein, sonst hätten das ja alle Pferde.“

Dieses Argument kannst du getrost vergessen.

Schon vor vielen Jahren erklärte mir ein sehr renommierter Zahnarzt den entscheidenden Punkt: Enzyme. Manche Organismen sind in der Lage, auch mit massiven Giftbelastungen umzugehen. Andere nicht. Das ist individuell, genetisch und abhängig von vielen Faktoren wie Stoffwechsel, Vorerkrankungen, Stresslevel und Nährstoffversorgung.

Dass „nur“ zwei von drei Pferden Symptome zeigen, ist also kein Beweis gegen eine Belastung – sondern eher ein Hinweis darauf.

Ein Blick zurück: Mein erster Kontakt mit belastetem Wasser

Rückblickend war mein erster Kontakt mit diesem Thema schon über 25 Jahre her, bei meinem allerersten Pferd. In dem damaligen Stall zog relativ plötzlich eine Familie aus, die eng mit den Stallbesitzern befreundet war. Das allein war schon ungewöhnlich. Später kam heraus: Sie hatten zwei Pferde, und eines davon hatte massive Probleme mit den Hufen.

Die Hufe bröckelten, Eisen hielten nicht, barhuf ging gar nicht. Hochwertige Ergänzungsfuttermittel – damals schon von namhaften Herstellern – halfen nicht. Schließlich ließen die Besitzer das Brunnenwasser analysieren. Ergebnis: Der Nitratgehalt war deutlich zu hoch.

Heute ist bekannt, dass in bestimmten Regionen – zum Beispiel im Kreis Kleve – der Nitratgehalt im Grundwasser generell erhöht ist. Doch auch hier gilt: Das allein erklärt nicht alles. Wasserqualität ist komplex.

Als die Pferdebesitzer die Stallbetreiber informierten, eskalierte die Situation. Die Stallbesitzer fühlten sich hintergangen, ließen selbst eine Analyse machen und beriefen sich auf einen Tierarzt, der meinte, die Werte lägen „noch im Toleranzbereich“. Die Fronten verhärteten sich, die Wege trennten sich.

Ich selbst konnte die Aufregung damals nicht verstehen. Warum ist es ein Angriff, wenn jemand auf eigene Kosten Wasser testen lässt? Niemand schüttet Nitrat absichtlich ins Grundwasser. Doch genau diese emotionale Abwehr erlebe ich bis heute immer wieder.

Die betroffene Stute wurde später zusätzlich mit Akupunktur und chinesischer Phytotherapie behandelt – und bekam wieder stabile, gesunde Hufe. Für mich war klar: Wasser spielt eine viel größere Rolle, als wir wahrhaben wollen.

 

Wenn sich Geschichte wiederholt

Auch in späteren Jahren, als ich eigene Ställe hatte, begegnete mir dieses Thema immer wieder. Nach starken Regenfällen kam es vor, dass Gülle aus angrenzenden Flächen ins Grundwasser gelangte. Wie genau das passieren konnte, war oft schwer nachzuvollziehen – aber die Folgen waren eindeutig.

Am Tag danach verweigerten die Pferde teilweise das Trinken. Einige – nicht alle – bekamen massiven Durchfall. Ich sprach das Thema an. Die Reaktion? Kündigungen. In mehr als einem Fall.

Ob die Stallbesitzer später Ärger mit Behörden bekommen hätten, wenn ich den Weg weiter gegangen wäre, kann ich nicht beweisen. Aber es spricht Bände, wie schnell versucht wurde, das Thema zu beenden – statt hinzusehen.

Und leider: Hier hört die Geschichte noch lange nicht auf.

Warum Wasser mehr ist als „nur Wasser“

Pferde trinken je nach Größe, Temperatur und Aktivität zwischen 20 und 70 Liter Wasser pro Tag. Alles, was darin enthalten ist – Nitrat, Schwermetalle, Pestizide, Keime, Algen, Rückstände aus Landwirtschaft und Industrie – gelangt direkt in den Organismus.

Viele dieser Stoffe wirken nicht sofort. Sie belasten schleichend. Sie stören den Stoffwechsel, schwächen das Immunsystem, beeinträchtigen Leber und Nieren, verändern die Darmflora und wirken sich langfristig auf Hufe, Haut, Zähne und das Nervensystem aus.

Und genau deshalb wird der Zusammenhang so oft übersehen.

Was du aus all dem mitnehmen solltest

Dieser Artikel soll keine Angst machen. Aber er soll sensibilisieren. Wasser ist kein nebensächlicher Punkt in der Pferdefütterung – es ist ein zentrales Element.

Meine wichtigsten Botschaften an dich:

• Hinterfrage die Wasserquelle in deinem Stall.

• Verlasse dich nicht darauf, dass „es schon immer so war“.

• Lass Wasser analysieren – unabhängig davon, ob Symptome da sind oder nicht.

• Akzeptiere, dass Pferde unterschiedlich reagieren.

• Denke bei ungeklärten Symptomen immer auch an chronische Belastungen.

• Und: Höre auf dein Bauchgefühl. Es hat mich selten getäuscht.

Wenn ich mit diesem Text auch nur einen Menschen dazu bringe, genauer hinzusehen – dann hat sich das Teilen dieser Erfahrungen gelohnt.

 

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