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Stress, Cushing und die HPA-Achse beim Pferd

Die HPA-Achse bei Pferden: Wie Stress das Hormonsystem beeinflusst

Pferde sind von Natur aus Fluchttiere. Ihre Reaktionen auf Stress unterscheiden sich deshalb teilweise von denen des Menschen – und doch läuft vieles über dasselbe biologische Kontrollsystem: die HPA-Achse. Sie ist das zentrale Steuerzentrum für die Stressantwort und beeinflusst Energiehaushalt, Hormonbalance und Gesundheit des Pferdes.

Was ist die HPA-Achse beim Pferd?

Die HPA-Achse steht für Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Dieses neuroendokrine System steuert beim Pferd die Stressreaktion.

• Der Hypothalamus registriert eine mögliche Bedrohung und setzt das Hormon CRH (Corticotropin-Releasing-

  Hormon) frei.

• Dieses CRH wirkt auf die Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Dort wird ACTH (Adrenocorticotropes Hormon)

  ausgeschüttet.

• ACTH gelangt über den Blutkreislauf zu den Nebennierenrinden, wo es die Produktion und Freisetzung von

  Cortisol anregt.

 

Cortisol sorgt dann für die Bereitstellung von Energie, die Anpassung des Immunsystems und die Regulierung weiterer Hormonsysteme.

Damit ist ACTH ein zentrales Bindeglied: Ohne ACTH könnte die Stressreaktion nicht in Gang gesetzt werden. Gleichzeitig dient ACTH auch in der Diagnostik (z. B. ACTH-Test beim Pferd zur Abklärung von Cushing / PPID) als wichtiger Marker für die Funktion der HPA-Achse.

 

Wie das Pferdegehirn Bedrohungen einschätzt

Als Fluchttier ist das Pferd hochsensibel gegenüber Umweltreizen. Über Augen, Ohren und Geruchssinn nimmt es ständig Informationen auf. Diese werden im Gehirn mit gespeicherten Schemata und Erfahrungen abgeglichen.

• Keine Bedrohung: Ruhe, die HPA-Achse bleibt inaktiv.

• Mögliche Bedrohung: Der Hypothalamus gibt vorsorglich CRH frei. Über ACTH wird die HPA-Achse aktiviert,

  auch wenn die Gefahr objektiv nicht real ist.

• Akute Bedrohung: Hohe Ausschüttung von ACTH und Cortisol, das Pferd reagiert mit Flucht oder Kampf.

 

Das bedeutet: Pferde können bereits bei kleinsten Auslösern wie einem flatternden Tuch oder einem ungewohnten Geräusch eine Stressreaktion zeigen – auch wenn objektiv keine Gefahr besteht. Das Gehirn arbeitet lieber mit „Sicherheitsreserve“ und aktiviert die HPA-Achse frühzeitig.

 

Damit aber noch nicht genug: 

 

Auch eine Überbelastung mit Toxinen, chronischen Entzündungen und/oder körperliche Einschränkungen, insbesondere Kissing Spines bedeuten für das Pferd Stress und können zu einer Aktivierung der HPA-Achse führen. 

 

Stressreaktion bei Pferden - was passiert im Körper?

Durch die Ausschüttung von ACTH und der darauf folgenden Cortisolproduktion laufen im Pferdekörper typische Stressreaktionen ab:

• Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck

• Bereitstellung von Blutzucker für schnelle Energie

• Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin für Wachsamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit

• Unterdrückung des Immunsystems (um Energie für Flucht freizuhalten)

• Veränderung der Sexualhormone (Fortpflanzung ist in Gefahrensituationen nachrangig)

 

Wenn Stress chronisch wird - HPA-Dysregulation beim Pferd

Problematisch wird es, wenn die HPA-Achse – und damit die Ausschüttung von ACTH und Cortisol – dauerhaft aktiviert ist. Das kann durch falsche Haltung, unpassendes Training oder ständige Reizüberflutung geschehen.

Eine chronische Überstimulation von ACTH kann:

• das Immunsystem schwächen

• zu Verdauungsproblemen wie Magengeschwüren führen

• Verhaltensauffälligkeiten wie Schreckhaftigkeit oder Apathie verstärken

• das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen

Besonders bekannt ist die Überproduktion von ACTH beim Equinen Cushing-Syndrom (PPID), das eng mit einer Fehlregulation der HPA-Achse verknüpft ist.

 

HPA-Achse beim Pferd regulieren - praktische Tipps

Halter und Reiter können viel dazu beitragen, die HPA-Achse und ACTH-Ausschüttung im Gleichgewicht zu halten:

• Artgerechte Haltung: Sozialkontakt, Bewegung im Freien, ausreichend Platz

• Stressarmes Training: Positive Verstärkung, klare Signale, keine Überforderung, Losgelassenheit als oberstes

        Ziel (z. B. sollte dein Pferd nach dem Aufsitzen und Schritt am hingegebenen Zügel innerhalb von 5 Minuten

        abschnauben können) 

• Routinen schaffen: Regelmäßige Abläufe und Fütterungszeiten insbesondere bei Boxenhaltung

• Gesunde Darmflora fördern: Pferdegerechtes Futter, wenig Zucker, viel Rohfaser

• Erholung ermöglichen: Dehnung in Reiteinheiten, Rückzugsorte und die Möglichkeit zum Liegen

 

Fazit: ACTH als Schlüsselhormon in der HPA-Achse des Pferdes

Die HPA-Achse ist das Stresskontrollzentrum des Pferdes. Dabei spielt ACTH eine Schlüsselrolle, denn es vermittelt zwischen Gehirn und Nebennieren. Ohne ACTH würde Cortisol nicht freigesetzt – und damit keine Stressantwort stattfinden.

Bei kurzfristigem Stress ist das überlebenswichtig. Doch eine dauerhafte Fehlregulation – wie bei PPID (Equines Cushing-Syndrom) – kann die Gesundheit massiv beeinträchtigen. Wer die HPA-Achse versteht, kann Stress reduzieren, Erkrankungen frühzeitig erkennen und das Wohlbefinden des Pferdes langfristig fördern.

 

FAQ: HPA-Achse, ACTH und PPID beim Pferd

Wie erkenne ich Stress beim Pferd?

Stress kann sich bei Pferden sehr unterschiedlich äußern. Typische Anzeichen sind Unruhe, häufiges Erschrecken, nervöses Kauen oder Kopfschlagen, starkes Schwitzen ohne Belastung, erhöhte Herzfrequenz und Verdauungsprobleme wie Koliken oder Magengeschwüre. Chronischer Stress zeigt sich oft durch Gewichtsverlust, Verhaltensänderungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit.

 

Welche Rolle spielt ACTH in der HPA-Achse des Pferdes?

ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) ist das zentrale Bindeglied zwischen Gehirn und Nebennieren. Es wird in der Hypophyse gebildet, wenn der Hypothalamus Stress meldet, und regt die Nebennieren an, Cortisol auszuschütten. Ohne ACTH könnte die Stressantwort des Pferdes nicht stattfinden.

 

Was passiert, wenn die HPA-Achse beim Pferd dauerhaft aktiv ist?

Bei chronischem Stress bleibt die HPA-Achse übermäßig aktiv, ACTH und Cortisol werden dauerhaft ausgeschüttet. Das schwächt das Immunsystem, belastet den Stoffwechsel und kann zu Verhaltensauffälligkeiten, Magengeschwüren und hormonellen Dysbalancen führen. Langfristig steigt das Risiko für Erkrankungen wie Hufrehe oder PPID.

 

Was ist PPID (Equines Cushing-Syndrom) und wie hängt es mit ACTH zusammen?

PPID ist eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse, bei der ACTH unkontrolliert und dauerhaft überproduziert wird. Dadurch steigt die Cortisolausschüttung massiv an. Typische Symptome sind ein langes, lockiges Fell, Muskelschwund, Leistungseinbußen, erhöhte Infektanfälligkeit und Hufrehe.

 

Wie wird PPID beim Pferd diagnostiziert?

Der wichtigste Test ist die Messung des ACTH-Spiegels im Blut. Je nach Jahreszeit können Referenzwerte schwanken, daher wird die Untersuchung idealerweise durch einen Tierarzt in Kombination mit klinischen Symptomen bewertet. In manchen Fällen wird zusätzlich ein sogenannter TRH-Stimulationstest eingesetzt, um die Diagnose zu sichern.

 

Wie oft sollte ein ACTH-Test gemacht werden?

Bei gesunden Pferden ohne Symptome ist ein ACTH-Test in der Regel nicht notwendig. Zeigt das Pferd jedoch Anzeichen von PPID oder Hufrehe, sollte ein Tierarzt den ACTH-Wert bestimmen. Bei diagnostiziertem PPID wird empfohlen, den Wert mehrmals im Jahr zu kontrollieren, um die Medikation (z. B. Pergolid) optimal anzupassen.

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