Lahmfrei durch den richtigen Beschlag
Ein Erfahrungsbericht über Lahmheit, Rückschläge und einen langen Weg zur Balance.
Als ich mein erstes eigenes Pferd kaufte, hatte ich keine Ahnung, worauf ich mich einließ. Von Pferdegesundheit verstand ich damals wenig. Ich erinnere mich noch genau an die Worte einer Stallkollegin: „Mein Pferd ist heute stocklahm – es wurde nicht vom Chef selbst beschlagen, sondern von einem seiner Gehilfen.“ Ich war irritiert – wie konnte ein einziger Hufbeschlag so einen Unterschied machen?
Sie erklärte mir, was es für ein arthrotisches Pferd bedeuten kann, wenn der Beschlag nur minimal verändert ist. Ich begriff schnell: Ein kleiner Fehler kann große Folgen haben.
Vom Trabrennpferd zur Lebensgefährtin
Meine Stute stellte sich nicht als Quartermix heraus, wie sie mir verkauft worden war, sondern als ehemaliges Trabrennpferd. Wer schon einmal ein Trabrennen gesehen hat, weiß, welch unnatürlichen Belastungen diese Pferde ausgesetzt sind. Der Körper leidet – und das zeigte sich bei ihr: Spat, Hufrollenbefund und Rückenprobleme.
Trotzdem war sie eine fantastische Geländepartnerin – bis unser Schmied plötzlich nicht mehr verfügbar war.
Rückenprobleme und ein erstes Aha-Erlebnis
Bei meinem zweiten Pferd, einem beeindruckenden Wallach mit Landgraf-, Grannus- und Mephisto-Linien, spielte der Hufbeschlag ebenfalls eine große Rolle. Er wurde in der Tierklinik beschlagen – ein Spezialbeschlag zur Unterstützung des Iliosakralgelenks. Die Wirkung war fantastisch – aber im matschigen Paddock hielt er einfach nicht.
Ich begann, mich intensiver mit der Thematik zu befassen, streute selbst Sand, testete Kunststoff- und umgelegte Eisen. In meiner Verzweiflung begann ich meine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin.
Der Wendepunkt: Gesundheitsmanagement-Seminar in Warendorf
In einem FN-Seminar mit Dr. Karl Blobel und Hufschmied Dieter Krönert – dem Schmied der deutschen Vielseitigkeitsequipe – lernte ich Entscheidendes. Mein Pferd trat sich ständig ein Vordereisen ab, teils mehrfach innerhalb einer Beschlagperiode. Krönert erklärte: „Nicht die Balance ist das Problem – der Vorderhuf kommt nicht schnell genug vom Boden.“
Ein Aha-Moment, der meine Sichtweise veränderte.
Von Frust, Gewalt und einem Pferd, das sich weigerte
Wir fanden einen Schmied, der umgelegte Eisen konnte – eine Seltenheit. Leider war er cholerisch. Mein sensibles Pferd verweigerte irgendwann vollständig die Hufgabe. Erst eine feinfühlige, geduldige Schmiedin brachte Vertrauen und Routine zurück – und schließlich auch die Möglichkeit, komplett auf Eisen zu verzichten.
Dank guter Fütterung, Mineralien und naturheilkundlicher Unterstützung lebte mein Wallach noch viele Jahre lahmfrei und zufrieden.
Hidalgo – ein sensibles Pferd, ein langer Weg
Und dann kam Hidalgo. Ein schwungvoller, unbalancierter Wallach mit viel Lebensfreude – und chronischen Baustellen. Auch er trat sich die Eisen ab, der Beschlag wurde zunehmend enger, das Gangbild unsauber. Ein erfahrener Schmied diagnostizierte: „Der Huf ist viel zu eng – das schädigt die Hufrolle.“
Als Hidalgo eine Sehnenschwellung bekam, wurden die Vordereisen ganz abgenommen. Doch er lief klamm, nicht lahm, aber deutlich unwohl. Also wurde er wieder beschlagen. In meiner Verzweiflung verlud ich ihn alle 7 Wochen und fuhr erst zu dem weltberühmten Hufschmied Gustav Optenplatz. Als Herr Optenplatz altersbedingt nicht mehr beschlug, fuhr ich mit Hidalgo in die nächste Tierklinik und lies ihn dort beschlagen. Doch auch deren Eisen trat Hidalgo ab.
Hoffnung: Der richtige Beschlag zur richtigen Zeit
In einem neuen Stall begegnete ich einem Schmied, der mit dem „umgelegten Eisen“ arbeiten konnte – ein Beschlag, der bei Hufrehe oder Fesselträgerschäden verwendet wird. Perfekt für Hidalgos Bedürfnisse: Er unterstützte sowohl Sehnen als auch Fesselträger. Doch leider trat Hidalgo auch diese Eisen ab. Der Schmied gab auf.
Ein neuer Versuch, ein neuer Schmied – aber das Muster wiederholte sich: zu enge Eisen, zu wenig Wirkung, lange Wartezeiten.
Dann endlich: die Diagnose Kissing Spines (ISG 1). Durch gezieltes Training besserte sich seine Balance, die Eisen hielten besser. Doch der Fesselträgerschaden holte uns ein. Die Tierärztin sprach von einer unheilbaren chronischen Veränderung.
Der Nageltritt – und die Entscheidung gegen das Einschläfern
Ein schlimmer Nageltritt brachte Hidalgo an den Rand. Sowohl der junge Schmied als auch die Tierärztin rieten zum Einschläfern. Ich tat es nicht.
Stattdessen suchte ich weiter, stieß auf Berichte über Hufheilung durch Barhuflaufen – musste diesen Weg aber aufgeben, da Hidalgo durch sein Schleifen der Hinterhufe ohne Eisen zu viel Substanz verlor. Hufschuhe funktionierten nicht im Matsch.
Der Rettungsversuch – mit Platte und Geduld
Ein erfahrener Schmied willigte ein, mit Platten zu arbeiten – unter der Bedingung, dass die Hufe geröntgt werden. Die Tierärztin bestätigte die Entscheidung. Und tatsächlich – Hidalgo lief wieder lahmfrei. Reiten war kein Thema mehr, aber Lebensqualität war zurück.
Eine besondere Begegnung
Ein erneuter Stallwechsel. Die Besitzer erzählten von einem „Wunder-Hufschmied“. Ich war mehr als skeptisch, aber natürlich auch neugierig. Der Hufschmied war der Meinung, dass eine Platte nicht zwingend nötig für Hidalgos Hinterhufe wären. Schließlich konnte ich mich auf den Versuch einlassen. Und so begann ein weiteres Kapitel in Hidalgos Geschichte…
Fazit:
Ein Hufbeschlag kann heilen – oder zerstören.
Die Kunst liegt im Hinsehen, Zuhören, Dranbleiben. In Geduld, Erfahrung und der Bereitschaft, das Pferd wirklich zu verstehen. Ich habe auf diesem Weg nicht nur über Hufe gelernt – sondern über das Leben, Vertrauen, Heilung.
Warum ich diesen Blog über Hufbeschlag geschrieben habe:
Zuerst musste ich meine eigene Kompetenz darstellen, dass nicht nur du sondern jeder weitere Leser versteht, dass ich langjährige Erfahrung mit Pferden habe und mich intensiv mit dem Thema Hufbeschlag beschäftigt habe und beschäftigen musste.
Irgendwann in nicht so ferner Zukunft geht dieser Hufschmied, der das von ihm entdeckte System patentiert hat, in Rente. Und sein Wissen wird in unauthorisierten Kopien fehlerhaft oder unvollständig weitergegeben. Deshalb teile diesen Blog und schicke ihn an die Hufeisenfirmen, dass sie aufwachen und dieses gute Hufeisen in ihr Programm aufnehmen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
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