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Achtsames Gähnen gegen Stress?

Achtsames Gähnen gegen Stress?

Vor 3 Wochen sass ich in einem Online Workshop bei dem amerikanischen Autor, Universitätsdozent und Redner Mark Waldman. Er hat durch seine Forschungen zu Gehirnfunktionen und Intuition, die Begriffe "das achtsame Gehirn" und "Neuroweisheit" geprägt. Weiterhin ist er bekannt für seine einzigartige Vermittlung von Achtsamkeit, das er u.a. Betriebswirtschaftstudenten an der Universität lehrt. Bis dato hatte ich noch nie von ihm gehört.

Mit Gähnen Stress abbauen?

Die Neurowissenschaft hat festgestellt, dass die einfache Ausführung des Gähnens einer der wichtigsten neurologischen Vorgänge ist, den jeder Säuger und jeder Vogel ausführen kann und macht.

Gähnen reguliert eine chaotische Aktivität im gesamten Gehirn und reguliert den Blutfluss dahin im positiven Sinne. Mit dem regulierten Blutfluss werden auch die vielen Gedanken reduziert, die ständig in unserem Kopf sind. Wir spüren weniger Angst und Stress. Gleichzeitig wird man aber auch aufmerksamer. Muss man zu häufig gähnen wiederum, deutet das auf übermässigen Stress hin. In der traditionellen chinesischen Medizin sieht man zu häufiges Gähnen als ein Zeichen für eine sogenannte "Leber-Qi-Stagnation". Sie kann sich schlimmstenfall in Wutanfällen zeigen.

Mittlerweile gibt es über 75 verschiedene Studien inwieweit sich das Gähnen auf verschiedene Hirn- und Körperbereiche auswirkt. Ein einziges Gähnen macht das Gehirn wacher und bewusster. Selbst Menschen mit neurologischen Problemen wie z. B. nach einem Schlaganfall, Parkinson's oder Multiple Sklerose erfahren durch achtsamen Gähnen Linderung ihrer Beschwerden.

Wenn du dieses Bild siehst, bekommst du vielleicht den Impuls, auch zu gähnen. Unterdrücke ihn nicht, nein ganz im Gegenteil: Gähne ganz langsam und werde dir bewusst, dass Gähnen dir hilft, dich in deinem Körper zu verankern. Das ist Leben im Jetzt. Das ist Achtsamkeit.

Gähne nochmal und nochmal und achte darauf, wie sich deine Gedanken dabei verändern. Möglicherweise kommen zuerst Gedanken wie peinlich das ist. Oder du denkst, das kannst du nur machen, wenn du alleine bist. Nach dem dritten Gähnen merkst du, dass es dir irgendwie besser geht.

 

Die Neurobiologie des Gähnens:

  • Gähnen macht dich wacher und aufmerksamer
  • Gähnen reguliert den Stoffwechsel im Gehirn
  • Gähnen macht dich bewusster
  • Gähnen reguliert neurochemische Vorgänge
  • Gähnen reguliert den Biorhythmus
  • Gähnen stimuliert Empathie
  • Gähnen verstärkt Freude und Genuss

Gähnen macht wach und aufmerksam

Vielleicht bist du Schüler und musst in der ersten Stunde immer gähnen, weil du nicht genug  oder schlecht geschlafen hast oder es fällt dir schwer, deinem langweiligen Lehrer zu zuhören. Das ist richtig so, denn wenn du geistig nicht entsprechend stimuliert wirst, hilft dir das Gähnen, die Gehirnbereiche zu aktivieren, die für Neugierde zuständig sind.

Gähnen reguliert den Stoffwechsel im Gehirn

u.a. durch seine Regulierung des Blutflusses. Des weiteren wirkt sich der physiologische Vorgang des Gähnens positiv auf das Gehirn aus. So berichten Menschen, die sich viel Sorgen machen und Ängste haben, dass sie permanent das Bedürfnis haben zu gähnen. Wenn man sich das bewusst macht und aus dem unbewussten Gähnen ein achtsames Gähnen macht, sich dabei innerlich "zurücklehnt" und die angsterfüllten Gedanken anschaut mit dem Bewusstsein, dass es "nur" Gedanken sind,  werden die blockierten Bereiche im Gehirn, die eine konstruktive Problemlösungsaktivität ermöglichen, wieder aktiviert.

Gähnen macht dich bewusster

Mit einem achtsamen langsamen Gähnen kommst du mehr zu dir.

Gähnen reguliert neurochemische Vorgänge

In einer 2005 publizierten Studie untersuchten Hein, Goessler, Sadick, Maurer, Hörmann und Verse die neuropharmakologischen Auswirkungen von Gähnen. Sie fanden heraus, dass sich Gähnen insbesondere auf die Ausschüttung von Dopamin auswirkt. Dopamin wiederum steht in Verbindung zu Oxytozin. Des weiteren wurden Beeinflussung von GABA, ACTH, Serotonin u.a. festgestellt.

Gähnen reguliert den Biorhythmus

Wie du oben schon gelesen hast, hilft dir das achtsame Gähnen am Morgen wach zu werden und die Neugierde und damit Aufnahmefähigkeit zu stimulieren.

Wenn du abends nicht einschlafen kannst oder schon gar nicht schlafen gehen willst, dann probier mal dieses: Gähne achtsam mit der Intention müde zu werden. Sage dir dabei: Schlaf. Auch hier gilt wieder achtsames Beobachten der Gedanken, die in diesem Moment in deinen Kopf kommen. Das sind Gedanken, lass sie kommen und gehen. Wiederhole das achtsame Gähnen und sage dir wieder "schlaf".  Du gibst hier deinem Körper deutliche Signale und wenn du das täglich zur gleichen Zeit praktizierst, wird das Einschlafen leichter.

Gähnen stimuliert Empathie

In einer Studie mit Grundschulkindern wurde herausgefunden, dass eine kurze Achtsamkeitsroutine mit Gähnen das soziale Miteinander der Kinder sehr förderte. Dies betraf vor allem Kinder mit ADHS.

Gähnen ist auch ein Möglichkeit, eine empathische Verbindung zu anderen Säugern herzustellen. Wenn du ein Haustier hast, dann probier mal in seinem Beisein achtsam zu gähnen und schau was passiert.

Gähnen zur Entspannung

Vielleicht bist du Manager mit einem 12 Stunden Tag und hast überhaupt keine Zeit und keinen Nerv für Achtsamkeit geschweige denn Meditation. Atemübungen sind dir ein Graus. Mark Waldman empfiehlt, auf dem Handy eine Achtsamkeitsglocke zu installieren und stündlich läuten zu lassen und wie folgt vorzugehen:

  1. Beginne mit einem achtsamen Gähnen
  2. Versuche jetzt einen langsamen Atemzug - dabei sollte das Ausatmen nicht kürzer als das Einatmen sein
  3. Mache eine ultralangsame Bewegung z. B. einen Schritt oder den Kopf ganz langsam rollen (werde dir dabei bewusst an welchem Punkt du den Impuls verspürst, schneller zu werden).

Wenn für dich die Achtsamkeitsglocke als App nicht praktikabel ist, empfehle ich Post-Its, die man an verschiedenen Stellen im Haus, auf der Arbeit oder im Auto anbringen kann.

Wir wünschen dir einen entspannten Tag!

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