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Fesselträgerschaden hinten beim Pferd

Fesselträgerschaden hinten beim Pferd

Ein Erfahrungsbericht über Fehler, Diagnosen und Therapien und natürlich Hoffnung

Im  vergangenen Jahr hatte ich Hidalgo nach der Diagnose Kissing Spine Syndrom (an 3 Stellen) täglich gearbeitet, um seinen Rücken aufzubauen. Im September kamen wir an den Punkt, wo er wieder hätte geritten werden dürfen. Hätte ...
 
Am 28. September stand er alleine auf der großen Wiese, da die Ponys geritten wurden. Dies gefiel ihm nicht sonderlich und er galoppierte ein paar Mal auf und ab. Als ich ihn abends holen wollte, um ihn zu longieren, legte er sich hin und wälzte sich. Als er wieder aufstand, trat er hinten rechts nicht mehr auf. Ich sah, dass das Fesselgelenk dick war. Ich machte sofort einen Verband mit Heilerde und gab ihm Traumeel. Montag war es soviel besser, dass ich guter Hoffnung war. 
 
Dienstag lies ich alle 3 auf die Wiese, Hidalgo führte ich bis zum Gras. Leider ist er dann doch direkt bei der ersten Gelegenheit losgaloppiert. Als ich abends kam, stand er auf 3 Beinen. Es wurde auch am Feiertag nicht besser und Donnerstag rief ich in der Tierarztpraxis an. Die Tierärztin beugte ihn einmal, danach stand er wieder auf 3 Beinen, drückte mir eine Flasche Schmerzmittel in die Hand mit dem Kommentar: „Damit muss es steil bergauf gehen, sonst müssen wir röntgen. Bitte rufen sie mich Montag an.“ Auf meine Frage, ob er noch auf die Wiese konnte, die ich mittlerweile verkleinert hatte, meinte sie nur „der steht doch ganz ruhig“. Ich protestierte aber sie sagte nichts mehr. Hidalgo bekam das Medikament, konnte wieder auftreten und am folgenden Montag nahm ich ihn an die Longe, um zu sehen, wie er im Trab lief. Er trabte sofort an, von Lahmheit keine Spur. Freudig rief ich die Tierärztin an und erzählte ihr das. Sie meinte dann noch, es würde bestimmt noch mindestens 4 Wochen dauern. So verging der Oktober. Hidalgo machte nur Unfug und bei jedem Versuch, ihn etwas auf die Wiese oder den großen Paddock zu stellen, spackte er ab. Anfang November wurde ich ziemlch krank und im Anschluss musste ich extrem viel arbeiten, so dass ich froh, war, Hidalgo in seiner Paddockbox stehen lassen zu können. Ich machte immer mal wieder einen Heilerdeverband. Als ich eines abends die Heilerde abbürstete, hob er das Bein. Ich bürstete an der gleichen Stelle noch einmal und wieder hob er das Bein. Wenn ich an einer anderen Stelle bürstete lies er es stehen. Es war eindeutig der Fesselträger, der ihm wehtat. Bis dahin hatte ich Hidalgo immer mal wieder kurz an die Longe genommen, um zu sehen wie er im Trab lief. Jetzt begannen wir direkt mit Schritt auf hartem Boden. Mittlerweile war es Dezember. Als der Hufschmied das nächste Mal kam und ich ihm die ganze Sache erzählte und dass ich nun viel lieber in die Klinik fahren würde auch hinsichtlich der Auswirkung auf seinen Rücken, organisierte er einen Bekannten, der mich dann dorthin fuhr. 
 
In der Klinik
 
Als der Tierarzt kam, fragte er mich nach Hidalgo’s Rücken und ich erzählte ihm von den guten Fortschritten, die wir gemacht hatten. Er freute sich sehr für uns. Dann erzählte ich von Hidalgo’s „Wiesengalopp“ und meiner Verdachtsdiagnose. Er fühlte den Fesselträger ab und meinte es sei bestimmt nicht so schlimm. Als er ihn vortraben lies sagte er: „Er ist ja noch deutlich lahm“. Der Ultraschall bestätigte die Diagnose endgültig. 
 
Ich hatte natürlich schon zum Thema Fesselträgerschaden hinten recherchiert. Die Betonung liegt immer auf hinten, denn die Prognosen sind unterschiedlich. Absolut typisch beim Fesselträgerschaden hinten: An der Longe bekommt das Pferd auf der Hand Probleme, wo das kranke Bein außen ist. Für ein Pferd mit Kissing Spine Syndrom wie Hidalgo, das auf Longenarbeit angewiesen ist, nicht nur um den Rücken hoch zu bekommen sondern einfach ohne Schmerzen weiter leben zu können, die Katastrophe. 
 
Diejenigen die meine Blogs zum Kissing Spine Syndrom und der Periodischen Augenentzündung kennen, werden sich denken können, was ich jetzt den Tierarzt gefragt habe, so schwer es mir auch fiel: 
 
„Ist es für so ein Pferd nicht besser, wenn man es einschläfert?“ (Da er ja auch kein Pferd ist, was man so einfach auf die Wiese abstellen kann) Der Tierarzt schaute mich an und sagte:“ Vor ein paar Jahren ja – da war diese Diagnose noch das Aus für ein Pferd. Heute gibt es Therapieoptionen.“ Er zählte mir dann ein paar auf und sagte mir, ich müsste sie so schnell wie in Angriff nehmen:

 

1. Schritt auf hartem Boden wie bereits begonnen,                              

2. Blutegel                             

3. PRP                             

4. Equitron
 
Darüber hinaus hatte er mir auf meine weitere Nachfrage erklärt, dass eine Kortisonspritze in den Rücken (um die Rückenschmerzen zu begrenzen) absolut kontraproduktiv wäre. Meine Sorge war, dass er wieder anfängt durchzudrehen, wenn die Rückenschmerzen aufgrund der fehlenden Gymnastizierung zurückkommen. 
 
Zuerst kaufte ich mir jedoch ein Pelham, da Hidalgo immer schwieriger zu händeln war, wenn ich mit ihm an der Strasse ging. Unser Stall liegt direkt an einer Landstrasse, wo LKW, PKWs und Motorräder mit 100 km/h und mehr fahren. 
 
An dieser Stelle dank an all diejenigen, die auch ihre Erfahrungen in Foren und anderswo geteilt haben. Da meine finanziellen Mittel beschränkt waren bzw. sind, war mir klar, Equitron, Blutegel und PRP – alles geht nicht. So hat mir der Beitrag einer Pferdebesitzerin besonders geholfen, die schrieb, dass die Blutegel im Vergleich zu PRP beim Fesselträgerschaden ihres Pferdes viel mehr gebracht hatten. 
 
 
Blutegel bei Fesselträgerschaden 
 
Aufgrund meiner Erfahrungen aus der Blutegelbehandlung bei Hidalgo’s Sehnenschaden musste ich mich noch sehr überwinden und erst die Tierärztin, die ich bzgl. Equitron kontaktierte, machte mir Dampf sofort zu beginnen und sie im 14-tägigen Rhythmus anzusetzen.
 
 
Im Februar habe ich dann zum ersten Male Blutegel gesetzt. Es dauerte eine Stunde bis die Blutegel am Bein saugten. Jedes Mal wenn einer zubeissen wollte, riss Hidalgo das Bein hoch und haute mit der (beschlagenen) Hufspitze auf den Betonboden, dass der Blutegel abfiel. Irgendwann waren alle Egel so verstört, dass sie sich verkrochen und sich gar nicht mehr anfassen liessen. Doch ich gab nicht auf. Schließlich hielt ich Hidalgo’s Bein die komplette Zeit, dass ich es immer verhinderte, wenn er wieder seine Hufspitze aufhauen wollte. Und die Mühe hatte sich gelohnt: Wie in meinem Blog Blutegeltherapie beschrieben, war das spektakulärste nach der Behandlung Hidalgo’s Verhalten. Er war so entspannt und ruhig wie schon lange nicht mehr. Jede weitere Behandlung wurde leichter, er hatte wirklich verstanden, dass es ihm half. 
 
Equitron bei Fesselträgerschaden 
 
Equitron ist der Nachfolger von Rehatron. Dabei steht der Zusatz high energy cell treatment, also Hochenergiebehandlung auf Zellebene. Im Prinzip ähnlich einer Magnetfeldbehandlung nur viel intensiver (und teurer). Meine Erfahrung mit Equitron für den Fesselträgerschaden bei Hidalgo ist weniger gut, dafür hat es aber bei seinem ISG-Schaden – hier mehr zu in Kürze - eine deutliche Verbesserung gebracht. 
 
Ultraschallkontrolle Fesselträgerschaden April 2019
 
Nach 7 Equitron-Behandlungen lies ich durch die Tierärztin, die für die Equitron-Behandlung zuständig war, eine Ultraschallkontrolle machen.  Im Gegensatz zur Pferdeklinik, hat sie beide Hinterbeine geschallt. So konnte man deutliche Unterschiede des kranken und des gesunden Beines erkennen. Dabei wurde auch deutlich, dass nicht nur der innere sondern auch der äußere Fesselträger geschädigt war. Und zwar in solchem Maße, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Darüber hinaus vermutete sie eine Knochenbeteiligung, hat mir aber in Anbetracht der Diagnose und dem schlechten Heilungsverlauf, von weiteren Ausgaben hinsichtlich weiterführender Diagnostik abgeraten.  Nichtsdestotrotz hat sie mir Mut gemacht, die Belastung langsam zu steigern und ab Juli wieder anzufangen, Schritt zu reiten. 

 

Dies habe ich versucht, selbst und mit einem leichten Reitschüler. Aber aufgrund der Kissing Spines im Lendenwirbelbereich ist es für Hidalgo unheimlich schwer, mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt zu treten ohne den Fesselträger zu sehr zu strapazieren. Wer das genauer verstehen möchte, schaut bitte das Video von Tamme Hanken beim Stangl-Wirt an. Dort demonstriert Tamme wie der Fesselträger arbeiten muss, dass sich der Rücken aufwölbt.
 
Hufbeschlag bei Fesselträgerschaden
 
Ursprünglich hatte ich die Information, dass es am besten ist, wenn der Beschlag so wenig wie möglich verändert wird, da jede Stellungsveränderung den Fesselträger übermäßig belastet. Gut ist jedoch immer, wenn das Eisen so groß ist, dass die Enden über den Huf hinausragen, um dem ganzen Bein Unterstützung zu geben. Da Hidalgo - bedingt durch seine Kissing Spines und dem Schaden am Kreuzdarmbeingelenk - große Probleme beim Abfußen hat, bat ich kürzlich noch einen sehr erfahrenen Hufschmied um Rat. Dieser sah sich Hidalgo's Gangbild an und empfahl mir einen Beschlag mit einer verbreiterten, unterstützten Zehe zur Entlastung des Fesselträgers. Die verbreiterte Zehe wird auch in dem Artikel der St. Georg "Fesselträgerschaden-und nun?" von Dr. Niederdorfer empfohlen. Hatte ich jedoch in der Vergangenheit überlesen.
 
Homöopathie bei Fesselträgerschaden
 
Wie bei jeder anderen Krankheit auch, hilft Homöopathie im Akutstadium am ehesten und schnellsten. Natürlich hatte ich die gängigen Mittel wie Arnika und Rhus toxicodendron bereits gegeben. 
 
Im Mai waren wir an dem Punkt, wo sich nichts mehr verbesserte. Der Fesselträger war innen und aussen immer noch verdickt und nach jedem Spaziergang warm. Ich hatte versucht, die Zeiten auf – soweit mir möglich – 2x täglich 20 Minuten auszuweiten. Dann stiess ich durch Zufall auf die Veröffentlichungen von Frau Dr. Christiane Krüger, eine klassisch homöopathisch arbeitende Tierärztin. Bis dato hatte ich mich auf Potenzen bis C30 oder LM- bzw. Q-Potenzen beschränkt. Frau Dr. Krüger arbeitet jedoch sehr viel mit Potenzen von C200 und höher. Hidalgo bekam dann auch im Hinblick auf seine Geräuschempfindlichkeit ein Mittel in der C200 und siehe da, er lief sofort besser. Im Juli bekam er dann Calcium flouratum C1000. Calcium flouratum ist natürlich das Mittel der Wahl, wenn es um Bänderprobleme geht. Jetzt war der Fesselträger erstmals nicht mehr vermehrt warm nach Belastung. 
 
Wir sind noch nicht am Ende, aber hier noch einmal zusammengefasst:  Was Hidalgo’s Fesserträgerschaden geholfen hat:
 
1. Schritt auf hartem, ebenen Boden

2. Blutegel aussen und innen im Wechsel 14-tägig über 2 Monate

3. Magnetfelddauertherapie mit pulsierendem Magnetfeldgerät

4. Homöopathische Mittel 

5. Geduld: Ein Jahr Reha ist beim Fesselträgerschaden hinten normal 
 

Und die Moral von der Geschichte:

Wenn du Auto und Hänger hast, fahre nach Unfällen deines Pferdes mit anschließender Lahmheit sofort in eine Tierklinik. Wenn du das nicht kannst, bestehe immer auf eine komplette Diagnostik inklusive Ultraschall. Dies beinhaltet auch eine Erklärung, welche anatomischen Strukturen geschädigt sind und was für die Heilung wichtig ist. Der bekannte Tierarzt Dr. Mark Kaminski hat hier eine eindeutige Regel veröffentlicht (die ich leider erst viel zu spät gesehen habe): Schritt lahme Pferde bleiben in der Box! Trab lahme Pferde werden im Schritt bewegt bzw. können Schritt gehen. Pferde die nicht lahm sind, dürfen auch traben.  
Eine medikamentöse Schmerztherapie bringt nach Aussage mancher Tierärzte beim Fesselträgerschaden hinten gar nichts. Viel besser sind sofortiger und wiederholter Ansatz von Blutegeln. Sie wirken nicht nur schmerzlindernd sondern verhindern auch die Verklebungen. Dann kann man mit PRP und/oder Homöopathie versuchen, die Heilung zu beschleunigen. Auch anorganischer Schwefel kann zur Heilung laut Dr. Kaminski beitragen. Wir werden nun also MSM zufüttern. Dies ist bei Lexa erhältlich: 

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