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Warum lahmt mein Pferd?

Das erste was du tun solltest, ist den Huf deines Pferdes genau nachzuschauen und nicht denken, es ist das oder das (so wie ich es fälschlicherweise unlängst gemacht habe).

Tipps um Lahmheiten beim Pferd zu erkennen und zuzuordnen

Vergangene Woche beobachtete ich eine Miteinstallerin, die ihr Pferd auf der Wiese ritt. Das Pferd wieherte immer wieder und war deutlich lahm. Ich sprach sie auf die Lahmheit an und sie sagte mir, dass ihr Pferd unter chronischer Arthrose litt. Wenn sie es stehen lassen würde, wäre die Lahmheit noch viel schlimmer. Sie erzählte mir außerdem, dass Osteopathie, Chiropraktik und Akupunktur nichts gebracht hätten und Schmerzmittel wären für sie keine langfristige Option.

Unter anderem fielen mir die kurzen Hufe ihres Pferdes auf. Ich erläuterte ihr, dass zu kurze Hufe allein schon gerade bei einem älteren Pferd, welches sowieso schon mit vielen Problemen im Bewegungsapparat zu kämpfen hat, die Schmerzen verschlimmert. Ich empfahl ihr die Anschaffung von Hufschuhen, da sie viel ins Gelände ritt und Hufschuhe eine stoßdämpfende Wirkung haben.  Außerdem legte ich ihr die Fütterung von MSM und Teufelskralle über mindestens 3 Monate ans Herz, um die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wieder zu erhöhen. Selbst bei einem sehr kleinen Geldbeutel kann man zumindest MSM füttern.  MSM unterstützt Gelenksknorpel, Sehnen und Bänder. Überzeugt haben mich jedoch die Aussagen zweier Frauen im Bekanntenkreis, die mir unabhängig voneinander erzählt haben, dass ihnen die Einnahme von MSM Schmerzerleichterung und damit bessere Beweglichkeit bei ihrer chronischen Arthrose gebracht hätten. MSM, Teufelskralle und Ingwer etc. kannst du hier bestellen:

Ich empfehle die Produkte von Lexa bzw. Atcom, da nach meiner langjährigen Erfahrung LEXA das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat.

Um Lahmheiten zu erkennen, sollte man von vorne, von der Seite und von hinten genau hinschauen wie sich das Pferd bewegt. Auf meinem Titelbild siehst du bei dem braunen Wallach, dass die Kruppenseiten rechts und links verschieden sind und er den Kopf extrem nach rechts hält. Außerdem zieht sich der Sattel nach links. Er hatte Spat und ein massives Rückenproblem, das aber von vielen Tierärzten nicht erkannt wurde.

1. Dein Pferd ist stocklahm

Mein zweites Pferd kam mir am dritten Tag, nachdem ich es gekauft hatte, stocklahm entgegen. Es sah schrecklich aus und er tat mir unsagbar leid. Heulend rief ich den Tierarzt an. Ich beschrieb ihm am Telefon wie mein Pferd lief und er kam noch am gleichen Tag. Ich holte mein Pferd von der Wiese und ging auf den Tierarzt zu. Er hatte schon direkt eine Hufzange in der Hand. Er drückte den Huf ab und mein Pferd zuckte. Die Diagnose lautete Sohlenprellung. Ich lies den Hufschmied kommen und er machte einen Spezialbeschlag. Beim Ausschneiden konnte man den Bluterguss im Huf deutlich sehen.

Das gleiche Pferd hatte Jahre später an einem Hinterbein ein Hufgeschwür. Er ging nur noch auf 3 Beinen und lag viel mehr als sonst. Auf hier hatte der Hufschmied eine Lösung und es ging innerhalb von 2 Tagen wieder bergauf.

In beiden Fällen war am Pferdebein nichts zu sehen und nichts zu fühlen. Keine Verletzung, keine Schwellung, keine Hitze.

In einem weiteren Fall hatte eines meiner Pferde jedoch eine Sohnenprellung nachdem der Bauer Schotter im Pferdepaddock aufgekippte hatte und dabei war auch die Sehne angelaufen.

2. Dein Pferd ist stocklahm nach einem Unfall

Mach die Dringlichkeit deinem Tierarzt klar und bringe, wenn irgendwie möglich dein Pferd in seine Box oder Auslauf. Bitte den Stallbetreiber um einen Gesellschafter, wenn dein Pferd unruhig wird, weil es nicht alleine bleiben kann. Schrittlahme Pferde dürfen nicht mit ihren Artgenossen auf der Wiese laufen, weil sie sich dann behaupten müssen und ihren Schmerz unterdrücken. Dies kann den Schaden vergrößern. Wenn dein Tierarzt kommt, bestehe auf eine sofortige Diagnose ggf. mit Ultraschall und /oder Röntgen.

In meinem Blog zum Fesselträgerschaden kannst du lesen, wie schwierig/unmöglich der Heilungsweg wird, wenn das nicht sofort erfolgt.

3. Dein Pferd lahmt nur im Trab auf einem Vorderbein

Dies sind sehr häufige Lahmheiten mit vielen Ursachen. Wird es deutlicher auf dem Zirkel oder in der Wendung, kann das auf ein Problem in der Hufrolle deuten. Genauso kann es aber auch der Fesselträger sein.

Wenn dein Pferd nur unter dem Reiter im Trab lahm geht, solltest du prüfen, ob es sich um eine sogenannte Zügellahmheit handelt. Hier gibt eine einfache Übung Aufschluss: Lass dein Pferd am hingegebenen Zügel locker dahintraben. Trab leicht und teste, ob es auf beiden Händen im gleichmäßigen Takt traben kann. Ist das der Fall, lohnt es sich einen guten Reitlehrer zu finden, der mit dir an der Anlehnung arbeitet.

Desweiteren liegt es sehr oft am diagonalen Hinterbein, zum Beispiel am Knie oder auch am Kreuzdarmbeingelenk deines Pferdes. Meistens sollte man mit so einem Pferd sofort in die Tierklinik fahren, weil dort die Gegebenheiten für eine Lahmheitsdiagnostik besser sind.

4. Dein Pferd lahmt nicht, hat aber eine kleine Schwellung auf der Sehne

In Kürze werde ich über meine Erfahrungen bei Sehnenschäden schreiben. An dieser Stelle ganz kurz: Lass es immer vom Tierarzt untersuchen und bestehe auf einen Ultraschall.

5. Dein Pferd lahmt nicht wirklich, geht aber klamm

Wenn Pferde auf beiden Vorderbeinen Schmerzen haben, können sie ihr Gewicht nicht mehr gut auf ein Vorderbein abstützen. Sie schwingen ihre Vorderbeine nicht mehr locker aus der Schulter und sind insgesamt verspannt. Hier gibt es mehrere Ursachen wie zum Beispiel Schale oder Hufrollensyndrom. 

Wenn die Pferde staendig wieder in den Schritt fallen, könnte dies auch ein Anzeichen für chronische Hufrehe sein.

Bei der Hufrollenerkrankung spricht man von einer Hangbeinlahmheit, im Gegensatz zu der Stützbeinlahmheit wie zum Beispiel beim Hufgeschwür. Die Hangbeinlahmheit erkennt man auch an der flacheren Vorführphase des Beines (im Gegensatz zum Lockeren aus der Schulter schwingen). Dann sucht man außer in der Hufrolle die Ursache weiter oben wie zum Beispiel in der Rückenmuskulatur.

Bei der Stützbeinlahmheit nimmt - mehr oder weniger deutlich - das Pferd beim Auffussen des kranken Beines den Kopf hoch. Es versucht sich quasi mit Anspannen der Halsmuskulatur zu stützen.

Geht dein Pferd hinten nicht richtig lahm aber auch nicht richtig klar, tritt mit einem Hinterbein etwas kürzer, könnte es sich um Spat handeln. Eine Beugeprobe durch deinen Tierarzt bringt schnellen Aufschluss.

6. Dein Pferd hüpft in den Trab

Besonders wenn es noch nicht so ganz optimal aufgewärmt ist, macht es beim Antraben einen Hüpfer. Das ist meiner Erfahrung nach typisch für Knieprobleme und sehr oft der Grund für ungeklärte Lahmheiten beim Pferd. Es lohnt sich hier, energischer und länger im Schritt zu reiten, bis man das erste Mal antrabt. Natürlich sollte es von einem erfahrenen Tierarzt abgeklärt werden, da gerade leichte Knieprobleme sehr schwer zu diagnostizieren sind. Wenn hier einfach wie bisher weitergeritten wird, kann es zu einem Problem im diagonalen Vorderbein kommen.

7. Dein Pferd lahmt nach dem Galopp

Die ganze Zeit über ging es "astrein", dann bis du galoppiert und nach dem Übergang in den Trab ist es plötzlich lahm. Das kann von einem Problem im Kreuzdarmbeingelenk kommen. Mit einer Ultraschalluntersuchung (in der Klinik) kann man feststellen, ob hier chronische Veränderungen vorliegen.

8. Dein Pferd tritt mit einem Hinterbein kürzer

Leichte Lahmheiten vom Hinterbein siehst du schon im Schritt, wenn dein Pferd immer mit einem Hinterbein etwas kürzer tritt. Genaueren Aufschluss liefert dann das Longieren. Verstärkt sich die Lahmheit, wenn das betroffene Hinterbein aussen geht, kann der hintere Fesselträger geschädigt sein. Verstärkt sich die Lahmheit, wenn das betroffene Hinterbein innen ist, kann die Ursache im Knie- oder Sprunggelenk liegen. Genausogut können jedoch mehrere Gelenke betroffen sein und selbst für sehr erfahrene Tierärzte ist es oft schwer, auf Anhieb zu erkennen, von wo die Ursache kommt. Aber je besser du das Auftreten der Lahmheit beschreiben kannst, umso schneller kann dein Tierarzt eine qualifizierte Diagnose stellen. Natürlich kannst du dieses Wissen auch schon beim Pferdekauf einsetzen.

Warum geht dein Pferd lahm?

Wie konnte das passieren? Kennst du diese Frage? Manchmal ist sie sinnlos und manchmal ist sie sinnvoll. Zum Beispiel dann, wenn der Sehnenschaden in einem Rückenproblem begründet ist. Über die Jahre sind mir immer wieder Pferde begegnet, die aufgrund von chronischen Sehnen- oder Fesselträgerschäden in den Ruhestand geschickt wurden oder eingeschläfert werden sollten. Dabei lag die Ursache im Rücken. Ermöglicht und zeigt man dem Pferd eine Möglichkeit, wie es seinen Rücken- und Bauchmuskulatur effektiv einsetzen kann, erhält man die Beine gesund.

Wenn ihr eine gute Stallgemeinschaft seid, dann denkt einmal darüber nach, ein Notfallset anzuschaffen, bei dem sich jeder im Notfall bedienen kann (und das entnommene Objekt ggf. nachher ersetzt).

Weiterführende Literatur:

In diesen Blog habe ich meine 20 Jahre Pferdebesitzererfahrung hineingepackt. Wie du jedoch auch weisst, ist das Thema fast unerschöpflich.

Wenn du noch mehr dazu wissen willst, kann ich dir das Buch von dem britischen Tierarzt Peter Gray "Die Lahmheiten des Pferdes" empfehlen. Auf 256 Seiten findest du Informationen rund um die Lahmheiten des Pferdes. Um es auf den Punkt zu bringen, auch Peter Gray ist der Meinung

viele Lahmheiten haben ihren Ursprung im Rücken ....

Was du tun kannst, um den Pferderücken zu stärken, Probleme im Pferderücken zu erkennen und zu beheben, erfährst du hier ...

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