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Hufrehe beim Pferd

Ein Erfahrungsbericht

Hast du schon einmal ein Pferd mit akuter Hufrehe gesehen? Die meisten kennen Bilder der nach vorne gestellte Hufen, da die Pferde versuchen, die schmerzende Vorderseite vom Huf zu entlasten.

Oder die Pferde legen sich hin und wollen gar nicht mehr aufstehen. So erlebte ich es an einem schönen Sommertag im Jahr 2008, als ich am Nachbarhof vorbeifuhr, wo ein Friese und ein Pony standen, die beide von den Besitzern vom Schlachter gerettet worden waren. Das Schimmelpony lag auf der Wiese und die Besitzerin winkte mir zu.

Ich hielt an und sie sagte mir, es würde gar nicht mehr aufstehen. Wir gingen zusammen auf die Wiese und mir war schnell klar, dass es sich um Hufrehe handelte. Ich bat die Frau den Tierarzt zu holen, aber sie schaute mich nur an. So fuhr ich zurück zum Stall und schaute in meine Notfallapotheke. Ich kam zurück mit einem homöopathischen Mittel, das ich dem Pony direkt verabreichte. Innerhalb weniger Minuten stand das Pony wieder auf. Ich erklärte der Familie noch ein wenig und sagte ihnen, dass sie die Hufe kühlen, und das Pony auf weichen Untergrund stellen müssten. Mir war klar, dass dieses Pony - wie so viele seiner Artgenossen, die irgendwo abgeschieden auf einem Hof leben - keine adäquate medizinische Versorgung bekommen würde.

Dem Pony ging es jedoch mit dieser einen Gabe Nux Vomica soviel besser, was wieder einmal zeigt, wie gut homöopathische Mittel wirken können, wenn man sie im Akutfall sofort gibt.  Und dem Pony war geholfen. Es lief noch viele Jahre über die Wiese.

Was die Rehe ausgelöst hatte, war mir zu dem Zeitpunkt nicht so klar, denn die Wiese war spärlich bewachsen, und das Pony befand sich dort schon seit Monaten. Erst Jahre später ging ich einmal mit den Besitzern in den Stall und ich sah voller Entsetzen Tonnen gefüllt mit altem Brot, das die Frau ihren Tieren fütterte.

Wie kommt es zur Hufrehe?

In meinen über 40 Jahren mit Pferden habe ich noch nie eine Belastungsrehe erlebt, deshalb geht es hier um die Futter- und toxische Rehe, wobei sich beide letztendlich gleichen:

Die Futterrehe, die wir früher meist erlebt haben, wenn die Pferde im Frühjahr auf die Wiese kommen, entsteht im Darm. Wenn das Pferd eine plötzliche Futterumstellung erfährt, bringt das die Bakterienflora im Darm so aus dem Gleichgewicht, dass sie nicht mehr als Schutzschicht agieren kann. Zum einen wird dann die Darmwand so angegriffen, dass Giftstoffe die Darmwand passieren und in die Blutbahn gelangen und zum andern, werden durch das Ungleichgewicht im Darm zusätzliche Giftstoffe erzeugt, die dann ebenfalls in die Blutbahn gelangen. Je nach Leistungsfähigkeit von Leber, Darm und Niere können Giftstoffe jeglicher Art ausgeschieden werden. Das kann man sich ganz einfach wie einen Mülleimer vorstellen, der regelmässig entleert wird. Ist der aber schon halbvoll, zum Beispiel weil zu viele Schimmelpilze im Heu sind, oder das Pferd gerade noch Medikamente bekam, lässt eine zusätzliche Giftstoffbelastung den Mülleimer überquellen. Die Giftstoffe bleiben also im Blut weil sie nicht herausgefiltert werden konnten. Das Blut wird dicker (z. B. in der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein schön zu erkennen) und gelangt nicht mehr in die feinen Blutgefäße im Huf. Dadurch entsteht im Huf eine Entzündung, die weisse Linie verbreitert sich usw.

Über die Jahre habe ich mich in Sachen Hufe und Hufgesundheit immer komplett auf die Sachkunde und Erfahrung meiner Hufschmiede verlassen. Dieses Jahr habe ich jedoch wieder einmal festgestellt, dass es in Sachen Pferdegesundheit am besten ist, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen und dem dann nachzugehen, z. B. Zweitmeinungen einzuholen. Meine Ponys zeigten vergangenes Jahr bereits die folgenden Auffälligkeiten:

- Fast kein Hufwachstum

- Verbreiterte weiße Linie

- Absenkung der Sohle

- klammer Gang allerdings nur bei einem Pony

- Schwellung am Kronrand

- beide hatten nach einer Brunnenwasservergiftung die einherging mit grosser Unruhe (was wiederum ein Anzeichen für Hufrehe sein kann) Hufgeschwüre (Hufgeschwüre sind wiederum Zeichen einer chronischen Rehe)

Meine Tierärztin drückte mir damals etwas ratlos eine Flasche Metacam in die Hand, das ich nach 3 Tagen absetzte und selbständig homöopathisch weiterbehandelte. Beide Ponys konnten wieder laufen. Aber das wirkliche Ausmaß wurde erst viel, viel später deutlich.

Vergangenes Jahr las ich in der St. Georg, dass Geraldine, Ingrid Klimke's Spitzendressurnachswuchspferd aufgrund chonischer Hufrehe eingeschläfert werden musste. Längst ist die Hufrehe keine Krankheit der Robustrassen und Ponys mehr.  Auch der schwerfuttrige Warmblutwallach einer Freundin hatte im Winter Hufrehe auf allen 4 Hufen. Da ihre Pferde nicht auf der Wiese waren, lies sie ihr Heu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass der Fruktangehalt im Heu viel zu hoch war.

Besonders Pferde mit Insulin Resistenz können bei einer "Überdosis" Fruktan Hufrehe entwickeln, da die Insulinkonzentration im Blut dann eine Schwelle übersteigt, was wiederum zur Hufrehe führt.  Aber auch Pferde mit chronischem Durchfall sind schnell betroffen, denn strukturierte Kohlenhydrate und Fruktane sind relativ unverdaulich für Säugetiere ohne die Hilfe einer aktiven Fermentation durch die Bakterienflora im hinteren Darmabschnitt.

 

Maßnahmen bei akuter Hufrehe:

Nux vomica ist ein homöopathisches Mittel, dass bei Futtermittelvergiftungen helfen kann. In seinem Buch "Hufkurs für Reiter" verweist Armin Kasper auf die (nicht-allopathische) Behandlung des Tierarztes Dr. Wolter mit Belladonna D4 gegen die Schmerzen, Nux Vomica D6 wie erwähnt gegen die Vergiftung und Gingko biloba D3 zur Verbesserung der Durchblutung. Ideal ist wenn der Tierarzt zusätzlich einen Aderlass macht, was eine Blutverdünnung und Entlastung des ganzen Körpers bewirkt. Anstatt des Aderlass kann man auch Blutegel entlang des Kronrandes setzen, was auch eine sofortige Erleichterung für das schmerzgeplagte Pferd bringt. Alternativ dazu Akupunktur (s.u.)

L-Arginin bei akuter Hufrehe:

Im Internet findet man die Dissertation von Sabrina Glöckner, hochgeladen von der FU Berlin mit dem Thema "Eine retrospektive Studie über die Hufrehe bei Pferden".   Darin steht die positive Wirkung von L-Arginin auf die Lederhaut im akuten Schub der Hufrehe nachzulesen. Bei Rossmann sieht man L-Arginin Kapseln angeboten, um die Potenz der Männer zu verbessern. Die amerikanische Heilpraktikerin Hulda Clark hat jedoch schon vor Jahrzehnten L-Arginin ihren Krebspatienten angeraten. L-Arginin hat nämlich - und hier wird es wieder für Pferdebesitzer interessant - die Fähigkeit Giftstoffe parasitären Ursprunges zu binden. Mit anderen Worten, jedes Pferd hat je nach Wurmprogramm, mehr oder weniger Würmer, und diese scheiden Giftstoffe aus. L-Arginin hilft dem Körper diese auszuscheiden und bewirkt eine sofortige Zunahme der Vitalität. Nicht umsonst testen die Tierärzte das Blut der Hufrehepatienten auf eine Wurmbelastung.

Hufrehebehandlung im chronischen Fall:

1. Hufbearbeitung

Hufbearbeitung aber richtig. Bei meinen Ponys war die Sohle über die verbreiterte weisse Linie gewachsen. Dadurch hatten sich Bakterien regelrecht verkapselt, der Druck blieb und das Unheil wütete weiter. Auf einer Tagung zum Gesundheitsmanagement des Pferdes in Warendorf sprach u.a. Dieter Kröhnert, Hufschmied der Olympiareiter und weltweit einer der Besten seines Fachs  von "radikalem Zurückschneiden" der Hufe zusammen mit dem Tierarzt. Manche Hufschmiede trauen sich das nicht, aber nur dann kann das Pferd wieder besser laufen. Jedoch ist es sehr wichtig, dass der Strahl mitträgt. Wenn das nicht möglich ist, muss ein Hufverband, z. B. mit entsprechender Abpolsterung des Strahlbereiches,  angelegt werden.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte sich auf YouTube unbedingt "Jimmy's laminitis Story" ansehen. Hier geht es um ein Pony, das schon im Vorstadium einer Hufrehe  in eine Pferdeklinik gebracht wird. Der dortige Hufschmied erklärt genauestens, auf welche Zeichen man achten muss und warum. 

2. Nährstoffe zuführen und Leber und Niere entlasten

"Leber und Niere entladen sich in den Hufen", sagt April Battles, eine amerikanische Tierheilpraktikerin. Nach der obigen Erklärung ist das logisch. Und so kann man im Umkehrschluß therapieren. Falls noch nicht geschehen, sollte man ein großes Blutbild machen lassen, um festzustellen ob und wenn ja inwieweit Leber- und Nierenwerte verändert sind. Darüber hinaus würde ich aus heutiger Sicht auf jeden Fall Zink und Selen mituntersuchen lassen.

Dann gezielt erst einmal Nährstoffe zuführen, bevor man Leber und Niere entlastet. Dies zum Beispiel mit einer Kräuterkur oder homöopathischen Komplexmitteln. Es gibt einige gezielte Futterzusätze mit wichtigen Spurenelementen, Vitaminen und Kräutern, die man füttern kann, z. B. Rehe-Vital von Atcom/Lexa. Lexa-Pferdefutter hat mit seiner Marke "ATCOM" ein paar sehr hochwertige und effektive Futterergänzer im Programm. Hier kannst du diese direkt bestellen:

3. Bewegung

Und zwar Bewegung die dem natürlichen Bewegungsbedürfnis des Pferdes entspricht. Nicht umsonst kommt die Idee des Paradise Paddocks von dem amerikanischen Hufschmied Jamie Jackson.  Damit kann man auch auf kleinstem Raum den Pferden Bewegungsanreize bieten. Man baut einfach einen zweiten Zaun innerhalb eines bestehenden Areals auf, und schafft damit sozusagen einen Rundlauf. Je nach Herdenkonstellation müssen die Wege breiter sein und die Ecken abgerundet werden. Im Internet findet man genaue Beschreibungen und Bilder wie z. B. unter /www.aanhcp.net/pages/welcome-to-paddock-paradise.

4. Akupunktur

Während meiner Tierakupunkturausbildung bei Carola Krokowski erzählte eine Kursteilnehmerin von ihrer Stute, die schleichend - zuerst war überhaupt nicht klar, was mit dem Tier los war -  auf allen vier Hufen einen Reheschub hatte. Das Pferd hatte keinen Weidegang und Tierarzt, Besitzerin und Hufschmied waren ratlos hinsichtlich der Ursache. Schlimmer noch, das Pferd hatte mehrere Reheschübe und nach einem 3/4 Jahr hatte der Tierarzt jegliche Hoffnung einer Heilung aufgegeben.  Ich drängte die Besitzerin zur Akupunktur und schliesslich fuhren wir zu dritt zu ihrem Pferd und untersuchten es. In Rücksprache mit Carola Krokowski behandelten wir es. Nach zweimaliger Akupunktur ging es langsam bergauf und die Besitzerin traute sich, die Behandlung selbst zu übernehmen.

Es mag abwägig erscheinen, bei einer Hufkrankheit an Akupunktur zu denken, aber stelle dir folgendes vor:

Die Meridiane sind Energiebahnen, die den Körper durchziehen und die Akupunkturpunkte sind Stellschrauben, wo man auf den Energiefluss einwirken kann. Gerade an den Hufen befinden sich die Endpunkte oder Anfangspunkte der Meridiane. Hat das Pferd Hufrehe ist der Energiefluss total blockiert. 

Auch hier gilt:

Vorbeugen ist besser als behandeln

Da wir auf das Heu nicht soviel Einfluss nehmen können, bleibt oft nur ein Zufütterung mit einem guten Ergänzer. Außerdem ist die wichtigste Medizin für das Fluchttier Pferd die Bewegung. Bei dicken Pferden wird oft sogar ein tägliches Trabprogramm von 30 Minuten emfohlen. Wenn das Pferd jedoch noch Probleme im Bewegungsapparat mitbringt, habe ich festgestellt, dass ein tägliches Bewegungsprogramm von 15 Minuten Schritt und 10 Minuten Trab viele Probleme vermeidet. Dies unterstützt auch die Leber. Darüber hinaus ist natürlich vorsichtiges Anweiden im Frühjahr selbstverständlich sowie nach Möglichkeit kein Fressen auf kurzen, kleereichen Weiden.

Therapien und Strategien für chronische Hufrehe

Update 17.07.2019

Die "Kopf-in-den-Sand" Strategie für chronische Hufrehe

In einem Stall, wo wir vorübergehender Gast waren, stand ein Shetlandpony mit chronischer Hufrehe. Morgens mussten die Besitzer ihn fast über den steinigen Weg zur Wiese tragen. Er kam so gut wie nie freiwillig aus seiner Box. Als sie sahen, welchen Aufwand ich mit Maulkörben, runterholen, Akupunktur etc. mit meinen Ponys betrieb, sagten sie mir: "Damit fangen wir gar nicht erst an." Wiederholt wurden sie von anderen Miteinstallern darauf angesprochen, aber: "unser Pony hat keine Hufrehe".

Dieser Fall ist kein Einzelfall. Viele Ponys mit Rehehufen habe ich schon auf der Wiese stehen sehen. Viele Pferdebesitzer wollen dieses "Hantier" nicht. Darüber hinaus gibt es einen riesigen Graubereich, wann man von einer Hufrehe spricht.

Die Fütterungstherapie für chronische Hufrehe

Im Mai erreichte mich der Anruf einer verzweifelten Besitzerin eines Ponys mit chronischer Hufrehe. Es hatte ein Jahr lang Schmerzmittel bekommen, zwischendurch auch noch Prascend (dabei hatte das Pony gar kein Cushing) und nun hatte sie eine Therapeutin aufgetan, die versprochen hatte, mit ihrem Ergänzungsfutter würde das Pony innerhalb von 2 bis 3 Wochen wieder problemlos laufen. Nun waren 4 Wochen vergangen und es hatte sich nichts getan.

Die Britin Katy Watts hat auf ihrer Homepage: www.safergrass.org viele Informationen u.a. auch ihre eigenen Erfahrungen, zusammengetragen. Sie reist durch England und hält Vorträge. Auf der Unterseite "Minerals" schreibt sie, dass man sich nicht einreden soll, dass man mit Ergänzungsfuttermitteln dieses Problem beheben kann. Also man kann chronische Hufrehe nicht "wegfüttern". Sie schreibt aber weiter: Wenn du dein Pferd schon auf einem Niedrig-NSC Heu hast, die Hufe ordentlich bearbeitet und unterstützt sind und du noch immer Hilfe benötigst, dann probier ein Ergänzungsmittel für Pferde mit Spurenelementen, um den Glukosestoffwechsel zu unterstützen.

Meine Therapien und Strategien für chronische Hufrehe

Im Juni habe ich versucht, meine Ponys anzuweiden. Zuerst mit Maulkorb eine halbe Stunde. Dann wurde mir klar, dass sie mit dem Maulkorb erst recht das kurze, frische Gras fressen. Daraufhin fünfminutenweise ohne Maulkorb. Parallel dazu bekam ich eine andere Partie Heu, gleicher Händler, gleicher Bauer - aber anderer Schnittzeitpunkt, andere Wiese. Als ich den Heuballen öffnete, wehte mir ein leichter Gülleduft entgegen. Im Internet steht oft zu lesen, dass gedüngte Wiesen bzw. Gräser weniger Fruktan aufweisen, als gedüngte. Das mag zutreffen, wenn mit Kalkstickstoff gedüngt wird. Kalkstickstoff besitzt die Fähigkeit unerwünschte Pflanzen, wie z. B. Klee, zurückzudrängen. Aber welcher Bauer düngt mit Kalkstickstoff? Ich habe es ein paarmal gemacht. Es ist "sauteuer". Normaler Stickstoffdünger mag auch vorteilhaft sein, aber bezweifeln möchte ich nach meinen Erlebnissen der letzten Monate, dass Gülledüngung für Pferdeweiden und Pferdeheu gut ist.

Dann hatte ich das Gefühl, dass die beiden Ponys einen ganz leichten Reheschub hatten und stellte sie nicht mehr auf die Wiese. Danach musste ich für ein paar Tage verreisen.

Am 17.06.19 kam unsere Huforthopädin. Ich erzählte ihr von meinem Verdacht, während sie ein Pony ausschnitt und ich deutlich die verbreiterte weiße Linie sehen konnte.  Sie meinte, dass die Hufe bei Hufrehe anders aussehen würden. Dennoch hat sie mit der Hufzange auf Schmerzen kontrolliert und siehe da, mein hartgesottenes Exmoorpony hat sofort gezuckt. Die Risse in den Hufen beider Ponys (vor o.g. Brunnenwasservergiftung noch nie dagewesen) erklärte sie, wie mein Hufschmied auch, als Spannungsrisse. Leider handelt es sich aber um Infektionen in der weißen Linie, die zu einer extrem schlechten Prognose bei chronischer Hufrehe führen.

Am 19.6. ging mein Pony (mit Hufschuhen) eine Schrittrunde durchs Gelände. Als ich abends kam, stand er durchgedreht und zitternd vor Schmerzen auf dem Paddock. Ich habe ihn sofort akupunktiert und einen Hufverband angelegt. Den Hufverband musste er ein paar Tage tragen und die Akupunktur noch dreimal wiederholt werden. Über Schotterwege geht er bis auf weiteres nur noch mit Schuhen und Polster. Gestern ist er wieder locker getrabt und galoppiert (4 Wochen später).  Wir sind aber noch nicht aus der Gefahrenzone, da er noch immer einen kleinen Riss im Zehenbereich hat und die Infektion in der weißen Linie noch immer besteht (trotz peinlicher Boxensauberkeit und Hufbearbeitung). Seit Samstag haben wir ein NSC-ärmeres Heu.

Zusammengefasst hier noch einmal was ich alles gemacht habe und mache, um meine Ponys aus der Hufrehe zu holen: 

1. Hufverband/Hufschuhe zur Unterstützung und Dämpfung

2. Akupunktur und/oder Blutegeltherapie

Zur Schmerzlinderung, Entzündungsminderung, Leber- und Nierenunterstützung und Verbesserung des Blutflusses, Verbesserung der Hufkonsistenz und Veränderung der Stoffwechsellage. 

3. Homöopathie

Ebenfalls zur Schmerzlinderung, zur Verbesserung des Blutflusses sowie Regulierung der Darmflora 

4. Bewegung

Natürlich ist es im akuten Schub kritisch, da Bewegung zur Absenkung des Hufbeines führen kann. Gleichzeitig jedoch ein weiterer Grund keine Schmerzmittel zu verabreichen, da diese wiederum Leber- und Niere belasten. Grundsätzlich muss Therapieziel sein, das Pferd so schnell wie möglich wieder "ans Laufen" zu bringen. Denn nur dann können Leber und Niere des Pferdes optimal arbeiten. Ohne Bewegung keine Heilung der Hufrehe. Damit meine ich jedoch erstmal keine vom Menschen forcierte Bewegung. Es muss für sich selbst entscheiden können und Auslaufmöglichkeit haben (ohne Steine). Als ein Pony lahmfrei war, habe ich begonnen, es vorsichtig zu longieren. 

5. Kontrollierte Fütterung

Die von Katy Watts postulierte Kontrolle von allen Futterquellen halte ich für nicht durchführbar. Ich selbst habe schon von nur einem Bauern so unterschiedliche Heusorten und Qualitäten - da von unterschiedlichen Wiesen und Schnittzeitpunkten - bekommen. Jedesmal eine Heuprobe untersuchen zu lassen, würde die Kosten für das Heu verdoppeln. Dieses Geld kann man besser direkt in besseres Heu investieren. Oder man mischt mit Heucobs. Die Heuernte 2018 hat gutes Heu rar und teuer gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass 2019 ein besseres Heujahr wird. 

"Das Auge des Herrn füttert das Pferd", so heißt es und ich kann es nur bestätigen. Ich sehe und rieche welches Heu für meine Pferde gut ist. Leider derzeit nicht zu bekommen. Das gleiche gilt für Wiesen: Üppige Wiesen mit Einheitsgras womöglich noch mit Gülle gedüngt kommen für uns nicht mehr in Frage. So haben wir schließlich den Stall gewechselt. Ich habe einen Paradise Paddock gebaut und die Ponys dürfen täglich wieder Gras zupfen, teilweise mit Maulkorb. 

6. Zusatzfuttermittel

Zur Unterstützung des Glukosestoffwechsels und des Hufwachstums und der Hufkonsistenz. 

Hier noch einmal der Link zu Lexa bzw. Atcom:

7. Verabreichung von Darmbakterien

Zur Stabilisierung der Darmflora, so dass eine bessere Verwertung der Fruktane stattfinden kann und ein erneuter Hufreheschub vermieden wird. 


Alles zusammen also 7 Komponenten, die zur Heilung von Hufrehe beitragen (müssen), denn:

Chronische Hufrehe ist sicherlich die ultimative Herausforderung in der Pferdehaltung. Nur mit einem umfassenden Konzept und genauester Beobachtung kann man dies meistern. Viele Tierärzte haben glücklicherweise die wirksame Kombination von Akupunktur und Homöopathie bei der Hufrehebehandlung erkannt und wenden sie an. 


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