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Warum bocken Pferde?

7 Gründe und Tipps für Reiter

Als Kind ritt ich ein Pony namens Falco, ein Shetty. Falco konnte bockend über den Reitplatz galoppieren und nur in einer Reitstunde bin ich manchmal 5-mal runtergefallen.

Heutzutage kann man mit bockenden Ponys kein Brot mehr verdienen, aber glücklicherweise ist auch das Wohlbefinden des Pferdes unter den Reiter mehr in den Fokus gerückt.

 

Finde heraus, warum dein Pferd bockt, dann kannst du etwas dagegen tun.

1. Der Mensch aus Sicht des Pferdes

Der Mensch aus Sicht des Pferdes ist und bleibt im Zweifelsfall immer ein Jäger und damit ein Raubtier und somit ein Feind. Kürzlich führte ich ein Kind auf meinem braunen Pony. Statt anzutraben, sprang er übereifrig in den Galopp. Das Mädchen erschreckte sich und stieß einen gellenden Schrei aus. Mein sonst so geduldiges Pony machte einen riesigen Bocksprung und das Kind flog auf den Boden. 

Das ist auch der wichtigste Grund, mit jungen Pferden erst vom Boden zu arbeiten. Am Boden kann ich mir die Kooperation vom Pferd leichter erarbeiten bis es sich meiner Führung willig anvertraut, weil es verstanden hat, dass es bei mir sicher ist.

2. Bocken aus Übermut und Bewegungsdrang

Gerade im Winter kommt es häufiger vor, dass Pferde unter dem Reiter zu Bocksprüngen neigen. Selbst wenn sie auf einen Winterpaddock kommen, können sie sich nicht so frei bewegen, wie auf der Sommerweide. Sobald sie dann mit dem Reiter in der Halle gehen, ist die Freude oftmals gross, sicheren weichen Boden unter den Hufen zu haben. Dieser Bewegungsdrang lässt sich jedoch oftmals ohne Bocksprünge in ruhigere Bahnen lenken, indem man zügig vorwärts trabt, dabei leichttrabt und dann das Pferd von alleine angaloppieren lässt, um es nach ein paar Galoppsrüngen wieder durchpariert, dann wieder vorwärts im Trab in den Galopp hinein bis das Pferd schnaubt und sich entspannt.

3. Bocken durch Reiterfehler

Festhalten des inneren Zügels ist meiner Erfahrung nach ein häufiger Grund, dass Pferde bocken, denn dies blockiert das Pferd ungemein und der Bocksprung ist dann wie ein Reflex zu sehen. Merke: Die wichtigste Zügelhilfe ist die nachgebende Zügelhilfe.

Sensible Pferde können auch bocken, wenn der Reiter mit der Schenkelhilfe oder dem Gerteneinsatz zu energisch oder aus Sicht des Pferdes ungerecht ist.  Hier gilt es dann, die Hilfen etwas vorsichtiger zu dosieren.

Manche Pferde reagieren auch auf ein Anklemmen der Unterschenkel sofort mit einem oder mehreren Bocksprüngen. Den Reitern ist das oft nicht bewusst. 

4. Bocken als widersetzliches Verhalten

Manchmal machen Pferde einen Bocksprung, weil sie gelernt haben, wenn sie bocken, gibt der Reiter auf. 

Ein alter Grundsatz lautet: Lass dich niemals auf einen Kampf mit dem Pferd ein, wenn du dir nicht 100%ig sicher bist, dass du gewinnst.

Mein Tipp: Hartnäckig sein - wenn das Pferd einen Ansatz zum Bocken aus Widersetzlichkeit zeigt, lass es kurz in Ruhe und dann fragst du wieder, mache das so lange, bis das Pferd verstanden hat, dass du hartnäckiger bist, als dein Pferd.

Hier muss man sich vorsichtig vortasten, vor allem bei explosiven Pferden. Es hilft dabei, sich darauf zu konzentrieren, lang und tief zu atmen.

5. Bocken als Übersprungverhalten

Pferde sind Fluchttiere. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich auf stressbesetzte Situationen mit Flucht reagieren würden. Stelle dir folgende Situation vor: 

Ein Fußgänger mit Regenschirm kommt auf einen Reiter im Gelände zu. Das Pferd hat noch nie einen Regenschirm gesehen. 

Sein erster Instinkt ist somit wegzurennen. Wenn du versuchst, es daran zu hindern, kann dies zu Bocksprüngen führen.

Mein Tipp: Steige ab und führe dein Pferd an dem Regenschirm vorbei, weil du vom Boden deinem Pferd mehr Sicherheit geben kannst. Übe dann am Stall solche Situationen, dass du deinem Pferd beibringst, stehen zu bleiben, in Ruhe das angstbesetzte Objekt anschaut und dann auf Kommando weitergeht.

6. Bocken aufgrund von körperlichen Problemen

Hier denkt man sofort an Rückenprobleme, aber auch Spat kann zu einem Bocksprung führen.

Wenn das Pferd beim Angaloppieren immer zum Bocken neigt, sollte man definitiv den Rücken untersuchen.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bzw. Veterinärmedizin (TCVM) gibt es die Diagnose "Stau im Gürtelgefäss". Das Gürtelgefäss läuft um den Bauch vor dem Hüfthöcker.  Bei einer Fehlfunktion hat es eine Wirkung ähnlich einem zu eng geschnallten Gürtel. Dann staut sich hinten oder vorne die Energie. Staut sie sich hinten, neigen die Pferde grundsätzlich zum Bocken. 

Mein Tipp: Hast du den Verdacht, dein Pferd hat ein Rückenproblem und dein Tierarzt hat nichts gefunden, dann konsultiere unbedingt einen TCVM Therapeuten.

 Weitere Informationen zum Thema Rückenprobleme beim Pferd findest du in meinem Blog Rückenschmerzen beim Pferd.

https://www.joy-with-horses.com/2018/07/04/r%C3%BCckenschmerzen-beim-pferd/

 

7. Bocken aufgrund der Sattelpassform

Pferde können normalerweise sehr viel aushalten. Sie ertragen es  Wochen, wenn nicht sogar Monate und Jahre mit suboptimal angepassten Sätteln zu gehen. Pferde die unter Kissing Spine Syndrom leiden sind jedoch im Rücken empfindlich und verständlicherweise an der Wirbelsäule selbst noch viel mehr. Das bedeutet, dass dein Pferd dich sofort versucht abzubocken, sobald der Sattel zu breit ist und auf die Wirbelsäule drückt. Weil dann verständlicherweise, dein Gewicht höllische Schmerzen verursacht. Du kannst das jedoch ganz einfach überprüfen, indem du

1. Den Sattel ohne alles erst einmal auf den Rücken legst und prüfst, ob du von vorne bis hinten durchschauen kannst;

2. Den Sattel mit Satteldecke angurtest und dann mit der Hand zwischen Satteldecke und Widerrist den Abstand prüfst, als Faustregel gilt hier 3 Finger sollten Platz haben zwischen Widerrist und Satteldecke.

3. Wenn bis jetzt alles in Ordnung war, prüfst du das gleiche vom Sattel aus. Du solltest also deine Hand mit deinem Gewicht im Sattel noch immer gut zwischen Satteldecke und Widerrist hineinschieben können. Besser noch, bitte eine Freundin/einen Freund, dir hier zu helfen.

Fazit:

Falls dein Pferd gebockt hat, hoffe ich, dieser Artikel hilft dir weiter. Merke: Pauschalrezepte gibt es keine, jedes Pferd ist anders.