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Chronischer Durchfall und Kotwasser beim Pferd

Chronischer Durchfall und Kotwasser

beim Pferd - Ein Erfahrungsbericht

Chronischer Durchfall und Kotwasser sind ein häufiges Problem für viele Pferdebesitzer, deshalb habe ich hier ein paar Ursachen und Lösungen aufgeführt.

 

Im wesentlichen gilt es zu verstehen, dass normalerweise im Dickdarm der Nahrung Wasser entzogen wird und dann feste Pferdeäpfel ausgeschieden werden. Also stellen wir die Frage, warum das bei einem Pferd mit chronischem Durchfall und/oder Kotwasser nicht geschieht?

1. Durchfall durch Aufregung und Stress

Eines Abends drang aus der Nachbarschaft Blasmusik herüber und mein sonst so ruhiges, ausgeglichenes und unerschrockenes Pony fing an, in seiner Box zu äpfeln. Die Pferdeäpfel verwandelten sich schnell in Brei. Ich hatte ihn noch nie so erlebt und war sehr in Sorge, dass sich der Durchfall in Kolik verwandeln würde, so extrem war es. 

So holte ich ihn aus der Box und führte ihn auf dem Paddock. Als die Blasmusik verstummte, wurde er langsam wieder ruhiger. 

Zurückgehend auf Verhaltensstudien von Ivan Pavlov ist mittlerweile bekannt, dass der Darm von Säugetieren eine Art Gedächtnis besitzt. Bestimmte Aussenreize werden mit Stress verknüpft, was wiederum zu Krämpfen im Verdauungstrakt führt, die Passage im Darm wird beschleunigt und der Dickdarm hat sozusagen keine Zeit seine Arbeit zu tun, nämlich dem Nahrungsbrei Wasser zu entziehen und so kommt der Brei hinten raus.  

Stress verursacht zudem eine Veränderung der Bakterienflora, was ebenfalls zu Durchfall führen kann. 

Manche rangniedrige Pferde leiden unter Dauerstress, insbesondere wenn sie in einer Gruppenhaltung im Offenstall leben, sie also immer in dem Herdengefüge fressen (müssen). Nach meiner Erfahrung ist das dann der Fall, wenn das Pferd von seiner Persönlichkeit her eher ein ranghohes Pferd ist, das sich aber z. B. aufgrund von körperlichen Problemen nicht mehr durchsetzen kann. Dieser Dauerstress führt dann über Monate und Jahre zu Folgeerkrankungen. In einem Fall entwickelte das Pferd Cushing und in einem anderen Fall eine Herzschwäche. Dazu mehr in einem weiteren Blog. 

Abhilfe bei Durchfall durch Aufregung:

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem homöopathischen Mittel Argentum nitricum bei Pferden mit Durchfall durch Aufregung gemacht. Zusätzlich kann man in solchen Fällen auch noch Bachblüten geben. 

2. Durchfall und Kotwasser durch schlechtes Heu

In einem Stall, wo ich mich aufhielt, wurden wiederholt Heuballen mit schimmeligen Partien verfüttert. Eines meiner Ponys hatte immer wieder Durchfall und schließlich stellte ich fest, wenn er auf der Wiese war, waren die Äpfel fest und wenn er in der Box stand und Heu bekam, hatte er Durchfall. Als ich begann, das Heu zu waschen, wurde es sofort besser. Der Stallbesitzer zeigte mir den Vogel, aber leider ist es Fakt, dass bei empfindlichen bzw. vorgeschädigten Pferden Heu mit erhöhter Schimmelbelastung nicht nur Durchfall sondern sogar Kolik verursachen kann. Die Erklärung ist ganz einfach: Der Darm ist - ähnlich wie die Atemwege - mit Schleimhaut ausgekleidet. Schimmelpilz reizt die Schleimhäute und belastet überdies noch die Leber. 

Was tun?

Gutes Heu füttern wenn irgendwie möglich. Falls nicht, wie bereits erwähnt, das Heu in ein Heunetz füllen und in einem großen Bottich Wasser einweichen und dann gut abtropfen lassen. Mittlerweile gibt es auch Heubedampfer zu kaufen, Kosten ca. € 2000,- Und Heucobs zufüttern, so dass man das "schlechte" Heu wenigstens reduzieren kann. Statt einer Kolikbehandlung kann man viele Säcke Heucobs kaufen oder man tut sich mit ein paar anderen Pferdebesitzern zusammen und kauft direkt eine Big Bag Heucobs. 

3. Durchfall und Kotwasser durch KSS

Als ich meinen Knabstrupper zum ersten Mal zum Reiten fertigmachte, lief er unruhig hin und her und äpfelte mindestens fünf Mal - jedoch waren es keine wohlgeformten Pferdeäpfel sondern eher Kuhfladen. Damals dachte ich mir noch nicht so viel dabei, schließlich hatte ich ihn von einem Pferdehändler gekauft und dann ist es ziemlich normal, dass die Pferde "ein paar Macken haben". Jedoch war sein Kot generell etwas (zu) weich. Irgendwann fiel mir auf, dass seine Pferdeäpfel wohlgeformt waren, wenn die Tierärztin ihn akupunktiert hatte. 

Aus der Humanmedizin kennen wir die sogenannten Head'schen Zonen. Das sind verschiedene Hautareale im Rückenbereich, die von Nerven versorgt werden, die wiederum bestimmten Bereichen in der Wirbelsäule entstammen. Diesen Head'schen Zonen sind innere Organe zugeordnet, wie z. B. der Dickdarm, die Bauchspeicheldrüse, der Dünndarm usw. 

Leidet das Pferd unter Kissing Spine Syndrom mit Veränderungen an der Wirbelsäule, liegt es auf der Hand, dass sich dies auch auf andere Körperbereiche auswirkt. 

Heilung durch richtige Gymnastizierung:

Das Pferd muss lernen seinen Rücken anders zu bewegen. Der Schlüssel ist Aufbau der tiefen Bauchmuskulatur und der richtigen Rückenmuskulatur. Hierzu an anderer Stelle mehr. 

4. Durchfall und Kotwasser durch Fressverhalten

Über die Jahre habe ich beobachtet, dass die Pferde, die sehr viel Heu ins Maul nehmen und nicht gut kauen, eher zu Durchfall und Kotwasser neigen. Im Gegensatz dazu fressen Pferde mit durchgängig festen Pferdeäpfeln viel selektiver, d.h. sie sortieren ihr Heu und ziehen sich einzelne schmackhafte Halme heraus und kauen länger. Man bekommt den Eindruck, dass sie ihr Futter geniessen und nicht nur hinunterschlingen.

 

Hier kann man Abhilfe schaffen, durch Fütterung aus einem engmaschigen Heunetz. Dadurch müssen die Pferde das Heu in kleinsten Portionen herausziehen. Ich habe erlebt, dass manche Pferde das Heunetz kaputt gebissen haben, um an mehr Heu zu kommen, also wundere dich nicht, wenn dein Pferd erst einmal nicht begeistert ist. Aber es wird sich daran gewöhnen. Und merke: Die Sättigung tritt beim Pferd nicht durch die Magenfüllung ein, sondern durch die Anzahl der Kauschläge. Je mehr es also kauen muss, umso schneller wird es satt. Solche Pferde sind im Sommer auch eher Kandidaten für Maulkörbe. 

Darüber hinaus ist aus der Humanmedizin bekannt, dass die Bauchspeicheldrüse übermäßig belastet wird, wenn die Nahrung im Mund nicht gut gekaut wird und/oder nicht in Ruhe gegessen wird. Das wiederum führt in Kombination mit anderen Faktoren auf lange Sicht zu Insulin Resistenz beim Pferd. Je früher man hier gegensteuert, umso besser. 

Und auch hier helfen Heucobs, allerdings in zerkleinerter Form, so dass man nicht einweichen muss. Ich habe festgestellt, dass mein Pony sofort wieder feste Haufen macht, wenn ich ihm bis zu 2 kg täglich Heucobs Senior zufüttere. Denn dies muss er auch sehr gut einspeicheln und kauen, das kann er nicht einfach so herunterschlucken. 

5. Durchfall und Kotwasser in der TCM

Bzw. TCVM, der traditionellen chinesischen Veterinärmedizin. 

Die Ursachen sieht die TCM genauso in externen Faktoren und dazu gehören auch Emotionen und Fressverhalten. Diese können einen negativen Einfluss auf die sogenannte Mitte haben, das sind der Funktionskreis Milz/Pankreas und Magen. Dieser Funktionskreis ist in der TCM zuständig für die Nahrungsverwertung und Umwandlung der Flüssigkeiten. 

Zusätzlich gibt es das Konzept der Feuchtigkeit im Körper. Wenn der Körper Giftstoffe nicht mehr ausscheiden kann, kommt es zum Aufbau von Feuchtigkeit im Körper wie z. B. Kotwasser. Überdies kann chronischer Durchfall vor allem morgens durch eine Schwäche im Nieren-Funktionskreis verursacht werden. Dies ist vor allem bei älteren Tieren der Fall, da die Nierenenergie im Alter abnimmt. Dies bedeutet aber nicht, dass das Pferd eine Nierenerkrankung hat. 

Auf dem Rücken findet man u.a. den Akupunkturpunkt Blase 20, Zustimmungspunkt für den Funktionskreis Milz-Pankreas, ca 1 Handbreit von der Wirbelsäule entfernt, hinter dem Dornfortsatz des 17. Brustwirbels. Bei Pferden mit einer deutlichen Schwäche im Funktionskreis Milz-Pankreas findest du hier eine Delle. Dies kann jedoch auch durch einen schlecht sitzenden Sattel verstärkt werden, bei dem der Schwerpunkt nach hinten verlagert wird und zuviel Gewicht auf den Bereich der letzten Brustwirbel drückt.  

Wenn dein Pferd beim Reiten Durchfall hat, überprüfe die Sattelpassform und dein Reiten.

Da es in der TCM/TCVM Erklärungen für chronischen Durchfall und Kotwasser gibt, gibt es natürlich auch Behandlungsstrategien. Meine Erfahrung ist, dass Akupunktur alleine nicht ausreicht, aber in Kombination mit anderen Maßnahmen gute Ergebnisse bringt. Die Akupunktur kann durch regelmässige Akupressur ergänzt oder sogar ganz ausgetauscht werden. 

6. Durchfall durch Würmer

Diesen Punkt hatte ich ursprünglich gar nicht in Erwägung gezogen, da normalerweise alle Pferde nach folgender Faustregel mit verschiedenen Wurmmitteln entwurmt werden:

 

3x jährlich wenn Wiesen und Paddocks abgeäpfelt werden

 

4x jährlich wenn nicht abgeäpfelt wird.

 

Wenn übergewichtige Pferde oder Hufrehekandidaten jedoch viel auf Paddocks die letzten Grashalme fressen, an die sie sonst nicht drangehen, oder auf Wiesen stehen, die noch nie adäquat gedüngt und gepflegt wurden, haben sie eine hohes Wurmrisiko. Hier kann eine Kotprobe Aufschluss geben.

7. Weitere Maßnahmen

Weitere Maßnahmen, die ich ausprobiert habe, sind natürlich Futterzusätze wie z. B. Kristallkraft oder Kräutermischungen, Heilerde u.a.m. ohne durchschlagenden Erfolg, jedoch hat man als Pferdebesitzer wenigstens das Gefühl, etwas für sein Pferd zu tun, und wer weiß, vielleicht auch eine Kolik abgewendet. Zur Zeit füttere ich Flohsamen und beschäftige mich mit dem Thema Probiotika für Pferde. Die Heuernte 2018 bedeutet für mich bzw. mein Pony eine Verschlimmerung, da es extrem schwierig ist, gutes Heu zu beschaffen. Deshalb ist das Zufüttern von Heucobs und Futterzusätze  oftmals die einfachste Möglichkeit, die Lage im Darm zu verbessern. Was hat deinem Pferd geholfen? Schreibe mir