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Eichenprozessionsspinner

Prozessionsspinner in der Pferdehaltung

Vor vielen, vielen Jahren hatte ich einen Stall gepachtet mit einer langgezogenen Wiese, die von einer Baumreihe bestehend aus vorwiegend alten Eichen, gesäumt war. Es gab keine gut funktionierende Selbsttränke, so schleppte ich an heißen Sommertagen Wassereimer zur Wiese und stellte sie neben die Bäume, so dass die Pferde sie nicht versehentlich umwarfen. An einem Junitag stellte ich fest, dass im Wasser einige schwarze Raupen waren. Ich fischte sie vorsichtig heraus und legte sie auf den Boden. Kurz danach musste ich wegen einem Routineeingriff ins Krankenhaus. Zufällig schnappte ich eine Unterhaltung meiner Bettnachbarin auf. Den Rest könnt ihr euch denken. Es ging um die Prozessionsspinnerplage. Bis 2005 waren die Eichenprozessionsspinner in der Pferdehaltung unbekannt.

Als ich aus dem Krankenhaus kam, begutachtete ich alle Pferde auf mögliche allergische Reaktionen und tatsächlich, 1 Pferd hatte eine Bindehautentzündung und ein Pferd hatte Urtikaria. Ich rief den Tierarzt und er spritzte Kortison.

Neben dem Stall befand sich ein Wohnhaus. Im Garten stand ebenfalls eine alte große Eiche. Die Mieterin erzählte mir, dass sie wegen einem allergischen Schock ins Krankenhaus musste. Sie war mit nackten Füssen durch das Gras gelaufen.

Die Raupen besitzen viele kleine Häarchen am Rücken. Diese lösen sich und werden durch den Wind überall verteilt. In den Häarchen befindet sich ein Giftstoff namens Thaumetopein, der außer Augenreizungen, allergischen Schocks und Hautausschlägen auch Asthma auslösen kann.

Im Folgejahr sprach ich mit einem sehr kompetenten Mitarbeiter der Kommunalverwaltung, der mir mitteilte, dass verschiedene Kommunen ein natürliches Mittel gegen die Prozessionsspinner mit dem Hubschrauber ausgebracht hatten. Unsere Weide gehörte leider nicht dazu aber er konnte mir einen Garten- und Landschaftsgärtner nennen, der dann auf meine Rechnung kam, und die Nester abflammte. Es war nicht billig und teurer als der Tierarzt, aber Krankheitsvermeidung ist immer besser als die Behandlung.

Wiederum im Folgejahr begann ich schon im Mai mit dem Fernglas die Bäume zu überprüfen und war froh, nichts entdecken zu können. Tage später äpfelte ich die Wiese ab und mein rechter Ellbogen find an, unerträglich zu jucken. Ich kratzte und kratzte, es wurde nicht besser. Dann schaute ich nach oben und tatsächlich, weit oben an einer Astgabelung sah ich ein Nest. Zu hoch, um mit einer Leiter hinzukommen. In der darauffolgenden Woche waren auch Prozessionsspinner nach unten am Stamm gewandert, die ich dann selbst abflammen konnte.  Die Pferde waren glücklicherweise ohne Symptome. Aber wenn man die Spinner am Stamm wandern sieht, sieht es tatsächlich aus wie eine Prozession, daher wahrscheinlich der Name. Die Nester, die sich sehr oft an Astgabelungen befinden, sehen aus wie ein grosses Spinnennest und man muss schon gut hinschauen, um sie zu erkennen, insbesondere wenn sie sich in 4 m Höhe befinden.

Dann kehrte zum Glück Ruhe ein und auch als ich Jahre später den Stall wechselte, gab es keine Prozessionsspinner an den Eichen. Bis ....

Mai 2018: Prozessionsspinner auf dem Pferdepaddock

"Kuck mal," sagte das Mädchen, das ich auf meinem Pony über den Paddock führte. Die Mutter und ich folgten mit den Blicken ihrem Zeigefinger. Und siehe da, ein Prozessionsspinnernest auf nur 1,50 m Höhe. Die Eiche sperrte ich sofort ab.  Dann besorgte ich noch am gleichen Tag das Flammgerät eines Freundes und vernichtete das Nest. Dabei musste ich feststellen, dass die alte Eiche anfing, zu glühen. Mittlerweise ist das Abflammen der Nester in vielen Gemeinden verboten, da tatsächlich dabei schon Bäume in Brand geraten waren. Bei genauer Begutachtung fand ich weitere Nester an diesem einen Baum und rief den Garten- und Landschaftgärtner, der ein paar Tage später mit einer riesigen Leiter kam und alle Nester abflammte. Danach regnete es ziemlich, so dass ich dachte, ich kann den Paddock wieder komplett für die Pferde aufmachen. Abends kam ich, um die Pferde reinzustellen und sah voller Entsetzen meinen Knabstrupper mit roten Augen und dicken Beulen am Hals, im Gesicht, an der Schulter und am Bauch. Sehr wahrscheinlich hatte er sich am Baumstamm gescheuert. Ich spritzte ihn sofort ab und wusch ihn mit einem speziellen Shampoo gegen Juckreiz. Außerdem spritzte ich Alleosal und Dermisal von Weravet, bewährt bei Sommerekzem. In die Augen tröpfelte ich Euphrasia-Augentropfen. Das wiederholte ich an den darauffolgenden Tagen und eine Woche später war er wieder in Ordnung. Die Eiche sperrte ich natürlich wieder ab.

Der Stallbesitzer, wie auch seine Vorgänger, wollte mit der ganzen Sache nichts zu tun haben und so rief ich wieder bei der Gemeindeverwaltung an. Er wiederum erklärte mir, dass die Gemeinde nicht zuständig sei, da der Baum ja auf Privatgelände steht, jedoch geplant sei, im Frühjahr 2019 mit dem Hubschrauber wieder ein Mittel gegen die Eichenprozessionsspinner auszubringen. Weiter versicherte er mir, dass für die Menschen, die unter dem Baum laufen, keine gesundheitliche Gefahr besteht. Gewarnt hat er mich jedoch, die Pferde in der Umgebung des Baumes fressen zu lassen, da es bei empfindlichen oder allergischen Pferden zu einer Anschwellung der Rachenschleimhäute führen kann, die im schlimmsten Fall zur Erstickung führt. Der Wirkstoff in den Häarchen kann bis zu einem halben Jahr aktiv sein. Also habe ich wieder die Eiche und die Umgebung abgesperrt.

Kurz danach durfte ich beobachten, wie ein Mitarbeiter des Gemeindebauhofs die Prozessionsspinnerneste von einer Eiche entfernte. In einem Einwegschutzanzug mit Kaputze und Handschuhen, ausgerüstet mit Plastiktüte und Spüli, hat er die Spinner "einfach" vom Baum abgewaschen.

Update 27.05.19

Gestern kam mein Knabstrupper mit heraushängender Zunge auf mich zu. Ich schaute mir das genauer an und stellte fest, dass er ständig versuchte, auf seine Zunge zu beißen. 'Wahrscheinlich hat er Brennnesseln gefressen', dachte ich. Dann beobachtete ich plötzlich auch mein Pony mit dem gleichen Verhalten. Einer Eingebung folgend, ging ich zur Eiche. In den vergangenen Wochen hatte ich immer wieder einmal in den Baum geschaut, ohne auch nur eine Spur von Prozessionsspinner zu entdecken. Jetzt sah ich das Nest, hoch oben.

Prozessionsspinner 2019 - Pferdegesundheit

"So schlimm wie nie zuvor", sagte mir ein Experte aus der örtlichen Gemeinde. Tatsächlich, bei der Besichtigung eines Reiterhofes in Issum sah ich eine Eiche auf dem Paddock stehen. "Und, haben Sie schon einmal Probleme mit Eichenprozessionsspinnern gehabt?", fragte ich die Stallbesitzerin. "Nein, was ist das?" Sie schaute mich fragend an. Ich erklärte ihr ein wenig über Aussehen und Ausmass dieser Raupen. Dabei wanderte mein Blick über den Stamm der Eiche auf dem Pferdepaddock. Und tatsächlich, fast auf Kopfhöhe sah ich ein Nest, dann noch weitere. Die Stallbesitzerin war entsetzt. Ich erklärte ihr auch, welche Maßnahmen man ergreifen kann, um die Nester zu beseitigen. Ich hoffe, sie konnte es umsetzen, denn mittlerweile weiss ich, die

Prozessionsspinner verursachen Headshaking

beim Pferd.  Im Mai zeigte mein Knabstrupper extreme Headshaking Symptome. Nachdem ich die Eiche abgeriegelt hatte, war dieses Thema erledigt. Deshalb nicht umsonst in vielen Artikeln die Überschrift: "Eichenprozessionsspinner - die unterschätzte Gefahr für Pferde". Hier noch einmal die Gesundheitsgefahren in Kürze:

- Atemblockaden

- sämtliche allergische Reaktionen wie z.B. Husten, Nase reiben, Augenentzündungen und Hautausschläge.

 

Von einer Hundebesitzerin hörte ich, dass die Zunge durch Kontakt mit den Häarchen der Spinner, abgestorben war. Die schlechte Nachricht für alle Pferdehalter, deren Pferde in Umgebung von Eichenbeständen gehalten werden:

Die Wirkung der Häarchen wird auf über ein halbes Jahr geschätzt. Durch den windigen Juni wurden diese zudem noch sehr weit verteilt. Das bedeutet, dass diese Paddocks und Wiesen erst im Herbst mit zunehmendem Niederschlag wieder genutzt werden können.

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