Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

                                                                                          Friedrich Rückert

Die Gesundheit des Pferderückens sollte wirklich deine höchste Priorität beim Reiten sein. Der Rücken verteilt die Belastung auf die Beine und umgekehrt geht der Aufprall des Hufes letztendlich bis zum Rücken. Verabschiede dich von dem alten Anspruch, dass das Pferd Gewicht auf der Hinterhand aufnehmen muss. Zuerst muss es balanciert sein und seinen Rücken richtig benutzen. Damit beugst du auch Sehnenschäden, Fesselträger- bis hin zu Gelenkproblemen vor. 

 

Es ist gar nicht schwierig. Nachfolgend ein paar Anregungen: 

 

 

Aufsteigen mit Aufsteigehilfe

und zwar von beiden Seiten!

 

Warum?

Es gab Studien bzw. Untersuchungen an der Wirbelsäule von Pferden, die gezeigt haben, dass sich durch jahrelanges Aufsteigen die Dornfortsätze verändert haben. Ich bin in Reitschulen groß geworden, wo nur vom Boden und nur von links aufgestiegen wurde. Während meines Aufenthaltes in England hatte ich erstmals das Vergnügen von einem eigens dafür geschaffenen Betonblock aufsteigen zu dürfen. 

Wenn du ein guter Reiter werden möchtest, ist es wichtig die Koordination beider Körperseiten zu trainieren. Deshalb ist es hilfreich, von beiden Seiten aufzusteigen. Wenn du bisher immer von links aufgestiegen bist, lehrst du deinem Körper ein neues Bewegungsmuster und machst direkt eine Koordinationsübung zum gleichmässigen Einsatz beider Körperhälften, was für gutes Reiten unerlässlich ist. 

Achtung: 

Gewöhne dein Pferd vorsichtig an eine Aufstiegshilfe. Fange an mit einem kleinen Höckerchen und bringe ihm bei, erst einmal in Ruhe stehen zu bleiben. 

Bleibt dein Pferd beim Aufsteigen nicht stehen, weder mit noch ohne Aufsteigehilfe, solltest du einmal den Pferderücken untersuchen lassen. Dies kann ein Warnsignal für Rückenschmerzen beim Pferd sein. Weitere Warnsignale findest du in meinem Blog: 

Übrigens:

Viele schlimme Unfälle passieren, wenn das Pferd beim Aufsteigen nicht stehen bleibt, insbesondere beim Training von jungen Pferden und anreiten. Deshalb ist das ein wichtiger Bestandteil in meinem Konzept zum sicheren Geländereiten. 

Eine genaue Anleitung findest du in meinem Blog und auf YouTube:

Den Pferderücken stärken

heißt nicht nur Rücken- sondern auch Bauchmuskulatur aufzubauen. Reite Seitengänge und lerne, dein Pferd über den Rücken zu reiten. Richtige Longenarbeit kann hier auch gut helfen, wenn man es richtig macht. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Hilfsmittel, um dem Pferd den Weg in die Tiefe zu zeigen. Aber Kopf unten heißt noch lange nicht, dass der Rücken locker ist, schon gar nicht, wenn es erzwungen ist. Wenn dein Pferd nicht von alleine den Hals fallen lässt, denke über eine Hilfestellung mit Osteopathie, Akupunktur oder Homöopathie nach. 

Hier ein kleiner Ausschnitt aus meiner Longenarbeit um den Pferderücken zu stärken: 

Eine Pferdedecke für den Pferderücken

Immer wieder höre ich, dass wir Pferde verweichlichen, wenn wir sie eindecken. Aber gerade Pferde mit einem empfindlichen Rücken profitieren immens durch Eindecken bei schlechtem Wetter. Dein Tierarzt wird es dir bestätigen. Darüber hinaus ist es so, dass Pferde, die regelmäßig geputzt werden, ihre natürlichen Öle verlieren. Dadurch gelangt Feuchtigkeit, sprich Regen schneller auf die Haut. 

Ist der Sattel der Richtige?

Normalerweise wird immer davon gesprochen, die Sattelpassform überprüfen zu lassen. Das sollte man natürlich sowieso machen lassen. Oftmals kann dein Reitlehrer, Physiotherapeut oder Ostheopath hier besser beraten als ein Sattler, da dieser wiederum meistens daran interessiert ist, einen neuen Sattel zu verkaufen. 

Unter Freizeitreitern sind baumlose Sättel bis hin zum Fellsattel eine Alternative zum herkömmlichen Vielseitigkeitssattel. Sie sind auch viel günstiger und für manche Pferde die einzige Alternative. Der Nachteil von baumlosen Sätteln ist jedoch, dass sie das Gewicht nicht gut über den Pferderücken verteilen und damit punktuell Druck ausüben. Ich habe schon Pferde gesehen, die innerhalb von 4 Monaten eine verkürzte Oberline bekommen haben und einen Unterhals entwickelt haben, nur durch den Umstieg von Westernsattel auf Barefoot. 

Seriöse Sattelverkäufer sagen dir ganz klar, dass du mit einem baumlosen Sattel, dein Pferd auch entsprechend reiten musst. Wenn du besser ausgerichtet reitest und gelernt hast, dein Gewicht auch zur Seite zur verteilen, dann kann ich dir baumlose Sättel empfehlen. Ich selbst habe mit baumlosen Sätteln nur gute Erfahrungen gemacht. Mehr davon in Kürze....

Besser reiten

Als ich 42 Jahre als war, hatte ich mich damit abgefunden, dass ich mein Reiten nicht mehr verbessern konnte. Von Reitlehrern hörte ich Kommentare wie: "Irgendetwas stimmt mit deinem Leichttraben nicht, aber ich kann dir nicht sagen was", oder "dein Bein schlackert". 

Schlimmer noch, ich bekam so viele Rückenprobleme, dass ich an den Punkt kam, wo ich dachte, dass ich das Reiten ganz aufgeben müsste. Mein Hausarzt meinte, wenn ich nichts ändern würde, könnte ich mit 50 im Rollstuhl sitzen. 

Und dann entdeckte ich wie durch Zufall das Buch von Mary Wanless: "Reiten in Vollendung". Damit begann eine der spannendsten Zeiten in meinem Reiterleben. Ich lernte nicht nur, wie ich selbst viel besser reiten konnte, ich konnte dies auch meinen Reitschülern vermitteln und sie schneller auf den Weg zu einem ausbalancierten Sitz  bringen. 

Ein weiteres Buch von Mary Wanless bringt die Grundsätze ihrer Methode noch mehr auf den Punkt (und ist kürzer):

Skala der Ausbildung

Schon einmal etwas davon gehört? Es geht um die Skala der Ausbildung des jungen Reitpferdes. Vielleicht ist dein Pferd schon 10 Jahre alt und du denkst, es kann alles? Die ersten Schritte in der Skala der Ausbildung lauten TAKT und LOSGELASSENHEIT. Das muss immer dein oberstes Ziel sein. Ich sehe viele Pferde im Basisbereich, die nicht losgelassen gehen können. Einer der Gründe: 

Kurze Zügel

Ich hatte das große Glück, einen Reitlehrer zu haben, der zusammen mit Klaus Balkenhol und Jean Bemelmans bei Otto Lörke Unterricht hatte. Otto Lörke war ein Reitmeister, ein Titel den nur sehr sehr gute Reiter und Ausbilder verliehen bekommen. 

Jedenfalls hat mir mein Reitlehrer immer wieder gepredigt, wie wichtig es ist, bei Pferden, die nicht gelernt haben, unter dem Reiter über den Rücken zu gehen, nur am langen oder hingegebenen Zügel Schritt zu reiten und erst für das Antraben den Zügel aufzunehmen - das gilt auch für gebissloses Reiten. Ich selbst war auf einem Seminar mit Jean Bemelmans, wo er versucht hat, den Reitern beizubringen, ihre Pferde in allen Gangarten am hingegebenen Zügel zu reiten. Kannst du das? Erlaubst du deinem Pferd sich vor allem in den ersten 20 Minuten zu strecken? Ist das dein Ziel in der Aufwärmephase? Lässt du auch zwischendurch immer wieder die Zügel lang? Probier es mal aus, du wirst ein viel zufriedeneres Pferd haben, es wird dir viel mehr Freude bereiten. 

Galopparbeit

Kennst du den Effekt von häufigen Übergängen zwischen Trab und Galopp in der Lösungsphase? Oder Galoppieren im ruhigen Tempo geradeaus im Gelände? Beides kann den Pferderücken stärken, wenn dein Pferd sich dabei loslassen kann. Tut es dies absolut nicht, lass es von einem Tierarzt oder Therapeuten überprüfen.