Verbindung zum Pferd

In einem Interview des WDR-Fernsehens anlässlich des CHIO-Aachen 2018 sprach die Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werdl davon, eine "ganz enge Verbindung zum Pferd aufzubauen". 

Der britische Springreiter Ben Maher sagt sogar, dass die Verbindung zum Pferd am wichtigsten ist. Kritiker von Matthias Alexander Rath und Totilas munkeln, dass die beiden nie eine gute Verbindung hatten und deshalb nie an den Erfolg von Edward Gal anknüpfen konnten.

Durch die Horsemanship Bewegung entsteht der Eindruck, und wird von vielen Trainern so definiert, dass es nur um führen und folgen geht. Topreiter wissen es besser: Wenn ich mir wünsche, dass mein Pferd mitdenkt und alles gibt, dann benötige ich eine gute Verbindung. 

Meine Geschichte

Als Jugendliche hatte ich eine ganz besondere Verbindung zu meinen beiden Pflegepferden Temptation und Santorin, genannt Sputz. Temptation, ein Halbbruder des damals berühmten Hirtentraum, war ausgebildet bis S-Dressur. Santorin, genannt Sputz, war ein Westfalenwallach von Steinadler und damals noch im Besitz von Dr. Wolfgang Hölzel, dem Leiter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Beide durfte ich ab und zu „richtig“ reiten, denn normalerweise konnte man als Pflegemädchen nur trocken reiten. Das bedeutete, das Pferd, wenn es nassgeschwitzt von seinem Reiter (Bereiter oder Besitzer) war, am Ende 10 Minuten Schritt zu reiten. Temptation war ein Nervenbündel, ein Grund warum er nie auf Turnier ging. Einmal durfte ich ihn sogar in der Reitstunde bei Manfred Hölzel, dem Bruder von Wolfgang Hölzel und Besitzer der Reitschule und Reitanlage, reiten. Wir ritten Galopptraversalen und Einerwechsel und starken Trab und ich wusste gar nicht wie mir geschah. Heute kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, wie jemand mit so wenig Erfahrung, solche Lektionen reiten kann. Damals ritt ich ca. 3 Jahre: Einmal pro Woche auf einem Schulpferd.

 

Sputz liebte ich ganz besonders und beim reiten  ging es mir ähnlich wie mit Temptation. Ich dachte nur ans angaloppieren und Sputz sprang an. Mit Leichtigkeit und Freude, ohne Stress. Eines Tages durfte ich ihn auf ein Turnier im Kräherwald begleiten. Die Bereiter benötigten morgens über eine Stunde ihn zu verladen. Als er fertig mit der Prüfung war, ritt ich ihn noch etwas Schritt und verlud ihn dann, ganz in Ruhe und alleine.  Er ging mit mir ohne zu zögern auf den Hänger.

 

 

Aus Erfahrung kann ich sagen, die Verbindung zu jedem Pferd ist anders. Jedes Pferd ist anders und spricht uns anders an. 

Mein erstes Pferd war eine 16-jährige Traberstute namens Xenia, die offensichtlich schon einiges mitgemacht hatte. Ich gewöhnte sie an das Geländereiten und machte Bodenarbeit nach Linda Tellington-Jones. Schon nach kurzer Zeit wurde sie viel ruhiger und zuverlässiger. Und doch war unsere Verbindung irgendwie nicht so wie ich es mir wünschte. Xenia kam nie zu mir hin, wenn ich sie von der Wiese holte, geschweige, dass sie mal zur Begrüßung gewiehert hätte. 

 

Eines Tages klagte ich "mein Leid" meiner Nennoma. "Xenia liebt mich gar nicht", schluchzte ich. Sie nahm mich in den Arm und sagte mit der Weisheit einer älteren Dame, die sich mit Pferden überhaupt nicht auskannte: "Sag ihr einfach, dass du sie lieb hast."

Am nächsten Tag fuhr ich zum Stall und ging zur Wiese. Ich sah Xenia dort stehen, fühlte in mein Herz und dachte an die Worte von Oma: Xenia ich hab dich sehr lieb. Sie hob den Kopf und kam auf mich zu. 

"Man sieht nur mit dem Herzen gut",

sagte der kleine Prinz in Saint-Exupéry's berühmter Geschichte. Und mit Pferden verbindet man nur mit dem Herzen gut.

"Mein Pferd liebt mich so", erzählte mir mein Reitlehrer eines Tages freudestrahlend. "Er wiehert, wenn ich komme und folgt mir auf Schritt und Tritt". 

Ich habe mich mit ihm gefreut, doch längst war mir eines klar geworden: 

Nicht was das Pferd für mich tut und wie es sich mir gegenüber äußert ist wichtig, meine Liebe zum Pferd ist, das was mich erfüllt und glücklich macht. 

Bist du bereit?

Bist du bereit, dein Herz zu öffnen und dich berühren zu lassen? Ganz spontan ....