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Grundsätze für Pferdefreunde

Die nachfolgenden Grundsätze sind Leitlinien und Impulse, die ich versuche, jedem meiner Reitschüler mitzugeben. Sie sind nicht selbstverständlich und zum Teil in Vergessenheit geraten.  Beachte dabei, dass jeder Mensch im Umgang mit dem Pferd und beim Reiten Fehler macht, aber Pferde sind die nachsichtigsten Wesen, die man sich vorstellen kann. Sei also auch du nachsichtig nicht nur mit deinem Pferd sondern auch mit anderen Menschen und dir selbst.

Vor über 20 Jahren gab die Deutsche Reiterliche Vereinigung die 10 ethischen Grundsätze des Pferdefreundes heraus. Einer der wichtigsten daraus, ist

1. Verantwortung

In § 1 der Ethischen Grundsätze steht: "Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen." Das bedeutet, dass auch ein Reitschüler oder eine Reitbeteiligung eine Verantwortung trägt. Diese besteht insbesondere darin, für das Wohlergehen des Pferdes Sorge zu tragen, z. B. durch ein gründliches Putzen der Sattellage, um Satteldruck zu vermeiden.

Viele Menschen sind sich bewusst, dass Pferde eine immense Verantwortung bedeuten, die zu tragen nicht immer einfach ist. Aber wie heisst es so schön:

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!

2. Das Pferd hat niemals Schuld

Mit diesem Grundsatz bin ich groß geworden. Er sollte selbstverständlich sein. Denn: Erziehung, Respekt und Gehorsam hin und her, das Pferd ist und bleibt ein Tier. Es hat kein übergeordnetes Bewußtsein oder mit anderen Worten: Es denkt nicht im Sinn von was wäre wenn. Das Pferd folgt seinem Instinkt und bleibt im Zweifelsfall für den Menschen unberechenbar.  Bei Pat Parelli gibt es eine schöne Geschichte, von dem Pferd, das seinen Besitzer beisst. Man sollte das Pferd hier nicht strafen, sondern seine eigene Haltung überdenken.

3.  Mehr Lob als Tadel

Dies ist auch ein alter Grundsatz mit dem ich groß geworden bin und hat sich damals besonders auf das Reiten bezogen. Der Einsatz von Gerte und Sporen sollte also nicht das Mass deines Lobes übersteigen. In meinem Reitunterricht habe ich das Ziel, so zu reiten, dass du dein Pferd loben kannst. Dies wird dein Pferd unglaublich motivieren. Womit wir schon beim nächsten Grundsatz sind:

4.  Ende eine Reiteinheit immer positiv

Das was zuletzt geschehen ist, bleibt deinem Pferd in Erinnerung. Auch wenn eine ganze Reiteinheit schlecht gelaufen ist und du total frustriert bist und darüber nachdenkst, dein Pferd in Beritt zu geben. Reiss dich zusammen und überlege, was immer gut klappt wie zum Beispiel eine Vorhandwendung. Konzentriere dich gut, dass es auch wirklich gut klappt, dann lobe dein Pferd und steige sofort ab.

5.  Freue dich

Pferde können in uns lesen wie in einem Buch. Als Fluchttier haben sie gelernt, von weitem zu erkennen, ob ein Raubtier hungrig durch die Gegend streift, oder vollgefressen zufällig vorbeikommt. Diese Fähigkeit haben sie bis heute behalten. Kommst du also abgehetzt zum Stall, hast eigentlich gar keine Lust zu reiten, tust es widerwillig trotzdem, dann wundere dich nicht, wenn dein Pferd nicht gut läuft. Pferde saugen unsere Energie regelrecht auf. Mit einer Reitschülerin ritt ich einmal aus und wir trabten und galoppierten und die Sonne schien, es war herrlich. Aber die Reitschülerin sass die ganze Zeit auf dem Pferd mit einer steinernden Miene. Nach einiger Zeit fing das Pferd an mit dem Kopf zu schütteln. Noch bevor wir den Stall erreichten wurde das Kopfschütteln so schlimm, dass ich die Reitschülerin bitten musste, abzusitzen. Die Schüttelei hörte sofort auf.

 

Wie kannst du dich also freuen, wenn gerade in deinem Leben einiges schlecht läuft? Du kannst dies ändern,

indem du dir wieder deine Motivation ein Pferd zu haben in Erinnerung rufst,

indem du in dein Herz fühlst und die Liebe zu deinem Pferd spürst,

indem du an deine Leidenschaft für das Reiten denkst,

und dir deine Ziele und Träume vorstellst.

Dann lass dein Pferd bildhaft vor dir auftauchen. Sieh in seine großen, dunklen Augen, lass dich verzaubern und fahr mit Freude im Herzen zum Stall.

6.  Springe über deinen Schatten

Wie ich eingangs schrieb, pflegte ein alter Freund zu sagen "schaff dir ein Pferd an und dein Leben wird nie wieder langweilig". Wie Recht er hatte, denn:

Zum Wohle deines Pferdes wirst du öfters mal auf Menschen zugehen müssen, auch wenn dir nicht danach ist.

Zum Wohle deines Pferdes wirst du dich öfters mal aufraffen müssen, auch wenn du gerade keine Lust hast.

Zum Wohle deines Pferdes wirst du dich mit dir selbst auseinandersetzen müssen, auch wenn das schwierig ist.

Heisst das Arbeit und Anstrengung? Vielleicht ein bisschen. Aber gleichzeitig begibst du dich auf eine der spannendsten Reisen deines Lebens und ja, dein Leben wird nie wieder langweilig.

7.  Disziplin

Das Wort Disziplin erinnert uns oft an die Schule, insbesondere wenn man die Wortherkunft googelt, findet man Lehre, Zucht und Ordnung. In Bezug auf Pferde und Reiten geht es zum einen um die Regelmässigkeit der Gymnastizierung. Denn nur wenn wir unser Pferd regelmässig gymnastizieren bekommt bzw. erhält es die richtige Muskulatur, um unser Gewicht zu tragen.

8.  Demut

Die bekannte Dressurreiterin und Trainerin Nicole Uphoff-Becker sprach in einem Interview mit dem WDR-Fernsehen von der Demut gegenüber dem Pferd. Um das zu verstehen, muss man wissen, was genau Demut bedeutet:

Demut besteht nicht darin, sich geringer als die anderen zu fühlen,

sondern sich von der Anmaßung der eigenen Wichtigkeit zu befreien.

Dieses Zitat stammt von dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard und sagt schon alles.

9.  Lebenslanges Lernen

Beim Reiten lernt man nie aus. Das ist ein ganz alter Grundsatz und gute Reiter wissen das. Selbst Weltmeister wie Ingrid Klimke haben ihre Trainer und nehmen ihren Rat an.

Wenn du schon seit deiner Kindheit reitest, denkst du möglicherweise, irgendwann hast du doch ausgelernt, so wie in der Lehre. Aber jedes Pferd, jede Situation stellt uns vor neue Herausforderungen. Und es ist nie verkehrt, sich andere Meinungen und Erfahrungen anzuhören, um sich dann davon etwas herauszupicken. Sei und bleibe offen. Und höre auf die Experten, dein Bauchgefühl und dein Pferd. Womit wir beim nächsten Punkt sind:

10. Zuhören

Monty Roberts, der weltberühmte Pferdetrainer, auch Pferdeflüsterer genannt, schrieb ein Buch, das in Deutschland unter dem Titel "Der mit den Pferden spricht" zum Bestseller wurde. Titel der 1996 erschienenen Originalausgabe war jedoch: "The Man Who Listens To Horses" - Der Mann, der Pferden zuhört.

11. Achtsamkeit

Achtsamkeit ist notwendig im Umgang mit Pferden, denn auch hier gilt: Sie können in uns lesen wie in einem Buch. Und sobald wir mit den Gedanken woanders sind, nutzen vorwitzige Pferde die Gelegenheit. Das könnte im Gelände ein Naschen am Strassenrand sein oder beim Putzen rempeln sie uns plötzlich an. Unterm Sattel klappt etwas nicht so wie wir uns das vorgestellt haben.

12. Dankbarkeit

Wenn du glücklich sein willst und das größte Glück auf Erden immer wieder erleben möchtest, dann mache Dankbarkeit zur täglichen Übung.

13. Liebe

"Aus Liebe zum Pferd" lautet auch dieses Jahr wieder der Leitspruch der Equitana 2019, der größten Pferdemesse der Welt. Das ist wundervoll, erinnert es uns doch alle wieder daran, dass in unserer Brust ein Herz schlägt für diese wunderbaren, anmutigen und kraftvollen Geschöpfe, die uns so viel geben und uns auf ihrem Rücken dem Himmel ein bisschen näher bringen.

Drum mache auch dies zur täglichen Gewohnheit und du wirst feststellen: Es ist schön, wenn du feststellst, dass dein Pferd dich liebt. Und es ist noch schöner, wenn du fühlst, wie deine Liebe zum Pferd dich glücklich macht.

Je mehr du diese Grundsätze lebst, umso glücklicher wirst du und umso mehr Freude wirst du beim Reiten und im Umgang mit Pferden haben. Deine Beziehung zu deinem Pferd wird inniger und erfüllter und das wird sich auch in deinem ganzen Leben widerspiegeln.